Testfahrten: Startschuss für eine seltsame DTM-Saison

Von Andreas Reiners
DTM

Vom 8. bis 11. Juni steigen auf dem Nürburgring die finalen Testfahrten zur neuen Saison. Es ist eine ungewöhnliche Generalprobe für eine der seltsamsten Saisons in der Geschichte der DTM.

Der Sound der Vierzylinder-Turbomotoren ist Musik in den Ohren. Vor allem ist er der Beweis: Die DTM ist zurück. Die Testfahrten auf dem Nürburgring sind der Startschuss zu einer der seltsamsten Saisons in der DTM-Geschichte.

Seltsam nicht nur wegen der Coronakrise und den ganzen Auswirkungen wie einem Saisonstart Anfang August in Spa und Geisterrennen ohne Fans, sondern auch, weil die Serie in ihre letzte Saison mit Audi geht. Und durch den Ausstieg nach 2020 womöglich sogar in ihre letzte überhaupt.

SPEEDWEEK.com beantwortet die wichtigsten Fragen zu den Tests.

Was liegt an?

Die Generalprobe auf die neue DTM-Saison, die am 1./2. August in Spa nach der durch die Coronakrise bedingte monatelange Pause endlich startet. Die Rests waren ursprünglich für März in Monza geplant, wegen Corona zunächst nach Hockenheim verlegt und dann komplett abgesagt worden.

Teams und Fahrer haben vier Tage lang die Möglichkeit, sich final auf die neue Saison einzuschießen. Die letzten Tests liegen schon etwas zurück: Mitte Februar waren Audi und BMW in Vallelunga unterwegs.

Wer testet?

Für Audi sind Meister René Rast, Vize Nico Müller, Mike Rockenfeller, Loic Duval, Jamie Green und Robin Frijns dabei, für BMW Marco Wittmann, Philipp Eng, Timo Glock, Sheldon van der Linde und die beiden Neuen Lucas Auer und Jonathan Aberdein. 

Das Audi-Kundenteam bringt Ferdinand Habsburg sowie die beiden Rookies Fabio Scherer und Ed Jones mit. Robert Kubica und das BMW-Kundenteam ART Grand sind ebenfalls am Start.

Wie sehen die Sicherheitsvorkehrungen aus?

Damit die rund 600 PS starken DTM Fahrzeuge von Audi und BMW zu den offiziellen Testfahrten der Serie auf die Rennstrecke zurückkehren können, wurde von der ITR gemeinsam mit Experten ein stetig an die gegenwärtige Situation angepasstes, detailliertes Infektionsschutzkonzept erarbeitet.

Die Tests werden demnach unter Einhaltung strenger Abstands- und Hygieneregeln mit einer deutlich reduzierten Personenanzahl vor Ort durchgeführt – wobei das gesamte Personal der beteiligten Organisationen täglich auf etwaige Symptome der weltweit aufgetretenen Atemwegserkrankung Covid-19 überprüft wird. Fans sind nicht zugelassen, Medien ebenfalls nicht.

Ein solch zielgenaues Konzept, das die Gegebenheiten vor Ort sowie die aktuelle Entwicklung rund um die Covid-19-Pandemie stets im Blick hat, ist Voraussetzung für die Austragung von Rennen. Die Vorgaben der beteiligten europäischen Länder sowie der jeweiligen Bundesländer fließen dabei stets aktuell in das Infektionsschutzkonzept ein.

Für wen sind die Tests besonders wichtig?

Da die Testzeiten in der DTM in der Regel sehr beschränkt sind, freuen sich natürlich alle Fahrer darauf, auf dem Nürburgring Einsatzzeit zu bekommen, um sich einzustimmen. Vor allem nach der langen Coronapause. Für ein paar Piloten ist die Generalprobe aber ganz besonders wichtig.

Allen voran die Rookies wie Scherer, Jones oder Kubica, wobei das Trio bereits beim Young-Driver Test in Jerez im Dezember Runden drehen konnte.

Hinzu kommen die Wechsler, die ein neues Auto und Umfeld kennenlernen wie Habsburg und Aberdein sowie Rückkehrer Auer.

Neben den Piloten ist auch Kubicas Team ART Grand Prix neu. Wobei neu nicht ganz richtig ist, ART Grand Prix war bereits 2015 und 2016 in der Tourenwagenserie unterwegs, damals noch als Mercedes-Werksmannschaft. 2020 werden sie als BMW-Kundenteam einen M4 DTM einsetzen.

Was ist das Problem bei Aberdein?

Aktuell ist noch unklar, ob der Südafrikaner rechtzeitig zu den Tests kommt, da er noch in seiner Heimat festsitzt. Sollte er aufgrund der Corona-Situation keinen Rückflug bekommen, wird er beim Saisonauftakt in Spa seine BMW-Premiere feiern (müssen).

Um was geht es bei der Generalprobe im Detail?

Vizemeister Müller zu SPEEDWEEK.com: «Als Fahrer hat man zwei Tage im Auto. Wir werden versuchen, möglichst viele Runden abzuspulen und möglichst viele Daten zu sammeln für die Saison. Es wird extrem wichtig sein, bei diesem Test - vielleicht noch wichtiger als bei anderen - die richtigen Schlüsse zu ziehen, weil die Saison sehr kompakt ist. Da haben wir weniger Zeit zwischen den Rennwochenenden, das Erlebte zu analysieren und die Lehren zu ziehen. Der Test ist eine gute Gelegenheit, die Autos zu bewegen, und das mit ein bisschen Luft im Anschluss, um optimal vorbereitet zu sein. Wir wollen alle so schnell wie möglich wieder in den Rhythmus kommen und so viele Runden wie möglich drehen.»

Was sagt das Wetter?

Wir kennen das: Die Wetterlage am Nürburgring ist unberechenbar. Die Temperaturen liegen an den vier Tagen zwischen 14 und 17 Grad, mit Regen ist in der Eifel immer zu rechnen.

Wie sind die Kräfteverhältnisse?

2019 war die Sache vor allem in der zweiten Saisonhälfte eindeutig: Audi war nicht zu schlagen, BMW war quasi chancenlos, konnte im Titelkampf nicht mehr entscheidend gegenhalten.

Aufholjagd war das Zauberwort über den Winter, dabei ging es bei BMW auch um die Zuverlässigkeit des Motors bei gleichzeitig steigender Performance: Das Gesamtpaket wurde auf Vordermann gebracht.

BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt ist zuversichtlich: «Wenn ich auf das Sportliche schaue, dann sind wir motivierter denn je zu beweisen, dass mehr in unserem Paket steckt als das, was wir im letzten Jahr in der zweiten Saisonhälfte zeigen konnten. Dafür haben wir in der langen Vorbereitungsphase hart gearbeitet».

Müller ist sich sicher, dass BMW den Rückstand aufholen wird. «Die werden ihre Hausaufgaben gemacht haben, und sie wissen, wie man ein schnelles DTM-Auto baut und ein bestehendes Auto schneller machen kann», sagte Müller: «Darum habe ich keine Zweifel, dass es eine sehr umkämpfte Saison sein wird. Ich denke deshalb, dass wir uns auch sputen müssen, um die eine oder andere Hundertstelsekunde herausquetschen zu können.»

Was ist denn der Stand zur Zukunft der DTM?

Das ist die Frage, die über allem schwebt: Ist es gleichzeitig auch die letzte Saison, da Audi nach diesem Jahr aussteigt und 2021 nicht mehr an den Start gehen wird?

«Es ist klar, dass wir möglichst schnell Klarheit brauchen», sagte DTM-Chef Gerhard Berger in Sat.1: «Ich versuche, das hinzubekommen. Wir besprechen als ITR mit Audi und BMW Themen von Abwicklung bis hin zur Weiterführung alles. Was dabei herauskommt, weiß ich noch nicht. Mir ist aber klar, dass Partner und Fans Klarheit suchen.»

Er verspricht, dass es nicht mehr lange dauern wird und stellte Klarheit noch vor dem Saisonstart in Aussicht. «In vielleicht zwei, drei Wochen müssten wir soweit sein, dass wir klar Stellung nehmen dazu, ob es das Ende der DTM ist oder ob es eine Fortsetzung gibt.»

Was Berger erstmals ausschloss, ist ein Einstieg der Japaner aus der Super GT. «Das Rückgrat unserer Plattform DTM sind Audi und BMW. Das Rückgrat ist jetzt durch den Audi-Ausstieg sehr geschwächt, da hilft uns keine japanische Marke», betonte Berger: «Wir müssen das Thema erst einmal bei uns neu denken und dann werden wir sehen, was die nächsten Schritte sein können.»

Immer wieder wird der Einsatz der im Gegensatz zu den rund drei Millionen Euro teuren Class-1-Boliden mit Vierzylinder-Turbomotoren deutlich günstigeren GT3-Autos als mögliche Option für die Zukunft angeführt, zuletzt vom früheren DMSB-Präsidenten Hans-Joachim Stuck und dem EX-DTM-Champion Manuel Reuter.

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