Marc Márquez (Honda): Alle Social-Media-Apps gelöscht

Von Frank Weeink
Marc Márquez berichtet, wie er die Monate während seiner Verletzung bewältigt hat. Dabei spricht der Honda-Werksfahrer offen über seine Gefühle und eine wichtige Erkenntnis, die er in dieser Zeit gewonnen hat.

Platz 7 bei seinem Comeback in Portimão löste bei Marc Márquez ein Feuerwerk der Gefühle aus, in der Honda-Garage konnte er seine Emotionen dann nicht mehr zurückhalten. Zu groß war die Erleichterung und die Last, die von den Schultern des 28-Jährigen gefallen war. 265 Tage waren seit seinem folgenschweren Sturz beim Jerez-GP vergangen. Damals hatte sich der Spanier den rechten Oberarm gebrochen, es folgte ein langwieriger Genesungsprozess, über den er im Interview mit SPEEDWEEK.com offen spricht.

Doch nach der Erleichterung über das geglückte Comeback folgten schwierige Rennen für den achtfachen Weltmeister. Platz 9 in Jerez sowie drei Rennstürze in Le Mans, Mugello und Catalunya ließen den 83-fachen GP-Sieger zweifeln, ob er je wieder zur alten Stärke zurückfinden würde. Mit seinem Sieg auf dem Sachsenring schaffte er diese Zweifel aus der Welt.

Alberto Puig zertrümmerte sich 1995 in Le Mans ein Bein. Zwei Jahre später trat er zurück, weil er das Gefühl hatte, körperlich und mental nicht mehr auf dem höchsten Niveau zu sein. Sind bei dir in den neun Monaten ohne Rennsport derartige Gedanken aufgekommen?

«Natürlich habe ich alle möglichen Szenarien durchgespielt, vor allem in Bezug auf die Physis. Wenn du in die Box kommst, musst du dich voll und ganz auf das konzentrieren können, was in der Garage passiert. Kannst du das nicht, zerstört es dich mental.

Daher habe ich sämtliche Social-Media-Apps von meinem Handy gelöscht. Die Fotos und Texte, die ich veröffentlichen wollte, habe ich in eine WhatsApp-Gruppe geschickt und jemand anderes hat sie für mich dann eingestellt. So etwas habe ich zuvor noch nie gemacht, aber ich musste es tun. Social-Media kann für Athleten ein Desaster sein und das war es auch für mich. Wenn ich angefangen hätte, über all die Nachrichten nachzudenken…Ich wollte mich vollkommen auf meine Arbeit konzentrieren.»

War es für dich schwieriger, mental die Kontrolle zu behalten als physisch?

«Physisch spürst du das Limit. Wenn du etwas austestest, merkst du sofort, okay das funktioniert nicht. Aber mental ühlst du dieses Limit nicht. Die psychische Seite muss der physischen Seite helfen. Ich musste mental verstehen, dass mein Körper noch nicht bereit ist. Ich bin ein Fahrer, der in jeder Session alles gibt, wofür ich derzeit aber noch nicht bereit bin. Die Fahrer sind alle enger zusammengerückt, sodass je nach Strecke unterschiedliche Piloten vorne dabei sind. Momentan ist Fabio Quartararo der konstanteste, aber es ist nicht der Fahrer, der den großen Unterschied macht. Auch die Motorräder haben sich verbessert.»

Dein Bruder Alex hat gesagt, dass du nach deiner Karriere vielleicht ein Buch schreibst, in dem du all die Geheimnisse enthüllen wirst, die wir noch nicht wissen. Teile eins davon mit uns.

«Ich war immer ehrlich und habe alles erzählt. Aber eine Sache, die mir aufgefallen ist, ist, dass man immer auf seinen Körper achten muss. Ich liebe das Rennen fahren, das ist meine Leidenschaft, mein Leben. Aber wenn du eine lange Karriere willst, musst du auf deinen Körper Acht geben. Nicht nur in Hinblick auf deine Karriere, auch im privaten Leben ist das enorm wichtig.»

Nach deinem Comeback in Portimão und nach deinem Sieg in Deutschland haben wir gesehen, was dir der Rennsport bedeutet. War es für dich schwierig, den emotionalen Marc zu zeigen, den viele zuvor noch nicht gesehen hatten?

«Ich bin ein Mensch, der seine Emotionen gern für sich behält. Wenn ich glücklich bin, zeige ich das. Wenn ich jedoch wütend oder ähnliches bin, versuche ich das für mich zu behalten. Aber bei den beiden Rennen konnte ich es nicht kontrollieren. Wenn du siehst, dass selbst Alberto Puig im Parc Fermé geweint hat…Er ist ein starker Mann, aber sogar er war emotional.»

«Das ganze Team, selbst die Japaner zeigten ihre Gefühle. Von außen sieht alles schön aus, aber innerlich wissen wir, dass wir eine schwere Zeit durchmachen. Wir wissen, dass viele Fahrer nach einer schweren Verletzung nicht mehr das gleiche Niveau wie zuvor erreicht haben. Momentan bin ich nicht so gut wie zuvor, aber ich werde es versuchen. Ich bin auf dem Weg, dahin zurückzukehren, wo ich aufgehört habe, um wieder derselbe Marc zu sein.»

Stand Fahrer-WM nach 9 Rennen von 19 Rennen:

1. Quartararo, 156 Punkte. 2. Zarco 122. 3. Bagnaia 109. 4. Mir 101. 5. Miller 100. 6. Viñales 95. 7. Oliveira 85. 8. Aleix Espargaró 61. 9. Binder 60. 10. Marc Márquez 50. 11. Nakagami 41. 12. Pol Espargaró 41. 13. Morbidelli 40. 14. Rins 33. 15. Alex Márquez 27. 16. Bastianini 27. 17. Petrucci 26. 18. Martin 23. 19. Rossi 17. 20. Marini 14. 21. Lecuona 13. 22. Bradl 11. 23. Savadori 4. 24. Pirro 3. 25. Rabat 1.

Stand Konstrukteurs-WM:

1. Yamaha, 184 Punkte. 2. Ducati 167. 3. KTM 114. 4. Suzuki 105. 5. Honda 86. 6. Aprilia 62.

Stand Team-WM:

1. Monster Energy Yamaha, 251 Punkte. 2. Ducati Lenovo 209. 3. Pramac Racing 149. 4. Red Bull KTM Factory Racing 145. 5. Suzuki Ecstar 134. 6. Repsol Honda 98. 7. LCR Honda 68. 8. Aprilia Racing Team Gresini 65. 9. Petronas Yamaha SRT 57. 10. Esponsorama Racing Ducati 41. 11. Tech3 KTM Factory Racing 39.

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