Piquet: Das Geständnis

Von Peter Hesseler
Formel 1
Piquet liefert sich der FIA aus

Piquet liefert sich der FIA aus

Der Sohn des dreimaligen Weltmeisters Nelson Piquet beschuldigt sich und sein ehemaliges Team Renault der Manipulation des Singapur-GP 2008 – der Wortlaut

Nelson Angelo Piquet hat ausgepackt. Der Sohn des dreimaligen Formel-1-Weltmeisters Nelson Piquet sagte am 30. Juli, vier Tage bevor er gefeuert wurde, im Hauptquartier der FIA in Paris zu dem Rennen von Singapur 2008 aus, das Renault-Pilot Fernando Alonso vor fast einem Jahr unter mysteriösen Bedingungen gewann. Im Folgenden die wichtigsten Auszüge aus Piquets detaillierter Aussage.

«Ich schwöre, dass ich hier die Geschehnisse wahrheitsgetreu und nach bestem Wissen und Gewissen wiedergebe:

Während des Singapur-GP vom 28. September 2008…wurde ich von Herrn Flavio Briatore, der mein Manager und Teamchef des Renault-F1-Teams ist und Mr. Pat Symonds, dem Technischen Direktor des Teams gebeten, mein Auto vorsätzlich zu crashen, um die Leistung des Renault-Teams positiv zu beeinflussen.

Dieser Vorschlag wurde mir kurz vor dem Rennen unterbreitet…, als mich Mr. Symonds in Mr. Briatores Büro fragte, ob ich gewillt sei, mein Rennen zugunsten einer Safetycarphase zu opfern. Jeder Formel-1-Fahrer weiss, dass das Safetycar auf die Strecke kommt, wenn es einen Unfall gibt, bei dem die Strecke blockiert wird, entweder durch ein liegen gebliebenes Auto oder Autoteile, zumal an einer Stelle, an der schwierig ist, ein beschädigtes Auto zu bergen, was dort der Fall war.

Zur Zeit dieser Unterhaltung war ich mental angegriffen und sehr emotional. Dieser Zustand war hervorgerufen worden durch intensiven Stress aufgrund der Tatsache, dass Mr. Briatore sich weigerte, mich darüber zu informieren, ob mein Vertrag für die nächste Saison (2009) erneuert werden würde, was für gewöhnlich zur Jahresmitte (Juli/ August) geschieht. Stattdessen forderte Mr. Briatore mich wiederholt auf, eine Option zu unterzeichnen, die mir Parallel-Verhandlungen mit anderen Teams untersagte. Er setzte mich wiederholt unter Druck, die von mir unterzeichnete Option zu verlängern und zitierte mich mehrfach in sein Büro, um über die Modalitäten der Vertragserneuerung zu sprechen, auch an Renn-Tagen, wenn die Zeit der Konzentration und der Entspannung vor dem Rennen vorbehalten sein sollte…

…Als ich gebeten wurde, mein Auto zu crashen und eine Safetycarphase auszulösen um dem Team zu helfen, akzeptierte ich, weil ich hoffte, es könnte meine Position im Team in dieser kritischen Phase verbessern.

Nach dem Treffen mit Mr. Briatore zog mich Mr. Symonds beiseite in eine ruhige Ecke, nahm eine Streckenskizze heraus und zeigte mir exakt die Kurve, in der ich crashen sollte. Sie war deshalb ausgesucht worden, weil es in diesem Streckenabschnitt der Strecke keine Kräne gab, um beschädigte Autos zu bergen…was zu der Annahme führte, dass ein Unfall eben dort mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Safetycarphase nach sich ziehen würde…

Mr. Symonds wies mir exakt die Runde zu, in der es zu geschehen hatte, so das die Rennstrategie meines Teamkollegen Mr. Fernando Alonso darauf abgestimmt werden konnte und er kurz vor dem Zwischenfall zum Tanken beordert werden konnte, was er dann auch in Runde 12 tat. Der Schlüssel zu dieser Strategie entsprang dem anzunehmenden Fall, dass das Safetycar in Runde 13/14 ausrücken würde, so dass das Team Mr. Alonso mit einer aggressiven Strategie ins Rennen schicken konnte, wobei er ein leicht(betankt)es Auto hatte und…soviele Gegner wie möglich überholt haben würde, wissend, das die ihn nach der anstehenden Safetycar kaum noch würden einholen können. Die Strategie war erfolgreich und Mr. Alonso gewann den Singapur-Grand-Prix 2008.

Während dieser Diskusionen (vorher, die Red.) wurden keine Bedenken geäussert hinsichtlich des Sicherheitsaspekts dieser Strategie, weder meiner eigenen noch der der Zuschauer noch der anderer Fahrer. Der einzige Kommentar in diese Richtung, den Mr. Symonds machte, war seine Warnung an mich, vorsichtig zu sein, was ich so interpretierte, das ich mich nicht selbst verletzen sollte.

Ich verusachte dann den Unfall vorsätzlich, in dem ich das Auto in der betreffenden Kurve aus meiner Krontrolle liess. Um sicher zu stellen, dass ich dies in der richtigen Runde tun würde, vergewisserte ich mich über Funk mehrfach nach der Nummer der Runde, was ich normalerweise nicht tun würde. (Piquet setzt hier einen Hinweis auf seine Glaubwürdigkeit, in dem er anbietet, seine Aussage mit früheren Rennprotokollen zu vergleichen, die Red.). Ich wurde bei dem Unfall nicht verletzt, noch jemand anderes.

…Mr. Briatore sagte nach dem Rennen sehr diskret „danke schön“…

…Nach dem Rennen fragten mich mehrere Journalisten, ob ich den Unfall absichtlich verursacht hatte, weil sie es verdächtig fanden.

In meinem eigenen Team fand mein Renningenieur den Vorfall ungewöhnlich und hinterfragte den Unfall. Und ich antwortete, dass ich die Kontrolle über das Auto verloren hätte. Ich glaube, dass ein cleverer Renningenieur anhand der Telemetriedaten gesehen hätte, dass ich vorsätzlich gecrasht hatte, da ich in einer Phase Gas gab, in der auf einer normalen Runde frühestmögliches Bremsen angezeigt gewesen wäre.

Ich glaube und schwöre, dass die Fakten in dieser Aussage der Wahrheit entsprechen.»

Ende der Aussage, die am 30. Juli 2009 in Anwesenheit des Vorsitzenden der Rennstewards, Mr. Alan Donnelly, Mr. Martin Smith und Mr. Jacob March (beide von der FIA-beauftragten Detektei Quest) zu Protokoll gegeben wurde.

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