Hondas MotoGP-Auftritt verkommt zum Problemfall

Von Günther Wiesinger
Editorial
Nur in der Anfangsphase mischte Marc Márquez in Montmeló in den Top-6 mit

Nur in der Anfangsphase mischte Marc Márquez in Montmeló in den Top-6 mit

Honda wartete sehnsüchtig auf die Rückkehr des sechsfachen MotoGP-Champions Marc Márquez, aber auch dessen Comeback brachte den größten Motorradhersteller der Welt bisher nicht auf die Siegerstraße zurück.

Als Honda im Vorjahr in der MotoGP-WM monatelang dem ersten Podestplatz nachrannte und von Jerez am 19. Juli bis Le Mans am 11. Oktober (Platz 2 durch Alex Márquez) fast drei Monate darauf warten musste, betonte Alberto Puig immer wieder: «Wir haben kein Problem mit dem Motorrad. Unser einziges Problem ist, dass unser Nummer-1-Fahrer nicht verfügbar ist.»

Heute muss auch der Repsol-Honda-Teamprinzipal zugeben, dass die Honda RC213V kein Siegermotorrad ist. Selbst der einst unschlagbar gewesene Marc Márquez hat damit in fünf Rennen nur 16 WM-Punkte eingesammelt.

Schon langsam verkommt der MotoGP-Auftritt des weltgrößten Motorradherstellers zur Peinlichkeit. Denn schon am letzten Testtag in Doha/Katar im Februar 2020 wurde als letztes Heilmittel 2019-Material aus der LCR-Box von Taka Nakagami in die Repsol-Box gerollt, weil Márquez zwei Tage lang über Platz 14 nicht hinauskam.

Und seither ist keine Besserung eingetreten. In der Fahrer-WM 2021 befindet sich kein Honda-Chauffeur unter den Top-Ten. Dafür drei Fahrer von Ducati und drei von Yamaha, zwei von Neuling KTM und je einer Suzuki und von Aprilia.

Auftritte von Honda im Qualfiying 2 (dort sind die schnellsten 12 Piloten versammelt) haben Seltenheitswert. In der Konstrukteurs-WM ist Honda auf Platz 5 hinter KTM und Suzuki zu finden, nur Aprilia ist noch armseliger dran. In der Team-WM ist Serien-Weltmeister Repsol-Honda auf Rang 8 angerutscht.

Bei den Fahrern macht sich allmählich Unmut, Ungeduld und Unverständnis breit.

Während legendäre Crew-Chiefs wie Mike Sinclair die Entwicklungsgeschwindigkeit von KTM lobpreisen, fehlen bei Honda seit mehr als drei oder vier Jahren die zündenden Ideen, wie das MotoGP-Bike wieder mehr Gespür für den Vorderreifen vermitteln könnte. Außerdem lassen sich aus neuen weichen Hinterreifen nur 80 Prozent des Potenzials herauskitzeln, daraus resultieren die tristen Startplätze.

Zur Erinnerung die Grid-Positions von Honda beim Catalunya-GP: 12. Pol Espargaró. 13. Marc Márquez. 14. Taka Nakagami. 20. Alex Márquez.

Von einer Pole-Position ist Honda also meilenweit entfernt. Dabei stand Nakagami am 25. Oktober in Aragón 2020 noch auf dem besten Startplatz.

Die Entwicklung bei Honda zielt also offenbar weiter in die falsche Richtung. Sie ist rückwärts gerichtet.

Mike Sinclair, der für 500-ccm-Stars wie «King Kenny» Roberts und Randy Mamola gearbeitet hat und für Werkteams von Yamaha und Suzuki tätig war, erklärte nach dem Sieg von Oliveira und KTM in Montmeló gegenüber SPEEDWEEK.com: «Es ist ganz klar. KTM hat eine ‚tech update response rate‘, von der wir früher alle geträumt haben. Und das ist einer der essenziellsten Grundlagen des Rennsports. Es ist großartig, dass endlich ein Werk dieses schwierige Ziel verwirklicht hat.»

Honda-Star Márquez: «Es war Zeit, etwas zu riskieren»

Zu den Leidtragenden gehört Marc Márquez, denn er hat bei Honda bis Ende 2024 für vier Jahre unterschrieben.

Unser Mitleid hält sich allerdings in Grenzen, weil er sich die Leidenszeit mit 20 bis 25 Millionen Euro im Jahr vergolden lässt. Das zumindest ist die qualifizierte Schätzung der Ducati-Manager, die den dreifachen Weltmeister Jorge Lorenzo 2017 und 2018 mit 12,5 Millionen im Jahr verwöhnt haben.

«Man könnte es sich leicht machen, einfach langsamer fahren und dadurch das Sturzrisiko vermeiden», sagte ein betrübter Marc Márquez am Sonntag in Montmeló nach seinem dritten Rennsturz hintereinander.

Die Honda-Fahrer verlieren viel bei der Beschleunigung, weil es hinten an Grip fehlt, dadurch summiert sich der Top-Speed-Nachteil auf den Geraden, beklagte sich der Spanier, der in Mugello nur dank Zugpferd Viñales ins Q2 kam.

Márquez stürzte im Catalunya-GP am Sonntag auf Platz 7 beim Anbremsen der umgebauten Kurve 10. «Mir hat das Rennen am Sonntag Freude gemacht, ich habe gepusht. Ich war wieder Marc! Das waren meine besten sieben Runden in diesem Jahr. Als ich auf dem Startplatz gestanden bin, habe ich gesagt: ‚Es ist Zeit, etwas zu riskieren. Es spielt keine Rolle, woher wir kommen und wo wir stehen, es interessiert mich nicht, was die Leute sagen.‘ Ich hatte am Sonntag das Gefühl, es sei an der Zeit, etwas zu riskieren. Es macht keinen Sinn, nur Sprit zu verbrennen, Reifen zu verheizen und auf Platz 12 oder 14 zu landen. Das passt nicht zu mir. Also habe ich am Beginn gepusht. Ich habe ein paar Überholmanöver gemacht, das war unterhaltsam. Doch als die Gegner nach der Anfangsphase alle entsprechend ihrer Rennpace gefahren sind, hat meine Position im Rennen nicht meinem wahren Rennspeed entsprochen. Die Gegner sind niedrige 1:40er-Zeiten gefahren. Das war nicht meine Pace, für mich war es also kritisch.»

Márquez: «Nach drei Runden meinte ich, wenn ich noch drei Runden dran bleibe, kann ich bis zum Finish auf dieser Position mitfahren. Aber ich musste zu viel riskieren. Was ist passiert? Ich war hinter Aleix, ich habe in den Kurven 2 und 3 beim Beschleunigen eine Menge Zeit verloren. In Turn 5 und Turn 9 war es ähnlich. Dann habe ich versucht, den Rückstand beim Anbremsen von Turn 10 wettzumachen. Ich habe nicht massiv spät gebremst, denn Viñales war hinter mir, er hat später gebremst als ich. Aber er konnte sein Bike rechtzeitig verzögern, mir ist das nicht gelungen. Bei mir hat das Vorderrad blockiert und ich bin gestürzt. Natürlich war ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Aber ich war glücklich über die Art und Weise, wie ich in den ersten sieben Runden gefightet habe.»

MotoGP-Ergebnis, Montmeló, 6. Juni:

1. Oliveira, KTM, 24 Runden in 40:21,749 min
2. Zarco, Ducati, + 0,175 sec
3. Miller, Ducati, + 1,990
4. Mir, Suzuki, + 5,325
5. Viñales, Yamaha, + 6,281
6. Quartararo, Yamaha, + 7,815*
7. Bagnaia, Ducati + 8,175
8. Binder, KTM, + 8,378
9. Morbidelli, Yamaha, + 15,652
10. Bastianini, Ducati, + 19,297
11. Alex Márquez, Honda, + 21,650
12. Marini, Ducati, + 22,533
13. Nakagami, Honda, + 27,833
14. Martin, Ducati, + 29,075
15. Savadori, Aprilia, + 40,291

*zwei Drei-Sekunden-Strafen

Stand Fahrer-WM nach 7 Rennen von 19 Rennen:

1. Quartararo 115 Punkte. 2. Zarco 101. 3. Miller 90. 4. Bagnaia 88. 5. Mir 78. 6. Viñales 75. 7. Oliveira 54. 8. Aleix Espargaró 44. 9. Binder 43. 10. Morbidelli 40. 11. Nakagami 31. 12. Pol Espargaró 29. 13. Bastianini 26. 14. Alex Márquez 25. 15. Rins 23. 16. Petrucci 23. 17. 17. Martin 19. 18. Marc Márquez 16. 19. Rossi 15. 20. Lecuona 13. 21. Marini 13. 22. Bradl 11. 23. Savadori 4. 24. Pirro 3. 25. Rabat 1.

Stand Konstrukteurs-WM:

1. Yamaha 143 Punkte. 2. Ducati 143. 3. KTM 83. 4. Suzuki 82. 5. Honda 52. 6. Aprilia 45.

Stand Team-WM:

1. Monster Energy Yamaha 190 Punkte. 2. Ducati Lenovo 178. 3. Pramac Racing 124. 4. Suzuki Ecstar 101. 5. Red Bull KTM Factory Racing 97. 6. LCR-Honda 56. 7. Petronas Yamaha SRT 55. 8. Repsol Honda 52. 9. Aprilia Racing Team Gresini 48. 10. Esponsorama Racing Ducati 39. 11. Tech3 KTM Factory Racing 36.

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