Alex Márquez: Was haben eSports und MotoGP gemeinsam?

Von Simon Patterson
MotoGP
MotoGP-Rookie Alex Márquez

MotoGP-Rookie Alex Márquez

Alex Márquez kürte sich am Sonntag zum ersten MotoGP-Sieger der Saison 2020, wenn auch nur an der Spielkonsole. Der Honda-Pilot erkannte trotzdem einige Gemeinsamkeiten zu seinem eigentlichen Job.

Der Sieg beim ersten virtuellen «Stay at Home GP» kam für Alex Márquez überraschend. «Ich hatte nicht erwartet, dass ich gewinnen würde, denn im Qualifying waren Maverick, Pecco und Fabio eine Sekunde schneller als alle anderen», erzählte der MotoGP-Rookie. «Mein Ziel war, nicht zu stürzen. Ich habe mehr daran gearbeitet konstant als schnell zu sein – und es hat gut funktioniert!»

Dass Stürze einen meist nicht ans Ziel bringen, gilt im echten Rennfahrerleben genauso wie auf dem virtuellen Autodromo del Mugello, dem Schauplatz der eSports-Premiere für zehn MotoGP-Asse. «Ich war der Einzige, der nicht gestürzt ist», unterstrich der 23-jährige Spanier. «Ich habe in der Moto2 im Vorjahr viel gelernt! Normalerweise bin ich gut darin, das Limit zu finden, aber bei diesem Spiel ist es sehr einfach, einen Fehler zu machen und zu stürzen, vor allem auf den Kerbs. Die Rennen im Vorjahr, als ich um die Weltmeisterschaft kämpfte, haben mich gut für dieses Rennen vorbereitet», schmunzelte er.

«Als ich 2014 um die Moto3-WM gekämpft habe, war ich jünger, da denkt man nicht so sehr an Dinge wie einen WM-Titel, im Kopf ist man ein bisschen freier. Im Vorjahr habe ich in den Rennen hingegen viel über den Titel nachgedacht», ergänzte der Moto2-Champion von 2019.

Auch wenn das virtuelle Rennen sportlich gesehen keine Bedeutung hatte, waren die MotoGP-Asse nicht ganz von der Anspannung befreit: «Man sah, dass ein bisschen Druck da war, weil alle ganz still wurden und sehr angespannt gewirkt haben. Es ist merkwürdig, wenn du die anderen sehen kannst. Ich habe den Druck ein bisschen gespürt, als ich die letzten Runden anführte», gab Alex zu.

Sein Repsol-Honda-Teamkollege Marc Márquez gab sich – wie üblich – nur ungern mit Platz 5 zufrieden. «Mein Bruder war ein bisschen wütend», verriet Alex mit einem Schmunzeln. «Er hat mir gratuliert, aber er hat auch schon vor dem Rennen gesagt, dass ich schneller sein würde. Wir hatten Spaß daran und er ist immer noch besser als ich, wenn wir Call of Duty spielen», tröstete er den Seriensieger der MotoGP-WM.

Übrigens: Die Tipps für das Set-up, die Alex Márquez vom indonesischen eSports-Fahrer Putut Maulana bekam, enthielt er seinem großen Bruder vor. Immerhin sind auch virtuelle Teamkollegen gleichzeitg noch Rivalen.

«Ich habe am Sonntagmorgen viel trainiert und das Set-up des Bikes verändert, weil die Getriebeübersetzung zuvor auf den Geraden etwas kurz war. Die Einstellungen sind realistisch – man spürt einen großen Unterschied, wenn man am vorgegebenen Set-up etwas verändert», bestätigte der zweifache Weltmeister. «Wir haben einige Veränderungen vorgenommen, jetzt werden die anderen Jungs sicher versuchen, dasselbe zu tun!»

«Ich habe auch einige Ratschläge bekommen, wie ich die Kurven nehmen sollen und wie man bei den Richtungswechseln Stürze vermeidet», ergänzte der Repsol-Honda-Neuzugang. «Wenn man sieht, wie diese Jungs fahren, dann sind die Linien in jeder Runde perfekt, sie machen keinen Fehler. Man versteht sehr schnell, wie schwierig das ist. Jeder kann eine Runde schaffen, aber jede Runde auf der perfekten Linie zu sein ist so schwierig.»

Was kann man aus dem Videospiel in die richtige WM mitnehmen? «Es ist schwierig, Vergleiche mit dem wahren Leben anzustellen. Aber sicher, wenn du ein Rookie in der Moto3 bist und keine Strecke kennst, dann ist es eine große Hilfe, um das Layout zu verstehen», glaubt Alex Márquez. «In dieser Saison ist Finnland zum ersten Mal im Kalender. Dann wird sicher jeder viel auf dem Layout spielen, bevor wir dorthin kommen.»

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