Pit Beirer (KTM): «Márquez hat verdient gewonnen»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
KTM-Motorsport-Direktor Pit Beirer spricht über die WM-Chancen von Miguel Oliveira, die Pläne für den Rest der Saison und das Geisterrennen in Sachsen.

Nach dem verpatzten Saisonbeginn hat sich die Mannschaft von KTM Factory Racing in den letzten Wochen in der MotoGP-Weltmeisterschaft kräftig rehabilitiert. Der erste Lichtblick gelang Brad Binder bereits mit Platz 5 in Portimão am 18. April, und bei den letzten drei Grand Prix ist Miguel Oliveira zur Bestform aufgelaufen.

Der Portugiese hat in Mugello, Montmeló und auf dem Sachsenring 65 von 75 möglichen Punkten kassiert, WM-Leader Fabio Quartararo nur 51. Der Red Bull-KTM-Werkspilot liegt in der Fahrer-WM als Siebter nur noch einen Punkt hinter Viñales; Brad Binder ist nach Platz 4 in Deutschland bereits WM-Achter. In der Marken-WM hält sich KTM hinter Ducati und Yamaha an dritter Stelle!

KTM-Motorsport-Direktor Pit Beirer zeigt sich im Interview mit SPEEDWEEK.com begeistert von seinem neuen Teamleader, der für Red Bull-KTM im Ajo-Team schon zweimal Vizeweltmeister war: 2015 in der Moto3, 2018 in der Moto2. Oliveira hat dazu alle seine 15 GP-Siege auf KTM errungen. Je sechs in den kleinen Klassen, inzwischen drei in der «premier class».

Pit, bei Miguel Oliveira hat sich am Sonntag bewahrheitet, was du vor dem deutschen WM-Lauf gesagt hast – dass man für die moderne MotoGP gar nicht gescheit genug sein kann. Er hat beim deutschen Grand Prix wieder ein Musterbeispiel für eine abgebrühte Rennstrategie abgeliefert.

Ja, es hat sich über das Wochenende abgezeichnet, dass es mit den Reifen knapp wird über die 30-Runden-Renndistanz. Man hat dann gesehen, dass Miguel den Hinterreifen auf dem Sachsenring extrem gut behandelt und schont.

Trotzdem ist es am Freitag und Samstag immer ein Kampf. Man weiß nie genau, wo man dann in der Startaufstellung steht. Es ist immer wieder eine schwierige und heikle Aufgabe.

Der Miguel blieb trotzdem wieder das ganze Wochenende ruhig. Er hat entschlossen und super konzentriert seine Arbeit gemacht. Es war eine Freude, ihn am Wochenende zu beobachten.

Im Rennen selber kam er vom sechsten Startplatz leider nur als Siebter aus der ersten Runde. Er musste dann fünf Gegner überholen, um Zweiter zu werden.

Es gab kritische Momente im Rennen, als die Regentropfen dazu gekommen sind. Da hat er echt entschlossene Überholmanöver gesetzt. Gleichzeitig war das die Phase, in der Marc das Rennen für sich entschieden ist, weil er von den Verfolgern weggefahren ist.

Aber beide Fahrer haben diese Erfolge redlich verdient.

Chapeau für Marc, dass er wieder da ist. Er hat verdient gewonnen. Und wir sind mit dem zweiten Platz von Miguel super happy.

Denn wir sind jetzt auf der dritten komplett unterschiedlichen Rennstrecke mit unserem leicht veränderten Motorrad auf dem Podium gestanden.

Unsere Paket hat in Mugello, in Barcelona und auf dem Sachsenring funktioniert. Damit haben wir eigentlich ein sehr breites Spektrum, wo uns nichts mehr überraschen kann.

Oliveira lag nach dem Le-Mans-GP in der WM nur an 20. Position. Deshalb hat er am Sonntag trotz der 20 Punkte seinen siebten WM-Rang nicht verbessern können.

Für uns ist das jetzt nicht vordergründig von Bedeutung. Die Saison ist noch sehr lang.

Wir waren nach den ersten verpatzten Rennen extrem unter Druck. Für uns ist jetzt der entscheidende Faktor, dass wir die Situation in kurzer Zeit umdrehen konnten und jetzt so entschlossen um das Podium kämpfen können. Das war ein großer und wichtiger Schritt.

Der Punktestand verändert sich bei den nächsten Rennen von selber positiv, wenn wir es schaffen, den Miguel so zu betreuen. Wenn er so stabil wie zuletzt seine Leistung bringen kann, wird er noch viele Punkte einfahren und den einen oder anderen Platz gutmachen.

Miguel Oliveira hat in drei Wochen 15 Punkte mehr eingesammelt als Quartararo. Zum dritten WM-Rang fehlen ihm nur noch 26 Punkte.

Ja, unser Ziel ist es natürlich, bei den nächsten Rennen immer auf das Podium zu fahren. Dann wird sich der WM-Stand auch verbessern.

Vorläufig sind wir froh, dass wir die Situation überhaupt umgedreht haben. Denn vor vier Wochen hat bei uns keiner vom Podium geredet.

Jetzt geht natürlich ein Ruck durch die ganze Mannschaft. Denn wir haben gesehen, wenn wir als Team, im Werk, mit den Fahrern gemeinsam so zusammenhalten wie in den letzten Wochen, klappt es auch mit dem Erfolg.

Die Fahrer haben ja auch einen unglaublichen Job gemacht. Sie sind total ruhig geblieben, als unsere schwierige Phase war. Und sie haben sofort Leistung gebracht, als sich das Motorrad verbessert hat. Wir haben echt fantastische Fahrer. Das muss man einfach erwähnen!

Ein anderes Thema: Haben die Teams und Fahrer Verständnis dafür, dass der deutsche WM-Lauf ein Geisterrennen war,  obwohl in Barcelona und Assen Zuschauer zugelassen wurden, jetzt auch in der Formel 1 in Spielberg. Dazu 14.000 bei der Euro in München? Das war ein Wermutstropfen für die Fans.

Ja, absolut. Es war einfach schlimm und trostlos, den Sachsenring ohne Zuschauer zu erleben.

Nachdem wir 2020 nicht auf dem Sachsenring waren, hatten wir immer noch wache Erinnerungen an den ausverkauften Grand Prix 2019 und daran, wie es normal dort ausschaut. Die Bilder am Wochenende waren wirklich schockierend.

Der schönste Teil vom Sachsenring fehlt wenn die Zuschauer nicht da sind. Es war in den Hotels trostlos und im ganzen Umfeld.
Und es gab auch wenig Verständnis für diese Situation, weil in dieser freien Natur die Ansteckungsgefahr gering gewesen wäre. Ein paar tausend Zuschauer wären besser gewesen als nichts, um etwas Stimmung zu erzeugen. Schade.

Keine Ahnung. Es wird irgendwelche Gründe für diese Entscheidung geben. Vielleicht hat es keine Genehmigung gegeben, weil Sachsen sehr lange sehr stark von einem Infektionsgeschehen gebeutelt war.

Und wenn irgendwann bei hohen Infektionszahlen entschieden worden wäre, trotzdem Zuschauer zuzulassen, hätte es auch keiner verstanden.

Blicken wir lieber nach vorne.

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