Marco Hundsrucker: Etwas Abstand nehmen vom Bahnsport

Von Rudi Hagen
Marco Hundsrucker wurde von einem weltbekannten Gesichtschirurgen operiert

Marco Hundsrucker wurde von einem weltbekannten Gesichtschirurgen operiert

Marco Hundsrucker macht nach 32 Jahren Schluss mit dem aktiven Gespannsport. Er will sich etwas aus dem Bahnsport zurückziehen. Über das tragische Geschehen von Eenrum denkt er immer noch nach.

Am 20. August vorigen Jahres verlor Florian Niedermeier als Beifahrer von Marco Hundsrucker bei einem Sturz im niederländischen Eenrum sein Leben. Hundsrucker überlebte schwer verletzt. Die niederländische Staatsanwaltschaft hat die Untersuchungen mittlerweile abgeschlossen. Den Gespannlenker trifft keine Schuld, das Motorrad war technisch auch in Ordnung. Vielleicht hätten Airfences das Schlimmste verhindert. SPEEDWEEK.com sprach jetzt mit Marco Hundsrucker.

Hallo Marco, wie geht es dir?

Es wird. Ein bissel langsamer als gedacht, aber es wird. Der Fuß ist auf einer Seite noch nicht so gut, links ist alles komplett zusammengewachsen, rechts aber noch nicht ganz. Und mit dem Gesicht, das dauert.

Belastet dich das?

Nein, ich gehe schon wieder arbeiten, ganz ohne Krücken, muss aber langsam machen. Ich war in der Reha letztes Jahr, jetzt mach ich noch viel Krankengymnastik und so’n Zeug. Das dauert.

Hast du Schmerzen?

Nein, Schmerzen habe ich nicht, doch ich bin brutal wetteranfällig, aber das sind keine Schmerzen. Wenn das Wetter umschlägt oder es ist kalter Wind, dann ist meine rechte Gesichtshälfte total taub. Die ganzen Nerven waren durchtrennt. Da sind jetzt drei Platten und 25 Schrauben drin im Gesicht. Die bleiben auch drin.

Spürst du da etwas, wenn du dir ins Gesicht fasst?

Das einzige, was ich merke, sind zwei Schrauben unter der Nase. Die sind aber sehr klein.

Ist im Fuß auch Metall?

Da habe ich einen Nagel und drei Schrauben. Die kommen wieder raus.

War die Krankschreibung im Beruf ein Problem?

Die habe ich abgebrochen. Ich wollte nimmer daheim bleiben. Ich habe einen Bürojob, da habe ich in der ersten Dezemberwoche wieder angefangen. Das war aber gar nicht so einfach. Die Reha und alles läuft über die Rentenversicherung und da darfst du nicht einfach auf die Arbeit gehen. Wir haben es dann soweit gebracht, dass ich arbeiten kann, wie ich will. Die Rentenversicherung war damit einverstanden.

Probleme im Beruf hattest du nicht, eine Kündigung oder so stand nicht im Raum?

Nein, nein. Der Sturz in Holland war hier in Bayern über das Fernsehen und andere Medien schnell bekannt geworden. Und meine Hauptchefin bei der Lindner Group bei uns in Arnstorf war gleich die Erste, die nachgefragt hat, wie es mir geht. Da habe ich immer Rückhalt gehabt.

Marco, ist muss das jetzt fragen: Denkst du daran weiterzufahren?

Nein, aber das hat nichts mit den Stürzen zu tun. Es ist einfach die Zeit für mich gekommen aufzuhören. Ich habe eine wunderschöne Zeit im Bahnsport gehabt. 47 Jahre, denn ich war schon im Kinderwagen mit meinem Vater an der Bahn. 32 Jahre war ich im Gespannsport aktiv, erst als Beifahrer, dann als Fahrer.

Hast du nicht mal gesagt, mit 50 höre ich auf?

Ja, ich wollte fahren, bis ich 50 bin. Ich werde in diesem Jahr 48 und mein Motorrad ist seit Eenrum kaputt. Dieses Jahr würde ich bis mindestens August sowieso nicht fahren können, wenn man ganz Realist ist. Dann wegen eineinhalb Jahren noch einmal so viel Geld investieren? Das ist es mir nicht mehr wert. Und (er schluckt): Ich hatte mit dem Florian ausgemacht, dass wir beide noch ein, zwei Jahre zusammen fahren.

Du konntest gut mit dem Florian Niedermeier, nicht wahr?

Ja, mit dem Florian das hat super gepasst. Und ehrlich gesagt, ich will auch mit keinem anderen mehr fahren. Wenn ich noch 30 oder 35 Jahre wäre, würde ich vielleicht anders denken. Aber es kommt hier momentan soviel zusammen. Das was mich die letzten paar Jahre immer mehr gestört hat, dann die nötigen Investitionen und letztlich der Unfall,. Mit dem Florian das hat so gut geklappt, wir waren eine Einheit.

Wie denkst du heute über die Geschehnisse in Eenrum?

Es gibt Phasen, wie in der Reha, wo du viel Zeit zum Nachdenken hast. Mir geht immer wieder die Frage durch den Kopf, was ist passiert? Ich weiß bis heute nicht, warum das so passiert ist.

Ist da noch eine behördliche Untersuchung anhängig?

Nein, die ist durch die niederländische Staatsanwaltschaft abgeschlossen. Insofern ist da alles ok. Ich muss sowieso mal die Holländer loben, sei es die Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft oder meine Erstversorgung an der Bahn und dann die Versorgung in der Groninger Uni-Klinik, die zu den drei besten der Welt gehören soll. Da war ich total zufrieden und auch sehr, sehr dankbar. Ein Engländer, eine Deutsche und ein Schweizer haben mich operiert. Der Engländer soll einer der weltweit besten Gesichtschirurgen sein.

Schon fünf Wochen später hast du bei der Team-WM in Roden bei deinem Freund Stephan Katt vorbeigeschaut. Da war das gleiche medizinische Personal wie in Eenrum, oder?

Ja, die sind alle bei mir vorbeigekommen und haben mich begrüßt. Ich bin auch denen so sehr dankbar für ihre Dienste.

Hätten in Eenrum Airfences Schlimmeres verhindern können?

Hätte, hätte...Ich bin auf jeden Fall dafür, dass Rennen nur mit Airfences gefahren werden dürfen. Aber wir haben vorher in Eenrum alle dafür unterschrieben, dass wir zur Kenntnis nehmen, dass keine Airfences vorhanden sind.

Du musst dich jetzt auf jeden Fall noch weiter erholen, nicht wahr?

Ja genau. Ich werde mich aus dem Bahnsport etwas zurückziehen. Mit dem Stephan fahre ich aber weiter mit und helfe ihm. Und ich werde auch mit dem Markus Venus bei den Straßenrennen dabei sein. Das habe ich mit ihm schon ausgemacht. Mal über den Tellerrand schauen, etwas Abstand nehmen vom Bahnsport.

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Happy Birthday, Marc Márquez!

Werner Jessner
Mit 31 Jahren startet der achtfache Weltmeister in den Herbst seiner Karriere. Möge er uns noch lange erhalten bleiben. Die MotoGP wäre sehr viel ärmer ohne ihn.
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