Rallye Dakar: Mentale und physische Herausforderung

Von Manuel Pecino
Dakar Moto

Viele Kilometer auf dem Motorrad und der geringe Schlaf fordern den Dakar-Piloten alles ab, doch hat die häufig beschriebene Müdigkeit eher mentale als körperliche Ursachen?

Nahezu 10.000 Kilometer durch Argentinien, Bolivien und Chile liegen vor den Teilnehmern der Rallye Dakar 2015, über die Hälfte davon werden auf Pisten 3000 Meter über dem Meeresspiegel ausgetragen. Um herauszufinden, ob die im Laufe der Rallye auftretenden Müdigkeitserscheinungen eher mentale als körperliche Ursachen, befragten wir die Piloten persönlich.

«Es ist sehr schwierig für mich, den einen vom anderen Aspekt zu trennen», erklärt Marc Coma, der mit zehn Dakar-Teilnahmen und vier Gesamtsiegen zu den erfolgreichsten Piloten zählt, nach einiger Zeit der Überlegung. «Bist du allerdings körperlich nicht richtig fit, wird auch dein Gehirn nicht wunschgemäß funktionieren. Die ‚Dakar‘ ist außergewöhnlich anstrengend. Du ernährst dich nicht optimal und du schläfst nicht gut. Ich glaube auch, dass das Gehirn in 4000 Metern anders funktioniert, als in 1000 Metern. Es ist ein ständiger Kampf mit dir selbst, um die Konzentration nicht zu verlieren. Aber auch das macht die Rallye Dakar aus.»

Neben Marc Coma ist Joan Barreda der zweite Favorit auf den Dakar-Gesamtsieg. Uns interessierte vor allem, ob seine Erfahrungen denen Comas gleichen. «Den Verschleiß spürst du bei der ‚Dakar‘ in allen möglichen Bereichen, aber körperlich ist es einfach brutal», behauptet Barreda. «Am Ende der Wertungsprüfungen bist du absolut fertig! Die meisten Piloten sind der Ansicht, dass diese große Müdigkeit vom fehlenden Schlaf verursacht wird. In meinem Fall musste ich allerdings feststellen, dass die Müdigkeit eher auf den mentalen Verschleiß zurückzuführen ist.»

Laia Sanz ist die erste Frau, die für das Honda-Werksteam verpflichtet wurde. «Das Härteste an der Rallye Dakar sind der wenige Schlaf und dass du zwei Wochen lang quasi gefangen bist», meint die 29-jährige Spanierin. «Da wir immer erst sehr spät im Camp eintreffen werden, bleibt gar keine Zeit, um zu entspannen. Alles muss schnell gehen: Duschen, Physiotherapie, Essen und danach noch das Roadbook aktualisieren. Du sitzt 12 Stunden im Sattel, hast aber nur eine Stunde Zeit, um dich auf den nächsten Tag vorzubereiten. Gegen Ende einer so langen Rallye ist man dann völlig erledigt.»

«Es gab sogar schon Situationen, da hielt ich mitten in einer Etappe an, legte mich neben mein Motorrad und schlief für zirka 10 bis 15 Minuten. Ohne es beeinflussen zu können, fallen dir die Augen zu. Das ist, als würde man völlig übermüdet mit dem Auto fahren. Selbst wenn du körperlich fit bist und gut vorbereitet in die Rallye startest, spürst du bald den enormen Verschleiß, besonders wenn Probleme auftreten und es nicht gut läuft. Du kannst mental in den zwei Wochen nie abschalten und das ist psychologisch schon im Grenzbereich. Ja, die ‚Dakar‘ ist außergewöhnlich anstrengend und stressig.»

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