Pit Beirer: «Petrucci Testfahrer? Charmanter Gedanke»

Von Günther Wiesinger
KTM-Motorsport-Direktor Pit Beirer traut dem Tech3-KTM-Piloten Danilo Petrucci noch einiges zu. Aber dessen Platz für 2022 wackelt. Anderseits sagt Beirer, KTM könne einen jüngereren Testfahrer wie Petrux gut brauchen.

KTM Factory Racing leistet sich zwar mit Dani Pedrosa und Mika Kallio als einziges MotoGP-Team zwei Full Time-Testfahrer für die MotoGP.-Klasse. Doch Kallio wird am 8. November 39 Jahre alt, und er hat als Ersatzfahrer bei KTM (2019 für Johann Zarco, 2020 für Iker Lecuona) nicht mehr so richtig überzeugt. Die schwere Knieverletzung vom Sachsenring-GP 2018 und der Eisspeedway-Unfall vom vergangenen Winter (Schien- und Wadenbeinbruch am 28. Februar) haben den Routinier aus Finnland zurückgeworfen.

Und jetzt hat der 125-ccm-Vizeweltmeister von 2005 (auf KTM) und Moto2-Vizeweltmeister von 2014 (auf Kalex) im Juli auch endgültig die Chance verpasst, erstmals in seiner Karriere einen Heim-GP bestreiten zu können. Denn der Finnland-GP auf dem KymiRing wurde abgesagt, und KTM hatte schon vorher beschlossen, Kallio keine Wildcard für diesen Event zu geben.

Die Wildcard-Einsätze für Mika Kallio waren wegen der erhöhten Verletzungsgefahr bereits nach dem Sachsenring-Crash vor drei Jahren gestrichen worden.

Muss sich KTM in absehbarer Zeit um einen neuen Testfahrer umsehen?

«Naja, beide Testfahrer sind bei uns bereits in einem fortgeschrittenen Alter», räumt KTM-Motorsport-Direktor Pit Beirer im Gespräch mit SPEEDWEEK.com ein. «Irgendwann müssen wir sicherlich an einen jüngeren Testfahrer denken. Im Moment fühlen wir uns aber sehr wohl mit den beiden, die wir haben. Die Arbeit von Mika unterscheidet sich ja oft von jener, die Dani Pedrosa erledigt. Wir haben ja nicht nur Testarbeit, wo man in der letzten Sekunde fährt, wir haben bei den MotoGP-Tests auch sehr viel Grundlagenarbeit zu erledigen, wo man ganz neue Chassis, Stoßdämpfer oder Gabeln ausprobieren muss. Mika hat also nach wie vor eine wichtige Aufgabe, und Dani sowieso.»

Für Pedrosa hat KTM inzwischen zwei Wildcards beantragt: Für Spielberg-1 am 8. August und für Misano am 19. September. Dort werden auch Bradl und Pirro mit Wildcards antreten.

Kann sich Pit Beirer vorstellen, dass der 30-jährige Petrucci ein Testfahrer-Angebot von KTM mit der Zusage von drei Wildcard-Einsätzen pro Jahr erhält, wenn sein Tech3-Vertrag nicht verlängert wird, weil der Platz neben Remy Gardner für den überragenden Moto2-WM-Zweiten Raúl Fernández benötigt wird?

«Bah, alles ist möglich», seufzt Beirer. «Aber da befinden wir uns jetzt schon im Bereich der Spekulation. Momentan ist das nicht das Thema. Wir haben zwei sehr gute Testfahrer. Natürlich habe wir jetzt sehr viel Druck, weil uns ein Tech3-Fahrer verlassen muss, weil wir Remy hochziehen werden. Wir müssen jetzt abwarten, welche Entscheidungen wir da treffen werden.»

Trotzdem kann Pit Beirer dieser Idee etwas abgewinnen. «Einen Testfahrer wie Danilo in der Familie zu haben, der jederzeit auf hohem Niveau als ‚replacement rider‘ einspringen kann, wenn sich ein Stammfahrer verletzt, ist natürlich auch ein charmanter Gedanke...»

Techniker Sterlacchini von Ducati zu KTM

KTM Factory Racing verstärkt sich bei den MotoGP-Teams fortlaufend mit renommierten Technikern, die überwiegend bei der Konkurrenz abgeworben werden. Zuletzt kam der Italiener Fabiano Sterlacchini zu KTM, der 2019 noch bei Ducati Corse als Track Technical Director beschäftigt war. Danilo Petrucci hat ihn damals als Ducati-Werksfahrer kennen und als MotoGP-Experten schätzen gelernt.

«Sterlacchini wird nicht zu den Rennen gehen. Er wird bei uns eine Aufgabe in der Rennabteilung in Munderfing bekommen», erklärte KTM-Motorsport-Direktor Pit Beirer. «Wir haben für Danilo bei Tech3 mit Sergio Verbena einen italienischen Crew-Chief, der von Ducati zu uns gekommen ist. Wir haben im Werk einige weitere italienische Techniker, die sich mit Danilo Petrucci sehr gut verstehen und mit denen er seine Probleme in der Muttersprache besprechen kann. Wir haben ihm in den letzten Wochen schon etliche neue Teile geliefert, die ihm helfen. Wir werden Danilo für die nächsten Grand Prix noch besseres Matetrial zur Verfügung stellen und uns gemeinsam mit ihm nach vorne arbeiten. Wir erwarten jetzt nicht, dass Petrux von heute auf morgen um Podestplätze oder gar Siege kämpft. Aber er war in Mugello im Rennen im Trockenen starker Neunter. Also muss das nächste Ziel ein achter Platz sein. Und das kann er!»

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