Franz Zorn über die Sorgen der Eisfahrer Westeuropas

Von Thorsten Horn
Eisspeedway-EM
Franz Zorn

Franz Zorn

Wenn am kommenden Sonntag im polnischen Tomaszow Mazowieki der Eisspedway-Europameister 2020 gekürt wird, könnte Franz Zorn ein Déjà-vu erleben: 2008 eroberte der Österreicher in Polen schon einmal Gold.

«Ein Ziel muss man sich schon setzen, aber man muss auch realistisch sein. Deshalb ist mein Ziel das Podium», sagte der seit vergangenem August 50-jährige Franz Zorn und ergänzte: «Es ist nur ein Tag, daher ist die Tagesverfassung entscheidend. Glück braucht man auch. Die russischen Fahrer konnten schon sehr lange trainieren und sind, was ich im Netz gesehen habe, sehr gut drauf. Das sind aus meiner Sicht die Favoriten. Einige westliche Fahrer werden hingegen ins kalte Wasser springen müssen.»

Damit spricht er einen nicht nur für ihn unbefriedigenden Umstand an. Nachdem das EM-Rennen im März geplant war, dann in den August und schließlich auf den 13. Dezember verschoben wurde, hatten die Mitteleuropäer natürlich kaum Möglichkeiten, sich praxisorientiert vorzubereiten. «Es war leider alles sehr kurzfristig, weil es in Schweden temperatur- und eismäßig nicht so gepasst hat und der EM-Termin nun sogar dazwischengekommen ist. Das heißt, dass wir eigentlich noch bis Weihnachten in Schweden wären. Dieser Termin ist, speziell für die westlichen Fahrer, nicht so gut, weil viele noch nicht trainieren konnten. Auch Weber, Iwema, Monn und ich wollten vorher noch einmal testen, bevor wir ins Stadion gehen. Deshalb sind wir trotzdem noch vor dem Rennen nach Schweden gegangen und hatten diese Woche Montag und Dienstag zumindest zwei Tage auf dem Eis. Doch auch die hingen am seidenen Faden, denn die Eisschichten sind auf den Seen eigentlich noch zu dünn.»

Ursprünglich war Strömsund geplant, doch es war nicht kalt genug. «Dort hatten wir eine Eisdicke zwischen 12 und 14 cm statt der normal gut 20 cm. Da hätten wir zum Bahnschieben ein leichteres Fahrzeug als meinen Suzuki-Jeep ausleihen müssen. Dann ist es sogar wieder wärmer geworden, sodass wir nach Funäsdalen weiter gefahren sind», berichtete Zorn gegenüber SPEEDWEEK.com. «Natürlich ist das auch eine sehr teure Sache, wegen zwei Tagen da rauf und dann wegen einem Rennen nach Polen zu fahren. Normalerweise müssten wir danach wieder nach Schweden fahren, aber das sieht derzeit auch schlecht aus. Als ich dort weggefahren bin, waren drei, vier Grad plus. Es unglaublich, was in diesem Jahr dort abgeht. In den schwedischen Nachrichten wurde gemeldet, dass es seit 15 Jahren nicht mehr so warm war wie derzeit. Das ist natürlich für mich, aber auch alle anderen, sehr schlecht.»

Seit 13 Jahren veranstaltet Franky Zorn in Schweden Trainingslager. Mit einer Startmaschine und einer Bürste hat er alles, was man zum Bahn präparieren auf zugefrorenen Seen benötigt. «Ich habe schon mal bis zu zwölf Bahnen ausgeschoben. Wenn die eine kaputt ist, schiebe ich halt die nächste, denn man hat ja genügend Platz. Normalerweise bin ich immer im Dezember 14 Tage bis drei Wochen da oben. Es haben mich auch dieses Jahr wieder viele Fahrer kontaktiert, aber es funktioniert derzeit einfach nicht. Wir werden nun warten müssen, bis es in einem schwedischen Stadion Eis gibt, denn wenn in der Zwischenzeit zu viel Schnee kommt, kann man die Bahnen nicht mehr schieben.»

Nach Schweden werde er auf jeden Fall noch einmal fahren, denn von Klaus Lausch hat er neue Motoren und Teile, welche er testen muss. «Darauf bin ich schon sehr gespannt. Was ich an den zwei Tagen diese Woche testen konnte, damit bin ich sehr zufrieden. Das Motorrad läuft super. Wir haben den ganzen Sommer daran gearbeitet und einen großen Fortschritt gemacht. Jetzt schauen wir mal, wie es in Polen läuft.»

Dass er wieder die EM fährt, ist keineswegs aus der Not geboren: «Ich hatte schon nach Berlin gesagt, als das Startfeld für Polen für Ende März festgelegt wurde, dass ich die EM fahren will, doch dann waren plötzlich Simon und Kreuzberger nominiert und mir wollte der österreichische Verband keinen Startplatz geben. Wenn man wieder eine EM im Westen hat, sollten auch die Besten fahren. Jetzt sieht man ja, wer fährt und wer nicht.»

Was rennmäßig in diesem und dem uns bevorstehenden verrückten Jahr geht, ist auch für den Österreicher schwer zu sagen: «Die schwedische Liga wird wohl auch nicht stattfinden, vielleicht gibt es noch das eine oder andere, vielleicht sogar internationale Meeting da oben. Die Russische Meisterschaft und die russische Liga finden wohl statt, aber für uns westliche Fahrer sieht es sehr, sehr schlecht aus. Wir haben leider gar nichts. Für die WM sind aktuell nur Togliatti und Berlin geplant, aber auch da müssen wir abwarten, ob die stattfinden können. Ich stehe jedenfalls in den Startlöchern. Wenn etwas geht, bin ich dabei. Wir werden alles kurzfristig entscheiden müssen.»

Die Eisspeedway-EM 2020 wird per Livestream via www.canalplus.com übertragen, dürfte aber laut Veranstalter nur in Polen und als Pay-TV funktionieren.

Das Startfeld der Eisspeedway-EM:

1 Martin HAARAHILTUNEN (S)
2 Luca BAUER (D)
3 Konstantin KOLENKIN (RUS)
4 Lukas HUTLA (CZ)
5 Michal KNAPP (PL)
6 Johann WEBER (D)
7 Franz ZORN (A)
8 Dmitrij SOLIANNIKOV (RUS)
9 Jasper IWEMA (NL)
10 Benedikt MONN (D)
11 Andrej DIVIS (CZ)
12 Stefan SVENSSON (S)
13 Atte SUOLAMMI (FIN)
14 Philip LAGEDER (A)
15 Nikita TOLOKNOV (RUS)
16 Aki ALA-RIIHIMÄKI (FIN)
Reserve:
17 Jiri WILDT (CZ)

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