Dall’Igna (Ducati): «Nicht alle Ideen kommen von mir»

Von Paolo Scalera
MotoGP
Gigi Dall’Igna

Gigi Dall’Igna

Ducati-Rennchef Gigi Dall‘Igna verrät, wie er zu den Einschränkungen und dem verkürzten Kalender in der MotoGP-Saison 2020 steht. Außerdem äußert er sich zu Jorge Lorenzo und den Kundenteams.

Ducati führt mit Andrea Dovizioso die Weltmeisterschaft zwar noch an, der Vorsprung ist nach enttäuschenden Rennen in Misano aber auf einen Punkt geschmolzen. In der ungewöhnlichen Corona-Saison 2020 geht es drunter und drüber und auch die Teams müssen sich an die besonderen Umstände anpassen.

Was Gigi Dall’Igna, General Manager von Ducati Corse, zu den Innovationen aus Borgo Panigale, dem verkürzten WM-Kalender, Jorge Lorenzo und den Kundenteams zu sagen hat.

Gigi, in den vergangenen drei Jahren musstet ihr euch bei Ducati jeweils mit dem zweiten Platz abfinden, aber ihr wart sicherlich der Hersteller, der am meisten kopiert wurde: Der Löffel, die Flügel, der «ride height adjuster»… Wie kommst du auf diese Ideen?

Ich bin der General Manager von Ducati Corse, aber das bedeutet nicht, dass alle Ideen, die wir haben und die am Motorrad Anwendung finden, von mir kommen. Ich glaube, dass ich die Fähigkeit besitze, die Personen in meiner Gruppe dazu anzuregen, innovative Ideen zu entwickeln. Ich bringe sie dazu, Lösungen zu finden, die nicht banal sind und nicht geradlinig. Das kommt daher, dass ich in meiner gesamten Zeit in der Welt des Rennsports nie mit wirklich bedeutenden Budgets zu tun hatte. Ich habe gelernt, andere Lösungen zu finden, mich auf anderen Gebieten weiterzubewegen, um wichtige Ergebnisse nach Hause zu bringen.

Dovizioso meinte nach Problemen in Misano scherzhaft, dass die Motorräder über zu viel Elektronik verfügen würden. Das Regelwerk verbietet euch aktuell, am Motor zu arbeiten. Ist das ein zusätzlicher Ansporn, um in anderen Bereichen noch mehr zu versuchen?

Ich bin ein Techniker, deshalb hätte ich gerne die Möglichkeit, an allen Bereichen des Motorrads zu arbeiten. Man muss aber auch objektiv sein und verstehen, was man im Leben machen kann und was eben nicht. Die Welt hat sich in diesem Jahr ziemlich verändert und was man vorher tun konnte, wird jetzt für eine Weile nicht mehr gehen. Daher glaube ich, dass der Kompromiss, einige Bestandteile des Motorrads einzufrieren, es überhaupt erst möglich gemacht hat, dass diese Weltmeisterschaft überlebt und dass die «Independent Teams» mit den Herstellern vernünftige Verträge aushandeln konnten, um trotzdem konkurrenzfähige Motorräder zu haben, die für eine derart aufregende WM-Saison sorgen.

Es ist klar, dass uns einige Bereiche bleiben, in denen wir Entwicklung betreiben können und müssen – und es sind wichtige Aspekte des Motorrads. Man darf auch nicht vergessen, dass ein Hersteller, vor allem einer wie Ducati, nicht nur Rennsport betreibt, um die eigenen Technologien zur Schau zu stellen. Es geht auch darum, sie dann in den folgenden Jahren in der Serienproduktion einzusetzen. Das ist ein wichtiges Ziel von Ducati Corse und Ducati. Ein großer Teil der Technologien, die wir entwickelt haben, wurde dann auch für die Straßenmotorräder genutzt, die jeder beim Händler kaufen kann.

Funktioniert der verkürzte Corona-Kalender deiner Meinung nach? Oder wäre es besser gewesen, weniger Rennen zu fahren, die zeitlich nicht so dicht gedrängt sind?

Ich glaube, dass dieser Kalender die einzig mögliche Lösung war. Wie immer muss man die Dinge aus jedem Blickpunkt betrachten. Aus sportlicher Sicht ist es sicher so, dass Fahrer, die körperliche Probleme haben, mit solch einem Kalender einen größeren Nachteil haben können.

Auf der anderen Seite muss man auch an die Anstrengungen denken, die Dorna unternimmt, um den «Independent Teams» zu helfen, die das schwächste Glied des Systems sind und gerade dank der großen Anzahl von Rennen wichtige Beiträge bekommen. Ich glaube, dass mehrere Teams ohne diese Zahlungen nicht überleben könnten und dass die Dorna einen ausgezeichneten Job macht.

In dieser WM-Saison fehlt Jorge Lorenzo. Könnte er nicht auch für Ducati ein ausgezeichneter Testfahrer-Kandidat sein?

Wir haben uns auf eine Linie festgelegt, die auf die Jungend setzt, und ich glaube, dass das eher zu unserem Stil passt und auch vernünftiger ist. Wir sind glücklich mit Michele Pirro, der in vielerlei Hinsicht, für die MotoGP und Superbike, einen ausgezeichneten Job macht, auch als Hilfe für unsere Fahrer. Es ist schwer vorstellbar, dass wir einen besseren Testfahrer als ihn finden können.

Es gehen Gerücht um, dass Leopard schon im kommenden Jahr den Platz von Avintia einnehmen könnte. So hätte auch Luca Marini bei Ducati Platz.

Das ist hypothetisch, und selbst wenn es interessant wäre, haben wir im Moment auch für 2021 einen Vertrag mit Avintia. Es gibt Gerüchte und es sind keine Spekulationen, wir werden verfolgen, was passiert, um die bestmögliche Lösung zu finden, wenn es um die Fahrer und Teams geht.

Apropos Kundenteam: Pecco Bagnaia und Jack Miller landen 2020 regelmäßig vor den Werksfahrern. Hätte es die gleiche Bedeutung für dich, einen WM-Titel mit einem Kundenteam wie Pramac zu gewinnen?

Für mich ist wichtig, dass eine Ducati die Weltmeisterschaft gewinnt. Dann ist klar, dass wir Sponsoren haben, mit denen wir eng verbunden sind und von denen wir in gewisser Weise auch abhängig sind. Daher ist auch einleuchtend, dass es uns noch mehr freuen würde, wenn wir diesen Partnern, die uns helfen, diesen schwierigen Job zu machen, so etwas Wichtiges zurückgeben könnten.

Fahrer-WM nach 7 von 14 Rennen:

1. Dovizioso 84 Punkte. 2. Quartararo 83. 3. Viñales 83. 4. Mir 80. 5. Morbidelli 64. 6. Miller 64. 7. Nakagami, 63. 8. Oliveira 59. 9. Rossi 58. 10. Pol Espargaró 57. 11. Binder 53. 12. Rins 44. 13. Zarco 36. 14. Petrucci 31. 15. Bagnaia 29. 16. Alex Márquez 24. 17. Aleix Espargaró 18. 18. Lecuona 15. 19. Smith 11. 20. Rabat 7. 21. Crutchlow 7. 22. Pirro 4.

Konstrukteurs-WM nach 7 von 14 Rennen:

1. Yamaha 138 Punkte. 2. Ducati 115. 3. KTM 104. 4. Suzuki 93. 5. Honda 63. 6. Aprilia 26.

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