Stefan Bradl: Gestörtes Verhältnis zu Cal Crutchlow

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Honda-Testfahrer Stefan Bradl und Cal Crutchlow hatten seit 2013 wenig Sympathien für einander. Deshalb freut sich der Bayer doppelt über den neuen lukrativen Testfahrer-Vertrag bei HRC.

Stefan Bradl befindet sich zweifellos von allen MotoGP-Testfahrern in der besten Situation, denn HRC betreibt seit mehr als drei Jahren mit dem in Barcelona stationierten European Test Team einen immensen Aufwand. Der Moto2-Weltmeister von 2011 hat sich in den ersten drei Jahren bei der Honda Racing Corporation eine starke Position gesichert. Deshalb wurde der Vertrag mit dem 31-jährigen Deutschen wieder verlängert, obwohl sich auch Andrea Dovizioso und der dreifache MotoGP-Sieger Cal Crutchlow (35) beworben haben.

Crutchlow musste deshalb nach sechs Honda-Jahren bei Yamaha als Testfahrer unterschreiben, wo das neue europäische Testteam 2019 mit Jonas Folger und 2020 mit Jorge Lorenzo auf sehr kleiner Flamme kochte.

Crutchlow erzählte bei Honda jahrelang, er leiste neben Márquez einen wertvollen Beitrag zur Weiterentwicklung der RC213V. Aber während Weltmeister Márquez die Testfahrer-Qualitäten von Bradl (Márquez: «Seit Stefan für HRC testet, habe ich kein neues Teil mehr bekommen, das schlechter war als das alte») regelmäßig lobte, kam Crutchlow nie ein anerkennendes Wort zu Bradl über die Lippen. Er ließ kein gutes Haar an ihm, aber so eine Behandlung widerfuhr auch seinem eigenen LCR-Teamkollegen Taka Nakagami (Crutchlow: «Wir haben kein Verhältnis») und dem neuen Repsol-Honda-Werksfahrer Pol Espargaró, dessen Fahrkönnen er im Frühjahr 2020 lautstark anzweifelte. Aber der Red Bull-KTM-Pilot heimste im Vorjahr in 14 Rennen 103 Punkte mehr ein als Crutchlow, der in der Saison 2019 seinerseits 287 Punkte auf seinen Markenkollegen Marc Márquez verlor und über den neunten WM-Rang nicht hinauskam.

«Cal hat in seiner Honda-Zeit immer wieder einmal technische Aussagen gemacht, die nicht schlecht waren. Aber das war bei ihm immer von seiner Laune abhängig und ob er Lust aufs Testen hatte», sagt Bradl. «Ich habe das Gefühl, er hatte manchmal mehr Lust darauf und manchmal weniger. Im Vorjahr war er sowieso meistens verletzt… Dass er nie etwas Positives über mich gesagt hat, ist kein Wunder. Wir waren noch nie zwei Sympathisanten und werden es auch nie werden.»

Stefan Bradl und Cal Crutchlow hatten zu Beginn ihrer MotoGP-Laufbahn zum Beispiel 2012 noch ein recht gutes Verhältnis.

Aber der Brite wurde im LCR-Honda-Team immer mit Vorgänger Bradl verglichen und zeigte sich 2013 eifersüchtig, als das LCR-Team von Bradl als einziges Kundenteam zum exklusiven privaten Test auf der neuen GP-Strecke in Austin/Texas flog, während nicht einmal das Ducati-Werksteam anreiste und das Tech3-Yamaha-Team von Crutchlow schon gar nicht.

Crutchlow fuhr nachher im Rennen auf dem Circuit of the Americas (COTA) als Vierter vor Bradl freihändig über die Ziellinie und machte bei dieser Gelegenheit unter Zuhilfenahme beider Arme eine verächtliche, obszöne Handbewegung Richtung LCR-Crew an der Boxenmauer.

«Die Revanche ist mir dann im selben Jahr in Misano gelungen. Dort bin ich ihm das ganze Rennen hinterher gefahren und habe ihn in der letzten Runde überholt und knapp auf Platz 6 verdrängt», blendet Bradl zurück. «Vielleicht braucht er Reizfiguren, die ihn anstacheln...»

Crutchlow, der 2020 nur fünf Punkte mehr als Bradl sammelte, bekam von HRC im Vorjahr nie ein Angebot als Honda-MotoGP-Testfahrer. «Ich habe dann probiert, meine Position bei HRC zu verteidigen», hält Bradl fest. «Cal hat von Honda das Angebot gehabt, in die Superbike-WM einzusteigen. Aber das hat ihn nicht interessiert. Die Rolle als HRC-Testfahrer war von Honda-Seite immer auf mich ausgerichtet.»

Endstand Fahrer-WM nach 14 Rennen:

1. Mir 171 Punkte. 2. Morbidelli 158. 3. Rins 139. 4. Dovizioso 135. 5. Pol Espargaró 135. 6. Viñales 132. 7. Miller 132. 8. Quartararo 127. 9. Oliveira 125. 10. Nakagami 116. 11. Binder 87. 12. Petrucci 78. 13. Zarco 77. 14. Alex Márquez 74. 15. Rossi 66. 16. Bagnaia 47. 17. Aleix Espargaró 42. 18. Crutchlow 32. 19. Bradl 27. 20. Lecuona 27. 21. Smith 12. 22. Rabat 10. 23. Pirro 4.

Endstand Konstrukteurs-WM:

1. Ducati, 221 Punkte. 2. Yamaha 204. 3. Suzuki 202, 4. KTM 200. 5. Honda 144. 6. Aprilia 51.

Team-WM nach 14 Rennen:

1. Team Suzuki Ecstar 310 Punkte. 2. Petronas Yamaha SRT 248. 3. Red Bull KTM Factory Racing 222. 4. Ducati Team 213. 5. Pramac Racing 163. 6. Monster Energy Yamaha MotoGP 178. 7. Red Bull KTM Tech3, 152. 8. LCR Honda 148. 9. Repsol Honda Team 101. 10. Esponsorama Racing 87. 11. Aprilia Racing Team Gresini 54.

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