Peter Bayer (AlphaTauri): «Vorsichtig optimistisch»

Von Gerhard Kuntschik
AlphaTauri-CEO Peter Bayer: «Ich kann derzeit nur so viel verraten, dass wir uns deutlich an die Muttermarke Red Bull anlehnen werden»

AlphaTauri-CEO Peter Bayer: «Ich kann derzeit nur so viel verraten, dass wir uns deutlich an die Muttermarke Red Bull anlehnen werden»

AlphaTauri-CEO Peter Bayer spricht im SPEEDWEEK.com-Interview über seinen neuen Job an der Spitze des Rennstalls aus Faenza, den künftigen Team-Namen, die Fahrer-Wahl und das liebe Geld.

Seit dem Österreich-GP ist der Vorarlberger Peter Bayer als neuer CEO der Scuderia AlphaTauri im Einsatz. Der ehemalige FIA-Generalsekretär für Sport soll das zweite Red-Bull-Team neu ausrichten und fit für die Zukunft machen.

Was der Österreicher bisher erreichte und wie es beim Schwesternteam der Weltmeister-Truppe Red Bull Racing weitergehen wird, erklärte Bayer im Gespräch mit SPEEDWEEK.com.

Wie hast Du Dich im Team eingelebt, wie war der Seitenwechsel vom Regulator zum Wettkampfteilnehmer?

Es wurde mir sehr leicht gemacht, weil mir Franz (Langzeit-Teamchef Tost, Anm.) Tür und Tor geöffnet und mich zu allen Terminen mitgenommen hat. Ich sitze sogar bei ihm im Büro. (Schmunzelt) Wir leben quasi in Symbiose, und ich versuche, ihm nicht auf die Nerven zu gehen. Zusätzlich haben wir eine grossartige Unterstützung aus Salzburg von Oliver Mintzlaff, seinem Team, den Anteilseignern und natürlich auch von Red Bull Racing.

Wie wird es weitergehen?

Wir haben schon in kurzer Zeit sehr viel weitergebracht. Mein Fokus liegt ja klar auf 2024, da hatte ich freie Hand zur Vorbereitung. Neben dem technischen Update, das in Singapur gebracht wurde, haben wir Zeit für Teamentwicklung, Teamidentität, neues Logo usw. aufgewendet. Der Start ist für mich geglückt.

Die Bestätigung der Anteilseigner Mateschitz jun. und Yoovidhya, dass das Team nicht zum Verkauf steht, wird wohl auch beruhigende Wirkung gehabt haben?

Die war enorm wichtig in der Phase der Konsolidierung, vor allem für die nervös gewesenen Mitarbeiter. Dieses Bekenntnis war sehr bedeutungsvoll. Wir sind vollwertiger Teil der Familie.

Ist für 2024 eine Budgeterhöhung samt Mitarbeiteraufstockung geplant bzw. möglich?

Die grossen Teams müssen sparen, um unter der Budgetgrenze zu bleiben. Da haben wir sozusagen den Vorteil, noch Spielraum zu haben, weil wir schlankere Strukturen haben. Es ist schon daran gedacht worden, neue Mitarbeiter in der Technik zu holen, vor allem in den Bereichen Aerodynamik, Vehicle Performance und Strategie. Der Schwerpunkt wird wohl in England liegen, dort sind einfach die meisten Top-Leute mit Formel-1-Know-how. Da wird sicher investiert. Wir wollen das Budget über drei Wege erhöhen – über Red Bull als Mutterkonzern, über das Preisgeld, wenn wir uns diesmal noch besser positionieren können, und natürlich über neue Sponsoren.

Wo wird die Budgetobergrenze 2024 liegen?

Nach den diesjährigen 138 Millionen Dollar rechne ich mit einer deutlichen Anhebung aus Inflationsgründen, also auf klar über 140 Millionen gemäss internationaler Inflationsprognosen.

Der von Ferrari zu AlphaTauri gewechselt Sportdirektor Laurent Mekies kann sich noch nicht einbringen?

Nein, er beginnt im Januar 2024. Wir werden ein sehr offenes Verhältnis haben und wollen einen neuen Stil pflegen.

Wie wird AlphaTauri ab 2024 heissen?

Ich kann derzeit nur so viel verraten, dass wir uns deutlich an die Muttermarke Red Bull anlehnen werden. Neuer Name und neues Logo stehen fest. Die Bekanntgabe ist in Planung. Ich muss dazu klarstellen, dass AlphaTauri als Modemarke bestehen bleibt, aber ihr weiteres Engagement in der Formel 1 ist noch in Abklärung.

Ist an den Gerüchten einer Verbindung zur Modemarke Hugo Boss etwas dran?

Hugo Boss gab ja bekannt, dass man sich mehr in die Formel 1 einbringen will. Daraufhin haben mehrere Teams dort angeklopft, nicht nur Aston Martin und wir. Mit unserem kommunizierten Neustart haben sich für uns viele Türen aufgetan. Wir sind da sehr optimistisch, einige neue Partner zu haben. Bei aller Vorsicht: Die wirtschaftlichen Vorzeichen sind gut.

Zu den Fahrern. Liam Lawson, der abrupt zum Renndebüt kam, hat sich wohl gut geschlagen? Wie steht es um Daniel Ricciardo, Yuki Tsunoda und den Formel-2-Nachwuchs?

Ich kann bestätigen, dass Liam einen Superjob machte. Er arbeitet hervorragend mit den Ingenieuren zusammen. Er soll die Super Formula in Japan beenden (Ende Oktober, Anm.), in der er derzeit Zweiter ist. Wir hoffen, dass Daniel für Katar Anfang Oktober wieder einsatzbereit ist, spätestens in Austin. Da bin ich vorsichtig optimistisch. Für 2024 haben wir eine klare Idee, die Entscheidung fällt in den nächsten Tagen. In Mexiko wird Formel-2-Fahrer Isack Hadjar das erste freie Training bestreiten. Er wäre auch unser Ersatzmann in Mexiko, weil Liam da in Japan fährt. Ausserdem wird nach dem Problem von Monza wohl der Motor bei Yuki vor diesem Rennen getauscht.

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