Tempo-Debatte in der Formel 1: 380 km/h in Monza?

Von Vanessa Georgoulas
Formel 1
Die Chefs der Rennställe sind überzeugt, dass die Formel 1 wieder schneller wird

Die Chefs der Rennställe sind überzeugt, dass die Formel 1 wieder schneller wird

Ist die neue Formel 1 zu langsam? Ferrari-Chef Marco Mattiacci, McLaren-Renndirektor Eric Boullier, Mercedes-Motorsportdirektor Toto Wolff und Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner zur Tempo-Debatte.

Die Kritik an der neuen Formel 1 beschränkt sich nicht nur auf das Äussere der diesjährigen Boliden und den fehlenden Sound der revolutionären V6-Turbos. Auch das neue Tempo der Königsklasse sorgt für Diskussionen. So sind die neuen Renner auf der Geraden zwar deutlich schneller als ihre Vorgänger – mit Blick auf die Rundenzeiten ist die Formel 1 jedoch deutlich langsamer geworden. In Barcelona war die diesjährige Pole-Zeit ganze 4,5 Sekunden langsamer als die schnellste Qualifying-Runde des Vorjahres. Dass der Polesetter der Nachwuchsklasse GP2 mit seiner schnellsten Runde den 14. Startplatz in der Königsklasse erobert hätte, sorgte für zusätzlichen Hohn.

Dem neuen Ferrari-Teamchef Marco Mattiacci bereitet ein ganz anderer Tempounterschied Sorgen: «Zuallererst möchte ich betonen, dass Mercedes einen exzellenten Job macht. Wir müssen anerkennen, dass die Silberpfeile derzeit an der Spitze stehen, weil sie ausgezeichnete Arbeit geleistet haben. Doch trotzdem soll da auch die Frage erlaubt sein: Ist das gut für die Fans? Liefert eine derartige Dominanz genug Unterhaltung für die Zuschauer? Ich habe da so meine Zweifel. Wir versuchen aber, die Formel 1 auf unterschiedlichen Wegen zu verbessern, etwa mit der Kostenkontrolle oder mit Massnahmen, welche die Show verbessern sollen.»

Herausforderung für die Ingenieure

McLaren-Renndirektor Eric Boullier erklärt, warum die neue Formel 1 so langsam geworden ist: «Ich denke, der Grund für die langsameren Rundenzeiten ist technischer Natur, und die technischen Regeln hatten ja auch zum Ziel, die Autos einzubremsen. Die Autos sind in diesem Jahr aerodynamisch ineffizienter geworden. Wir haben Abtrieb am Heck verloren und dürfen den Diffusor auch nicht mehr anblasen. Ausserdem sind die Reifenmischungen etwas konservativer gehalten als noch 2013, und auch die neuen Antriebseinheiten müssen ganz anders eingesetzt werden.»

Der 40-jährige Franzose betont: «Ich sehe kein Problem im Tempo-Verlust. Das war bei jeder bisherigen Regeländerung so. Das Tempo wieder hochzuschrauben ist überdies ein weiterer Ansporn für die Ingenieure, die alles daran setzen werden, die Autos in den nächsten Monaten und Jahren wieder schneller zu machen. Ich weiss nicht, wie lange das dauern wird, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die Formel-1-Renner wieder schneller werden. Und zur GP2: Die sollte vielleicht auch mal ans Sparen denken – und dabei würden auch diese Autos langsamer werden.»

Mercedes-Motorsportdirektor Toto Wolff ist überzeugt: «Die Zeitenlisten zeichnen ein falsches Bild. Wenn man die Aerodynamik um 25 Prozent reduziert, das Anblasen des Hecks verbietet und neue Reifen einsetzt, kann man nicht erwarten, dass die Autos schneller werden.» Der 42-jährige Wiener verweist auf den Umstand, dass die Formel 1 beim Spitzentempo zulegen konnte: «In Barcelona betrug das Spitzentempo auf der Geraden in diesem Jahr 347 km/h, 2013 waren es noch 318 km/h. Wer weiss, was wir in Monza erleben werden! Vielleicht 380 km/h? Der springende Punkt ist: Wir haben in diesem Jahr deutlich weniger Abtrieb und deshalb sind die Autos auch langsamer geworden.»

Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner kämpft derzeit mit ganz anderen Tempo-Problemen: Seine Renner sind – bedingt durch die Renault-Motoren – deutlich langsamer als die Konkurrenz. Auf die Tempo-Debatte reagiert der 40-jährige Brite denn auch mit Humor: «Ich glaube nicht, dass unser Auto in Monza 380 km/h schnell sein wird.»

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