MotoGP-Ikone Giacomo Agostini: Mit Vollgas zum Erfolg

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Auch Giacomo Agostini hofft, bald wieder als Gast in der Yamaha-Box zu stehen. Der 78-Jährige hat mehr Erfolge als jeder andere GP-Pilot gefeiert. Wir werfen einen Blick zurück auf seine beachtliche Karriere.

Erstmals seit Jahrzehnten konnte Giacomo Agostini wegen der Corona-Pandemie 2020 keinen Grand Prix besuchen und an keinem Classic-Event teilnehmen. Aber der legendäre «Ago nazionale» ist in Italien immer noch eine Institution, obwohl sein letztes WM-Rennen inzwischen mehr als 43 Jahre zurückliegt.

Giacomo ist der erfolgreichste Motorrad-Rennfahrer der Geschichte, er hat 122 GP-Siege und 15 WM-Titel angehäuft. Rossi hält bei neun Titel und 115 Siegen. «Ich muss nicht zuletzt deshalb noch weiterfahren, damit Ago ein bisschen erschreckt und um seinen Rekord zittert», sagte Rossi einmal schmunzelnd im SPEEDWEEK.com-Exklusiv-Interview.

In den 1960er- und 1970er-Jahren spielten die Medien eine wesentliche geringere Rolle als heute, die Rennen wurden im Fernsehen nur sporadisch übertragen.

Trotzdem stieg Ago zu einem Botschafter des Motorradsports auf. Er galt als Idol, eilte als Werksfahrer von MV Agusta in den Klassen 350 und 500 ccm von Sieg zu Sieg, hatte aber auch jahrelang keine ernsthaften Gegner.

Seine Familie war gegen den Motorradsport. Giacomos Vater konnte den Jüngling aber nicht abhalten, als er sich eines Tages beim Bergrennen Trento-Bondone auf eine bescheidene Morini 175 Settebello schwang – und Platz 2 belegte.

Ein Jahr später wurde Agostini von Morini für die italienische Meisterschaft verpflichtet. Er gewann sie 1964, nahm dann am GP der Nationen in Monza teil, seinem ersten WM-Lauf – und wurde in der 250er-Klasse Vierter.

Dadurch wurde Graf Domenico Agusta auf den aufstrebenden Rennfahrer aufmerksam, er stellte ihn dem aktuellen 500-ccm-Weltmeister Mike «The Bike» Hailwood zur Seite.

Agostini feierte sein Debüt in der 500er-WM 1965, er trat gleichzeitig in der 350er-WM an. Auf dem gefürchteten 22,8 km langen Nürburgring gelang ihm der erste von drei Siegen in dieser Saison. Er wurde hinter Hailwood Vizeweltmeister.

Agostini hatte den ersten Schritt zur Legende vollzogen, Hailwood rauschte Richtung Honda ab. «Ago» wurde zur unumstrittenen Nr. 1 bei MV Agusta. Er heimste sieben 500-ccm-WM-Titel hintereinander ein, ein Rekord für die Ewigkeit.

Zwischen 1966 und 1972 dominierte Agostini die Weltmeisterschaft nach Belieben. Neben den sieben 500-ccm-Kronen räumte er auch fünf 350er-WM-Titel in Serie ab. Die epischen 500er-Kämpfe gegen Hailwood und Phil Read gingen in die Geschichte ein. In der 350er-WM hießen die Herausforderer Jarno Saarinen und Renzo Pasolini.

Die tragischen Todesstürze dieser beiden Rivalen in Monza im Mai 1973 machten Agostini lang zu schaffen.

Phil Read gewann als Agos Teamkollege bei MV Agusta 1973 den ersten 500-ccm-Titel, Agos Glanz begann zu bröckeln. Darin ist eine Parallele zu Valentino Rossi zu sehen, der am Höhepunkt seiner Karriere bei Yamaha von Lorenzo in den Schatten gestellt wurde.

Während Rossi trotzig zu Ducati abwanderte, ging Agostini damals zu Yamaha. Er wurde dort 1975 neuerlich und zum letzten Mal 500-ccm-Weltmeister. Dazu gewann er das Daytona 200 und den 350er-WM-Titel 1974 für Yamaha.

Giacomo Agostini blickt auf eine der längsten Karrieren im Motorradsport zurück. 17 Jahre lang fuhr er auf dem höchsten Niveau.

Und er gewann sein letztes WM-Rennen 1976 genau dort, wo er auch den ersten Sieg gefeiert hatte – auf dem Nürburgring.

Ago kamen die Tränen, als er im August 1977 beim 750-ccm-WM-Lauf auf dem Salzburgring im Alter von 37 Jahren erstmals über die Möglichkeit eines Rücktritts nachdenken musste. Yamaha hatte ihn aus dem Werksteam entlassen, er vagabundierte mit einem eigenen Team durch die WM, fuhr 1977 abwechselnd im selben Jahr eine private Yamaha 750, eine Suzuki 500 und eine Yamaha 350. Er beendete die 500er-WM an sechster Stelle und zog sich dann vom Motorradsport zurück.

Wie John Surtees und Mike Hailwood gab Ago auch auf vier Rädern in der Formel 1 Gas. Er trat 1978 in Formel-1-Rennen an, die nicht zur Meisterschaft zählten. In der Formel-2-EM trat er mit seinem eigenen Team an. Nach der Saison 1980 beendete er seine Vierrad-Karriere.

1982 kehrte Ago als Marlboro Yamaha-Teammanager in den Motorradsport zurück. Mit Eddie Lawson gewann er in dieser Funktion drei 500-ccm-Titel. Er arbeitete mit vielen erfolgreichen Piloten wie Graeme Crosby und Kenny Roberts zusammen. Unter seiner Leitung gewann Crosby das 1982 Daytona Formula 1, Roberts tat es ihm 1983 und 1984 gleich und Lawson setzte sich 1986 in der Daytona Superbike Championship durch.

Zwischen 1986 und 1990 war er auch für das Marlboro Yamaha 250 ccm Team zuständig, für das Fahrer wie Luca Cadalora, Martin Wimmer und Àlex Crivillé fuhren. Ab 1992 war er dann der Teammanager des Cagiva Factory Racing Teams, und zwar bis zum WM-Ausstieg von Cagiva im Jahr 1994. Im darauffolgenden Jahr absolvierte Ago seine letzte Saison als Teammanager, und zwar beim 250-ccm-Team von Honda.

Heute gilt Agostini, der am 16. Juni 79 Jahre alt wird. als Yamaha-Botschafter. Er hält sich bei seinen GP-Besuchen meist in der Yamaha-Box und in der Hospitality der Japaner auf, obwohl er seine größten Erfolge auf MV Agusta errungen hat und auch bei den Classic-Events am liebsten mit einer MV aufmarschiert.

Ago ist aber auch bei den Medien ein gefragter Mann, seine kritischen und fachkundigen Kommentare sind immer willkommen.

Mit seinem Erzrivalen Phil Read hat sich Ago längst versöhnt. Der schwerkranke Brite, der Anfang Januar 82 Jahre alt wurde, berichtet regelmäßig, dass sich Agostini immer wieder telefonisch nach seinem Befinden erkundigt.

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