Dominique Aegerter: MotoE-Bike im Vergleich zur Moto2

Von Nora Lantschner
MotoE
In Jerez übernahm Intact-GP-Fahrer Dominique Aegerter die Führung im MotoE-Weltcup, in Brünn und Spielberg gab er bei NTS als Ersatzfahrer ein Moto2-Gastspiel. Wie fährt sich im Vergleich eine Energica Ego Corsa?

Eigentlich tritt Dominique Aegerter 2020 im «FIM Enel MotoE World Cup» für das deutsche Dynavolt Intact GP Team an. Bei seinem zweiten Renneinsatz auf der Energica Ego Corsa sicherte sich der 29-Jährige beim Andalusien-GP in Jerez seinen ersten MotoE-Sieg, die Gesamtführung gab es oben drauf.

Während der MotoE-Weltcup pausiert, kam dann der Anruf des RW Racing GP Teams, weil Jesko Raffin mit gesundheitlichen Problemen für den Brünn-GP und das Doppel-Event in Spielberg ausfiel: So schwang sich Aegerter kurzfristig auf die NTS-Maschine und kehrte damit zumindest zeitweise in die Moto2-WM zurück.

Wie war das Gefühl, erstmals nach rund acht Monaten wieder auf einem Moto2-Bike zu sitzen? «Für mich war es wirklich cool, das hat Freude gemacht, das erste Mal wieder Gas zu geben. Ich bin gleich auf den ersten paar Metern den Wheelie gefahren, weil die Moto2 wirklich ein Motorrad ist, das vom Gewicht und der Leistung her sehr viel Spaß macht», erzählte der Rohrbacher schmunzelnd im Live-Interview, das auf Instagram in voller Länge zu sehen ist. «Das Elektro-Motorrad ist viel langsamer und viel schwerer. Mit der Moto2 macht es einfach richtig Spaß, wenn man das Gas aufmacht. Das Hoch- und Runterschalten, der Ton, das habe ich richtig genossen.»

Worin liegt also der größte Unterschied und wie fährt sich die elektrische Ego Corsa von Energica? «Der größte Unterschied ist sicher, wie sich das Gas verhält. Beim Start kommt viel Leistung, in den langsamen Kurven auch noch, aber umso schneller die Kurven werden, umso früher kannst du das Gas voll aufmachen. Die Leistung kommt dann ein bisschen verspätet, das war schwierig zu verstehen. Das Gewicht spürst du natürlich auch, beim Anbremsen und Umlegen. Die Moto2 wiegt 140 kg, die Energica 265 kg – das ist schon ein riesen Unterschied. Sonst fährst du eigentlich fast die gleichen Linien.»

Generell gelte aber ohnehin: «Sobald das Visier unten ist, hast du natürlich trotzdem das Racing-Feeling und willst der Schnellste sein. Was ich sehr vermisse ist der Ton und das Schalten.»

Der fehlende Motorensound machte sich Corona-bedingt übrigens ganz besonders bemerkbar: Bisher fanden alle Grand Prix in Form von Geisterrennen statt, also ohne Fans. «In der Moto2 hat man wenigsten die Motoren, die hochjubeln, in der MotoE war es richtig komisch: Du hast einfach die Ampel vor dir gesehen und dann geht’s plötzlich los. Man hört keine Motoren und nichts, das war schon ein richtig komisches Gefühl», schilderte Aegerter. «Wir vermissen die Fans schon sehr. Wenn die Tribünen leer sind, dann kommt es dir vor wie bei einem Test. In den vergangenen Jahren war es immer sehr schön, es waren immer viele deutschsprachige oder Schweizer Fans dabei, die auch die Flagge oder die 77er-Fahne mitgenommen haben. Das motiviert einen schon und ist immer schön, wenn du siehst, dass sie in die ganze Welt reisen.»

Nach aktuellem Stand dürfen an den zwei Misano-Wochenenden (13. und 20. September) täglich 10.000 Zuschauer auf die Tribünen. Dann ist Aegerter natürlich wieder für Dynavolt Intact GP im Einsatz, um seine MotoE-Führung zu verteidigen. Insgesamt stehen auf der nach Marco Simoncelli benannten Rennstrecke an der italienischen Adriaküste drei MotoE-Rennen an. Zuvor gilt es aber eine weitere Besonderheit der elektrischen Klasse zu meistern: Die E-Pole.

«Ich habe schon ein bisschen probiert, auf diese eine Runde hinzuarbeiten», verriet der Schweizer. «Die E-Pole ist eines der wichtigsten Dinge: Nur eine Runde, die für den Startplatz zählt. Da muss einfach alles klappen, du musst das Limit finden, darfst dabei nicht stürzen oder das ‚track limit‘ überschreiten, sonst musst du ganz hinten starten. Du musst einfach konzentriert und voll fit sein für diese eine Runde. Das habe ich in den Trainings, auch beim Motocross oder Supermotorad, ein bisschen probiert.»

Der MotoE-Kalender 2020

19. Juli: Jerez (GP von Spanien)
26. Juli: Jerez (GP von Andalusien)
13. September: Misano (GP San Marino e Della Riviera di Rimini)
19. September: Misano (GP Emilia Romagna e Della Riviera di Rimini)
20. September: Misano (GP Emilia Romagna e Della Riviera di Rimini)
10. Oktober: Le Mans (GP von Frankreich)
11. Oktober: Le Mans (GP von Frankreich)

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