Budgets: Moto2 und MotoGP sind wie Tag und Nacht

Kolumne von Manuel Pecino
Moto2
Die Moto2-Klasse war in Losail die Königsklasse

Die Moto2-Klasse war in Losail die Königsklasse

Die Moto2- und MotoGP-Klasse unterscheiden sich nicht nur anhand der Leistung der Motorräder. Auch die Kosten, die auf ein Team pro WM-Saison zukommen, gehen auseinander.

Auf dem Losail International Circuit liegt der Top-Speed eines MotoGP-Bikes um die 350 km/h, Marcel Schrötter schaffte auf der Moto2-Maschine im Qualifying 299,1 km/h. Die MotoGP-Pole-Zeit von Maverick Viñales aus dem Vorjahr war eine 1:53,5 min, Moto2-Fahrer brauchen fast fünf Sekunden länger.

Das sind Daten, über die jeder Zuschauer verfügt, aber die Informationen über die unterschiedlichen Budgets sind nicht ohne weiteres verfügbar.

Wenn man versucht, an Zahlen zu bekommen, wird es immer kompliziert, weil die Sponsoren die Grundlage für die Tätigkeit darstellen und keiner gerne öffentlich seine Geheimnisse preisgibt.

Aber weil in Losail die Moto2 als Königklasse auftrat, wollen wir die Gelegenheit nutzen, um die Zahlen der Mittelgewichtsklasse mit jenen der MotoGP zu vergleichen. Auch wenn die Summen für ein Werksteam unmöglich zu beziffern sind: Wie viel sind die unzähligen Stunden für Forschung und Entwicklung wert?

Nur KTM-Firmenchef Stefan Pierer legt die Zahlen für sein MotoGP-Engagement offen. Er spricht von 30 Millionen Euro im Jahr als Aufwand für die Königsklasse, Red Bull deckt vom MotoGP-Aufwand laut Pierer ca. 10 Millionen ab.

Die Budgets für die Red Bull-Teams von Ajo und Tech3 in der Moto3, Moto2 und Red Bull Rookies Cup beziffferte Pierer vor der Saison 2019 mit total zehn Millionen. Da sind die Kosten für die Entwicklung wohl eingeschlossen.

Beginnen wir mit der Zusammenstellung der Mannschaften. In der MotoGP-WM besteht ein Privatteam aus rund 20 Personen. Dazu zählen die Leute, die mit den Fahrern arbeiten, die Ingenieure, die PR-Verantwortlichen, der Koordinator und die Manager. In der Moto2-Klasse gilt es, dieselbe Verantwortung zu tragen, aber weil jeder Fahrer nur ein Motorrad hat, ist die Gruppe der Mechaniker kleiner. 14 oder 15 Mitglieder sind für ein Top-Team wie Liqui Moly Intact GP normal.

Weiter geht es mit den Motorrädern: Die Leasing-Gebühren für zwei MotoGP-Bikes pro Fahrer schlagen mit 2,3 Millionen Euro zu Buche. Updates kosten zusätzlich Geld. Sturzteile sind nicht inbegriffen und gehen bei manchen Piloten ganz schön ins Geld. Allein eine neue Karbonschwinge kann 70.000 bis 100.000 Euro kosten – je nach Hersteller.

Im Vergleich dazu erscheint der Preis einer Moto2-Maschine lächerlich: Eine Kalex mit Triumph-Motor kostet 120.000 Euro. Geht es um Teile und Ersatzteile, sprechen wir von 700.000 Euro für die Königsklasse im Vergleich zu den 300.000 der Moto2-Kategorie.

Und weiter geht’s: In der Moto2-WM gibt es Fahrer, die für das Rennfahren nichts bekommen, und andere, die eine Mitgift mitbringen müssen. Dann gibt es einige, die sehr wenig verdienen, und einige, die ein Fixum zwischen 150.000 und 200.000 Euro pro Saison erhalten.

In der MotoGP-WM ist die Anzahl der Bezahlfahrer gesunken, weil alle Teams eine direkte Anbindung an ein Werk haben. Vielleicht bringt nur Tito Rabat Geld mit, bei einem MotoGP-Rookie wie Iker Lecuona (bisher kein GP-Sieg) wird die Gage sehr bescheiden ausfallen. Die Stars verdienen zwischen 3 und 10 Millionen. Man weiß ja: Jorge Lorenzo kassierte bei Ducati 2017 und 2018 total 25 Millionen Euro ab.

Die Löhne für die Mechaniker und Techniker liegen in der Königsklasse ebenfalls höher als in der Moto2, manchmal bis zu 40 Prozent.

Insgesamt nähert sich ein Moto2-Team für eine volle Saison der Marke von 2 bis 2,5 Millionen Euro. Wahrscheinlich ist der einzige Rennstall, der diese Summe übertrifft, Marc VDS. Denn alle Teammitglieder reisen bei den Übersee-Rennen in der Business Class. Das schlägt auf die Reisekosten nieder, die nach den Löhnen ohnehin der zweitgrößte Kostenfaktor sind. Ein privates MotoGP-Team gibt für zwei Fahrer ca. neun bis zehn Millionen Euro aus – also vier Mal so viel wie ein Moto2-Team.

Als Stefan Bradl noch für LCR-Honda fuhr, lag das Budget für einen Fahrer bei ca. 6,5 Millionen Euro. Jetzt fahren dort Cal Crutchlow und Takaaki Nakagami, bei zwei Fahrern kommt es zu gewissen Synergien, beim Personal, bei der Hospitality, bei der Logistik, beim Marketing und der Kommunikation. Das senkt die Kosten pro Fahrer.

Übrigens: In der Moto3-Klasse liegen die Teambudgets pro Jahr für zwei Fahrer zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Euro.

Ein weiterer nicht zu vernachlässigender Unterschied sind in den Klassen Moto2 und MotoGP die Zahlungen von WM-Promoter Dorna (via Teamvereinigung IRTA) an jedes Team: Dank der Beträge für die TV-Rechte, dem Antrittsgeld, den Zuschüssen für die Reisespesen und den Boni für das IRTA-Ranking (da zählt auch das Qualifiying) erhalten die Moto2-Teams von der Dorna Beträge, die ca. 15 bis 25 Prozent des Gesamtbudgets abdecken.

In der MotoGP-Klasse entsprechen die Zuschüsse dagegen 50 Prozent der fast 10 Millionen Euro, die für eine MotoGP-Saison mit zwei Fahrern veranschlagt werden – und damit den Leasing-Kosten für ein Motorrad-Paket.

Die Unterschiede zwischen Moto2 und MotoGP liegen also nicht nur in der Power der Motorräder.

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