Geld-Dilemma der Talente: DTM immer noch Sprungbrett?

Von Andreas Reiners
Die DTM trägt 2022 ihre 36. Saison aus

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Um es in die Formel 1 zu schaffen, müssen viele Talente tief in die Tasche greifen. DTM-Chef Gerhard Berger glaubt allerdings, dass seine Serie immer noch als Sprungbrett dienen kann.

David Schumacher überlegt kurz. Dann nennt er die Summe, die Talente für eine Karriere in der Formel 1 auf den Tisch legen müssen. Die ist heftig, sein Vater Ralf hatte die Kosten mal ganz grob ausgerechnet.

«Mit Kart, Formel 4, zwei Jahren Formel 3 und Formel 2 brauchst du um die zwölf, 13 Millionen Euro», sagte David Schumacher SPEEDWEEK.com. «Alleine eine Kartsaison kommt bei einem guten Team auf 350.000 Euro.» Kart – da startet eine Rennfahrer-Karriere gerade erst. Und schon da sind die Summen für Normalsterbliche nicht zu stemmen.

Sponsoren müssen also her. Schumacher selbst stand 2022 vor dem Aufstieg in die Formel 2 und hätte rund 2,5 Millionen Euro aufbringen müssen, für ein Cockpit bei einem Top-Team. Ein Mittelfeld-Rennstall ist günstiger, ist unter dem Strich aber verbranntes Geld. Denn so fehlen die nötigen Erfolge. Schumacher bekam das nötige «Kleingeld» für die Formel 2 nicht zusammen, das Geld sitzt offenbar nicht mehr so locker wie früher, selbst bei einem so berühmten Namen nicht. «Der Formelsport ist finanziell nicht mehr zu stemmen, man findet kaum Sponsoren. In meinen Augen ist es praktisch unmöglich geworden», sagte Schumacher.

Ein Paradebeispiel aus der aktuellen Formel 1 zeigt das Dilemma: Der Australier Oscar Piastri, der die Formel 3 und die Formel 2 auf Anhieb gewonnen hatte, ist beim Rennstall Alpine in dieser Saison nur Ersatzfahrer, für ihn ist noch kein Platz in der Königsklasse. Dafür war für den Chinesen Guanyu Zhou bei Alfa Romeo ein millionenschweres Sponsorenpaket die Eintrittskarte.

Die Lage ist so traurig wie gefährlich für Talente: Fehlen Sponsoren oder ist man in keinem Talente-Pool eines Formel-1-Teams, kann die Karriere schnell stocken. Der deutsche Nachwuchsmann Lirim Zendeli musste 2021 aus finanziellen Gründen mitten in der Saison in der Formel 2 aufhören, zurückgekehrt ist er nicht.

Das Beispiel Piastri zeige, dass die Formel 1 Schwierigkeiten habe und etwas ändern sollte, «sonst haben wir in Zukunft ein Problem. Die Nachwuchsklassen sind zu teuer», sagte Ralf Schumacher bei Sky. Sein Vorschlag: «Die Formel 1 – Liberty Media und die FIA - ist in der Verantwortung, Juniorteams zu errichten und die aus dem Gemeinschaftstopf zu finanzieren. Das kann bei dem Erfolg der Formel 1 nicht so schwierig sein, um jungen Talenten die Möglichkeit zu geben.»

Auch sein Sohn denkt in die ähnliche Richtung. «Die Formel-1-Teams oder die Formel 1 selbst könnten die Teams der Formel 2 und Formel 3 unterstützen», so Schumacher. «Dass man ein festes Budget bekommt, 300.000 bis 500.00 Euro, das der Fahrer selbst stützt oder mit Sponsoren von außerhalb. Die Summe kann man hinbekommen, alles darüber ist viel zu viel.» Ein Förderprogramm wie die ADAC Stiftung Sport ist vor allem für den Kartsport eine gute Lösung, so Schumacher, «aber das Budget reicht nicht für den Formelsport».

David Schumacher nimmt 2022 deshalb einen Umweg über die DTM. Der 20-Jährige sitzt nicht in einem Formel-, sondern in einem GT3-Auto, in einem Mercedes-AMG GT3. DTM-Boss Gerhard Berger findet, dass seine Serie immer noch als Sprungbrett dienen kann. «Natürlich ist es einfacher, wenn man Formel-2-Champion ist», sagte Berger SPEEDWEEK.com, «aber die DTM ist die nächstbeste Chance, auf dem Radar zu bleiben».

Wenn Schumacher liefert, das ist freilich die Voraussetzung. Als Rookie brauche Schumacher ein bisschen Zeit, um sich an das Umfeld zu gewöhnen, so Berger, «aber wenn er sich behauptet, ist die die Richtung Formel 1 nicht ausgeschlossen».

Allerdings findet der frühere Formel-1-Fahrer Berger, dass es sich manche Talente grundsätzlich hin und wieder zu einfach machen, «dass Geld der Grund ist, warum man nicht weiterkommt». Jos Verstappen habe seinen Sohn Max «mit viel Leidenschaft und Fachwissen» dorthin gebracht, wo er heute sei. Und, so Berger, «auch Sebastian Vettel hat sein Kart mit seinem Vater am Küchentisch zusammengebaut und ist vier Mal Weltmeister geworden».

Ganz so romantisch war es dann auch nicht, wie Vettel im vergangenen Jahr selbst verriet. «Als ich anfing, waren die Kosten niedriger, aber sie waren immer noch hoch. Mir ist bewusst, dass ich sehr viel Glück hatte», sagte Vettel, dessen Familie die erste Kart-Saison noch halbwegs alleine stemmen konnte, «und dann hatten wir das große Glück, Leute zu finden, die uns unterstützten».

Seitdem habe sich die Welt verändert, alleine durch das Sponsoring. «Und wahrscheinlich hat sich auch die Bereitschaft verändert, Geld in junge Kinder und den Motorsport zu investieren», so Vettel. An eine schnelle Lösung glaubt Vettel nicht, «aber es gibt bestimmte Dinge, die man angehen könnte, um den Sport für alle Arten von Herkunft und alle Kinder zugänglicher zu machen». Welche das sein können, ließ er offen.

Ein teures Hobby war der Motorsport schon immer, weiß der 34-Jährige, «aber sicherlich ist es in den letzten Jahren aus dem Ruder gelaufen und viel zu teuer geworden». Berger findet zwar, dass Fahrer durchkommen, «wenn sie das richtige Talent und Glück haben und zeigen, dass sie richtig gut sind.» Doch Fakt ist: Viele Talente werden auf dem Weg nach oben immer noch vom Geld vorzeitig ausgebremst.

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