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Thomas Voss (ADAC): «Gesamtsituation zu unsicher»

Die MotoGP-Stars machen 2020 nicht auf dem Sachsenring Halt. ADAC-Motorsportchef Thomas Voss erklärt, warum eine Verschiebung des Deutschland-GP oder ein Geisterrennen abgelehnt wurden.

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Heute Mittag wurde offiziell bestätigt, dass der ursprünglich für den 21. Juni 2020 geplante Deutschland-GP auf dem Sachsenring ersatzlos gestrichen wird, am Nachmittag erläuterte ADAC-Motorsportchef Thomas Voss in einer Telefon-Pressekonferenz die Gründe der Absage.

"Die Entscheidung, bis 31. August keine Großveranstaltung zu genehmigen, war die Beschleunigung des Ganzen. Wir haben natürlich deutlich früher angefangen, uns Gedanken zu machen, ob wir diesen Termin in der dritten Juni-Woche halten können. Dass dieser Termin sowieso schwierig wird, war für uns relativ früh absehbar, wenn man sieht, was alles im öffentlichen Leben eingeschränkt wurde", schickte Voss voraus. "Wir haben uns Gedanken gemacht, ob man den Termin verschieben kann, und haben auch das ein oder andere Wochenende gefunden, wo es möglich gewesen wäre. Wobei der 31.8. ein Stichtag ist, vor dem geprüft wird, wie es sich entwickelt: Steigt die Anzahl der Infizierten wieder oder fällt sie. Es hätte durchaus auch sein können, dass es vor dem 31.8. oder noch schlimmer erst am 31.8. eine Verfügung gibt, dass dieses Verbot der Großveranstaltungen verlängert wird."

"Dazu kommt, dass dieser Begriff ‚Großveranstaltungen‘ von allen Bundesländern definiert werden muss. Berlin ist zum Beispiel vorgeprescht, da gibt es ein Verbot für Veranstaltungen mit mehr als 5000 Leuten bis zum 24. Oktober", gab der ADAC-Motorsportchef zu bedenken. "Am Ende des Tages war uns die Gesamtsituation zu unsicher, um wirklich ganz definitiv sagen zu können, wir können irgendwann Ende August, Mitte September, oder was da alles im Raum stand, wirklich definitiv fahren – und den Fans, den Lieferanten, den Tribünenbauern und allen, die dafür verantwortlich sind, dass die Großveranstaltung funktioniert – das sind mehrere Tausend – wirklich definitiv sagen, okay, es findet statt."

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Dazu kommt: "Wir reden über eine Veranstaltung, die in den vergangenen Jahren mehr als 200.000 Gäste angelockt hat. Auch da sind wir überzeugt, dass die nicht alle wieder nebeneinander hätten sitzen dürfen, nicht ohne Atemschutzmaske oder irgendwelche Beschränkungen. Wir hätten vielleicht auch nicht alle Ticketinhaber rein lassen dürfen. Es war deutlich zu vage."

Daher fiel die Entscheidung, den "HJC Helmets Motorrad Grand Prix Deutschland" 2020 abzusagen. "Um einfach für alle Planungssicherheit rein zu bekommen, haben wir uns schweren Herzens dazu entschließen müssen, gemeinsam mit der Dorna diesen Schritt zu gehen", fasste Voss zusammen.

Eine Rolle spielten dabei auch die insgesamt 34 Teams, die in Italien, Spanien oder Frankreich stationiert sind. Aus den genannten Ländern, die besonders stark unter der Coronavirus-Pandemie leiden, kommen auch 50 der 83 Stammfahrer im WM-Fahrerlager. "Wir reden über ein sehr stark internationales Fahrerfeld", bekräftigte Voss. "Wir würden uns alle ein paar deutsche Fahrer mehr wünschen, aber wenn man sieht, aus welchen Ländern die Fahrer und Teams kommen: Spanien, Frankreich, Italien – das sind Länder, die auch teilweise deutlich stärker von Corona betroffen sind als Deutschland, wo es Ausgangsbeschränkungen gibt. Es wäre auch nicht sicher gewesen, ob wir wirklich alle vor Ort hätten haben können – auch nicht im September."

Geisterrennen ohne Zuschauer, die als wahrscheinliche Voraussetzungen für einen Neustart der Motorad-WM gelten, lehnte man auf dem Sachsenring ab: "Klar hat man auch einmal mit der Dorna darüber gesprochen, aber offen gestanden gingen die Gespräche eher dahin, dass man sagte: ‚Lasst uns das bitte nicht machen!‘ Denn der Motorrad-GP am Sachsenring lebt von den Fans, davon, dass 200.000 das ganze Wochenende über da sind, er lebt vom Ankerberg. Es macht, glaube ich, für keinen wirklich Sinn."

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"Dazu kommt: Der Sachsenring ist eigentlich ein Fahrsicherheitszentrum, auf dem man für zehn Tage im Jahr Motorsport machen darf. Das heißt, die Einrichtungen, die an einer regulären Rennstrecke sind, sind teilweise nicht vorhanden. Jedes Stromkabel, jede Wasserleitung muss extra gelegt werden, um allein das Fahrerlager aufzubauen. Die Kosten, den Sachsenring zu einer normalen Rennstrecke zu machen, übersteigen die Kosten an einer anderen Rennstrecke. Das hätte die Dorna mittragen müssen. Somit ist ein Geisterrennen auf dem Sachsenring unwirtschaftlicher als auf einer anderen permanenten Rennstrecke. Deshalb haben wir das in Absprache mit Dorna relativ schnell ausgeschlossen", unterstrich Voss. "Aber, wie gesagt, für uns standen da die Fans im Vordergrund. Es hätte keiner über das Herz gebracht, nach 22 Jahren den Leuten zu sagen, ihr dürft hier nicht rein."

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"Natürlich sind die Fans jetzt von der Absage nicht begeistert, aber wir schauen nach vorne, wir sind eine motorsportbegeisterte Region", fügte Peter Weidinger, Vorstandsmitglied für Sport des ADAC Sachsen e.V., an. "Unsere Fans haben mit Sicherheit Verständnis und verstehen die Lage. Ich kann nur wiederholen, was Thomas gesagt hat: Ein Sachsenring-Rennen ohne Fans ist kein Sachsenring. Ich glaube, dass die Fans einsehen, dass sie ihre Karten behalten und uns im nächsten Jahr mit umso mehr Energie besuchen sollen, damit wir den nächstjährigen Grand Prix zum Erfolg führen."

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