Spielberg: Neue Schikane erst für 2022 geplant

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Spielberg: Blick vom Turn 3 nach unten. Auf Höhe der Tribüne könnte die Schikane (links in Fahrtrichtung) entstehen

Spielberg: Blick vom Turn 3 nach unten. Auf Höhe der Tribüne könnte die Schikane (links in Fahrtrichtung) entstehen

Bisher wurde keine Einigung über die künftige Streckenführung im Bereich der Kurve 2 in Spielberg erzielt. Deshalb kommt für 2021 eine Nötlösung. Erst für 2022 könnte eine Schikane entstehen.

Das leichtsinnige und völlig verunglückte Überholmanöver in der Kurve 2 des Red Bull Rings beim GP von Österreich am 16. August hat heftige Diskussionen ausgelöst. Seither wird unter den MotoGP-Piloten diskutiert, wie dieser 310 km/h schnelle Knick entschärft werden könnte. Die Ideen und Meinungen gehen auseinander. Die Safety-Officer Franco Uncini und Loris Capirossi schlugen im August eine völlige Begradigung des Abschnitts bis zur Kurve 3 vor. Diese Idee fand bei den Piloten wenig Anklang.

Eines ist klar: Es muss künftig verhindert werden, dass Maschinen wie jene von Zarco und Morbidelli wie herrenlose Katapulte nach oben in die Ideallinie von Turn 3 geflogen kommen. Rossi wurde vom Morbidelli-Bike nur um wenige Zentimeter verfehlt. Zum Crash war es gekommen, weil Johann Zarco an dieser Stelle zu weit links innen fuhr und dann durch die Fliehkraft nach außen getragen wurde, worauf Morbidelli gegen das Hinterrad des Franzosen  krachte. Der Franzose kämpfte damals um einen Platz im Ducati-Werksteam und brauchte dringend ein Spitzenergebnis. Er wurde für dieses Manöver mit einem Start aus der Boxengasse bestraft und von einigen Kollegen gescholten.

Seit August wünschen sich etliche MotoGP-Fahrer statt des schnellen Turn 2 in der Steiermark eine Schikane, mit deren Hilfe die Anfahrtsgeschwindigkeit im Bergaufstück reduziert werden soll.

In der Safety Commission in Portimão wurde über die Gestaltung dieses Abschnitts diskutiert, eine Lösung wurde nicht gefunden. Denn F1-Sicherheitsexperte Michael Masi von der Formel 1 will die bisherige Streckenführung beibehalten.

Auch zwischen den Verantwortlichen des Projekts Spielberg, der Dorna und den FIM-Safety-Funktionären wurde das Thema bei einem Meeting beim Portugal-GP erörtert. Es existieren inzwischen auch einige Vorschläge von Rennstrecken-Architekt Hermann Tilke. Aber es wurde wieder keine Einigung über eine dauerhafte Lösung erzielt.

Jetzt zeichnet sich ab: Für 2021 wird es eine ähnliche Lösung wie für den Steiermark-GP am 23. August geben. Für den zweiten MotoGP-Event in Spielberg wurde vier Tage nach dem verheerenden Crash am Donnerstag vor dem ersten Training als Notlösung rechts von der Fahrbahn oberhalb des Kiesbetts der 315 km/h schnellen Kurve 2 eine zwölf Meter breite Begrenzungsmauer errichtet, mit Betonblöcken, geschützt durch zwei Reihen Autoreifen und einem Block Airfences, dazu wurde ein Fangzaun aufgestellt. «Das war eine Notfall-Aktion, für die Zukunft müssen wir eine bessere Lösung suchen», erklärte Safety Officer Franco Uncini gegenüber SPEEDWEEK.com.

Deshalb soll dieses Bauwerk für 2021 noch verfeinert und bis zur Leitplanke durchgezogen werden. Dazu soll ein Teil der Rasenfläche in der Auslaufzone durch ein vergrößertes Kiesbett ersetzt werden, um ein gestürztes Motorrad rascher einzubremsen.

Diese Interimslösung soll von den Beteiligten 2021 noch einmal akzeptiert werden.

Ob dann für 2022 eine Schikane für die MotoGP-Fahrer installiert wird und die Formel 1 auf dem alten Strecken-Layout fahren wird, ist noch offen.

Der Einbau einer flüssigen Schikane würde normal bei guter Vorarbeit sechs bis acht Wochen dauern und ca. 250.000 Euro kosten.

Ein Erschwernis ist die Hanglage der 4,318 km langen Rennstrecke, was zu Problemen mit der Standsicherheit führt. Es sind deshalb bereits ausführliche Hangsicherungsmaßnahmen gemacht worden. Die kleine Kirche oberhalb der Geraden zwischen Turn 3 und Turn 4 soll bereits um zwölf Zentimeter abgerutscht sein.

Weil der Hang nicht weiter belastet werden sollte, wurde bei der Verkürzung des einstigen Österreichrings für 1996 die Vollgas-Knick vor der Kurve 3 eingebaut; auch beim Bau der Auslaufzone von T3 wurde beim Design auf die Hangsicherung Rücksicht genommen. Ein Abrutschen des Hangs sollte vermieden werden.

Für 2022 wird überlegt, wie eine flüssige Schikane gestaltet werden könnte, die in der Höhe von Turn 2 links Richtung der mobilen Tribüne vom bisherigen Streckenverlauf abzweigt. Es soll keine hakelige Busstop-Schikane entstehen, sondern eine flüssige Schikane, die den Charakter der schnellsten MotoGP-Strecke (187,2 km/h Schnitt in der MotoGP) nicht zerstören soll.

Carmelo Ezpeleta, CEO von Dorna Sports S.L., hat noch nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass es schwierig ist, die Sicherheitsvorstellungen der beiden Top-Klassen Formel 1 und MotoGP unter einen Hut zu bringen. Deshalb wurden in den letzten Jahren nur vier Strecken für beide WM-Serien genutzt: Austin, Barcelona-Catalunya, Spielberg und Silverstone. 2020 trat die Formel 1 erstmals in Mugello auf, dem traditionellen Schaupatz des MotoGP-Events in Italien. Aber für Rossi und Co. wurde der Italien-GP 2020 wegen Corona gestrichen; es wurde zweimal in Misano gefahren.

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