Die besten Sprüche: «Es ist nur ein Motorradrennen»

Kolumne von Michael Scott
MotoGP
Mick Doohan 1996, als er den dritten von fünf WM-Titeln holte

Mick Doohan 1996, als er den dritten von fünf WM-Titeln holte

Eddie Lawson, Barry Sheene und Mick Doohan waren nicht die Einzigen, die mit ihren unverblümten Aussagen für denkwürdige Schlagzeilen sorgten. Ein Rückblick gegen die Corona-Langeweile.

Da es momentan – abgesehen vom virtuellen – keinen Rennsport gibt und die Zukunft ungewiss ist, bleibt uns für die nächsten paar Monate nichts anderes übrig als zurückzublicken. Mit keiner Wut im Bauch und auch nicht mit diesen verklärten «Das-waren-noch-Zeiten»-Erinnerungen. Sondern ganz einfach, um die Zeit zu vertreiben, solange wir warten.

Wenn wir schon dabei sind: Der legendäre Steve McQueen sagte in seinem Autorenn-Film «Le Mans» einen Satz, der lautete: «Rennen fahren ist Leben. Die Zeit dazwischen ist Warten.» Man kann das für sehr tiefsinnig halten. Oder für bescheuert. Es ist beides.

Zitate sind heute unser Thema und ich habe mir über die Jahre eine kleine Sammlung davon angelegt. Bemerkungen, die uns zum Lachen gebracht haben, manche sogar zum Weinen.

Die Lustigen sind normalerweise auf unschuldige Weise sinnlos und stammen von Leuten, die Worte benutzt haben, ohne diese wirklich zu verstehen.

Wie der unbekannte amerikanische Superbike-Pilot, der vor Jahren einer von nur einer Handvoll Fahrern war, die nach einem besonders aufreibenden Rennen mit vielen Stürzen und Pannen, die Ziellinie sahen. Sein Fazit: «It was a race of nutrition.» Zu Deutsch: «Es war ein Rennen der Ernährung.»

Oder ein ziemlich berühmter britischer TT-Pilot, der einen Fehler machte, während er um den Siegt kämpfte. Er wischte sich den Schweiß von der Stirn und sagte zu den Live-Kommentatoren: «Ich bin verödet.» («I’m devasted.»)

Es ist wahrscheinlich unfair, einzelne Pressemitteilungen hervorzuheben, in denen die Verfasser mit der englischen Sprache zu kämpfen hatten. Aber ich schätze den Spanier, der versehentlich sein Heimatland beleidigte, indem er schrieb: «The hole Spain», also «das Loch Spanien.» Und der Franzose, der nach der Handverletzung seines Fahrers schrieb: «Er hat eine starke Blonde am Finger.»

Ein beneidenswertes Schicksal.

Davon gibt es etliche. Ein weiteres Zitat stammt von einer anderen Spanierin, die ein wichtiges «r» ausgelassen hat, als sie dem Pressecenter die Zeit des «Media Scum» mitteilte. (Vielleicht gar nicht so unwahr?).

Ein noch größerer Schatz im Archiv kommt von einem englischen Journalisten, der vor einigen Jahren von der Dorna den Auftrag bekommen hatte, das Interesse für die kommende GP-Saison zu schüren. «Die MotoGP», schrieb er atemlos, «läuft darauf hinaus, wortwörtlich zu wieder-explodieren.» Ein Satz, der auf jeglicher Ebene falsch ist. Wieder-explodieren ist, sogar bildlich, jenseits der Möglichkeiten der meisten Sprengstoffe. Die funktionieren nur einmal.

Aber werden wir wieder ernst.

Ich werde niemals den in die Jahre gekommenen Honda vergessen, bei einem der letzten Rennen, die er besucht hatte. Es gab einen Kopf-an-Kopf-Kampf zwischen Freddie Spencer auf der Honda und Eddie Lawson mit der Yamaha.

Als er blöderweise gefragt wurde, wer seiner Meinung nach am nächsten Tag siegen würde, schaute er seinem Gegenüber in die Augen und antwortete in seiner Erhabenheit: «Wenn wir wüssten, wer gewinnen wird, müssten wir das Rennen nicht abhalten.»

Und einer seiner Nachkommen antwortete auf die Fragen, warum Honda immer noch mit Zweitaktern fährt, obwohl alle auf Viertakter umstiegen: «Wenn du immer nur Fragen stellst, von denen du weißt, dass du sie fragen willst, wirst du nie unerwartete Antworten bekommen.»

Im Eifer des Gefechts

Die besten Zitate kamen aber von den Fahrern, ehe sie von ihren PR-Teams und Sponsoren gebrieft wurden. Heutzutage gibt es öffentliche Floskeln, wie «ich werde versuchen, das bestmögliche Resultat zu erzielen« und «110 Prozent geben». Als wären sie aus irgendeinem anderen Grund auf der Rennstrecke.

In den alten Zweitakter-Tagen haben wir diese Dinge für selbstverständlich erachtet. Den Leuten lag es mehr am Herzen loszuwerden, was ihnen gerade durch den Kopf ging. Zum Beispiel 1985 in Rijeka, Jugoslawien, als Spencer in den Himmel gelobt wurde, weil er nochmals extra Gas gegeben hatte, um dem Sieg näher zu kommen, nachdem er sein Knie an einem Strohballen angeschlagen hatte. Die wortkarge Reaktion des Rennsiegers Lawson? «Er wäre auch möglich gewesen, sich nicht am Strohballen anzuschlagen.»

Manchmal machen sich die Fahrer mit ihren Aussagen auch selbst einen Strich durch die Rechnung. Barry Sheene war immer lustig und gut zu zitieren, aber nicht immer vorausschauend. Als Pet Hennen bei Suzuki unterschrieb und so Sheenes Teamkollege wurde – und damit eine Gelegenheit ergriff, die sich (laut Barry) nur ergeben hatte, weil sich sein guter Freund Gary Nixon bei einem Test-Unfall schwer verletzt hatte, sagte Sheene: «Zahl mit Erdnüssen und du bekommst einen Affen.»

Nachdem sich Hennen zum erste amerikanischen GP-Gewinner in der Königsklasse gekürt hatte, kommentierte Steve Parrish, ebenfalls ein Freund von Sheene, trocken: «Was für ein Affe! Dieser hatte Hörner.»

Barry kam auch ins Stolpern als er das Motorrad-Entwicklungs-Talent seines Rivalen Kenny Roberts beurteilte, indem er sagte: «Er hätte sogar Mühe damit, eine Erkältung zu entwickeln.»

«Wenn ich so schlecht bin», sagte Kenny kurze Zeit später zu mir, «und ich ihn trotzdem schlage, was sagt das dann über ihn aus?»

Die besten Schlagzeilen sind oft einfach gute Wege, das Offensichtliche zu beschreiben – und sie werden oft genutzt, um Leuten einen Dämpfer zu verleihen, die dumme Fragen stellen.

Niemand hatte sich dieser Aufgabe mehr verschrieben als der äußerst direkte Mick Doohan, der wenig Geduld mit der überaus enthusiastischen Presse hatte. Wie zum Beispiel in Argentinien, als er mit seinem Todesblick einen neugierigen Einheimischen anschaute und sagte: «Mein Name ist Michael Doohan und ich bin nach Buenos Aires gekommen, um mit meiner Repsol Honda zu fahren.» Dann hat er so getan als würde er seine Lippen wie einen Reißverschluss zumachen.

Oder als jemand behauptete, dass Doohan das Siegen zu leicht fallen würde: «Was soll ich denn machen – langsamer werden?»

Das Beste von allen aber war, als er – natürlich wieder mit einem vernichtenden Blick – den so hoffnungsvoll aussehenden Fragensteller, der über die Feinheiten der Lenkgeometrie und Reifenmischungen fachsimpeln und über Zehntelsekunden sprechen wollten, mit einem Kommentar abfertigte: «Es ist nur ein Motorradrennen.»

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