Darryn Binder: «Ich will nicht über 'bullshit' reden»

Von Günther Wiesinger
Darryn Binder: Als Rookie bei WithU-Yamaha

Darryn Binder: Als Rookie bei WithU-Yamaha

«Ich wäre dumm gewesen, wenn ich nicht zugegriffen hätte», sagte Darryn Binder über seinen überraschenden Wechsel in die MotoGP-WM mit WithU-Yamaha. Die Kritik der Fahrerkollegen interessiert ihn nicht.

Mit 24 Jahren steigt Darryn Binder jetzt beim neuen WithU-Yamaha-RNF-Team von Razlan Razali in die MotoGP-Klasse auf, er kommt direkt von der 65 PS starken 250-ccm-Honda NSF250 RW auf die rund 285 PS starke 1000-ccm-Yamaha M1 YZF.

Das wunderschöne Opernhaus «Teatro Filarmonico» in Verona diente heute als Kulisse für die Vorstellung des neuen WithU-Yamaha-RNF-Teams mit den Piloten Andrea Dovizioso und Darryn Binder.

Binder hat bereits 117 Moto3-WM-Läufe bestritten und ein Rennen gewonnen, und zwar 2020 beim Catalunya-GP auf einer KTM. 2021 beendete er die Moto3-WM auf einer Petronas-Sprinta-Honda auf dem sechsten Gesamtrang. Die MotoGP-WM existiert als Viertakt-Kategorie erst seit 2002, seither hat erst ein Fahrer vor Binder den Weitsprung vom 250er auf das 1000er-Bike gewagt: Jack Miller als Moto3-Vizeweltmeister mit sieben Saisonsiegen, der ging damals für 2015 statt Stefan Bradl zu LCR-Honda.

Darryn Binder ist sich bewusst, dass er sich eine gewaltige Herausforderung aufgehalst hat. «Ja, von der Moto3 in die MotoGP, das ist definitiv ein großer Schritt», räumte der Südafrikaner ein, der von Bruder Brad Binder (zwei MotoGP-Siege auf der Red Bull-KTM in Brünn 2020 und Spielberg 2021) mit wertvollen Ratschlägen versorgt wird. «Ich kann mich nur bei allen Menschen bedanken, die mir zu dieser Gelegenheit in der ‘premier class‘ verholfen haben. Ich freue mich wirklich auf diese Challenge. In diesem Jahr kommen fünf Rookies in die MotoGP, und ich will mich mit den anderen Klassenneulingen messen. Darauf freue ich mich.»

Binder ist froh, einen Routinier wie den bald 36-jährigen Andrea Dovizioso neben sich in der Box zu haben. «Ich hoffe, dass ich eng mit ihm zusammenarbeiten und so viel wie möglich von ihm lernen kann. Er hat so viel Erfahrung…»

Binder war erstaunt, als er am 18./19. November beim Jerez-Test erstmals auf die MotoGP-Yamaha ausrücken durfte. «Damals ist ein Traum wahr geworden. Ich bin noch nie ein Motorrad gefahren, das auch nur die geringste Ähnlichkeit mit einer MotoGP-Maschine hatte. Ich habe jede Runde und jeden Moment genossen, es war absolut erstaunlich.»

Aber der langhaarige Darryn weiß, dass er seinen Fahrstil grob umstellen muss. «Ich muss zum Beispiel die Bremsen mit mehr Vorsicht betätigen, weil sie so viel Bremskraft entwickeln. Außerdem muss ich beim Gasgeben aufpassen, dass das Hinterrad nicht zu heftig durchdreht. In der Moto3 kannst du das Gas beliebig aufreißen, es besteht wenig Wheelspin-Gefahr. Ich muss natürlich meine Fahrweise entsprechend anpassen, daran gibt es keinen Zweifel.»

Wie hat sich Binder auf seine erste MotoGP-Saison vorbereitet? «Jeder will eines Tages in der MotoGP fahren. Wenn du so eine Gelegenheit bekommst, kannst du sie nicht ablehnen», sagt er Yamaha-Neuling. «Das ist die größte Gelegenheit, die ich in meinem Leben bekommen habe. Deshalb habe ich sie mit beiden Händen ergriffen. Ich weiß, dass es viele unterschiedliche Meinungen und Kommentare dazu gab. Aber ich wäre dumm gewesen, wenn ich nicht zugegriffen hätte. Ich habe mein ganzes Leben auf dieses Ziel hingearbeitet. Ich will jetzt das Beste daraus machen.»

«Klar, es gab andere Fahrer, die meine Entscheidung kritisiert haben. Ich schere mich wirklich nicht darum», erklärte der coole Darryn Binder, dem aus der Moto3 der Ruf eines Bruchpiloten nachhängt. Ob ich mir jetzt einen Mentaltrainer genommen habe? Ich brauche sicher keinen. Ich bin ein glücklicher Mensch. Ich will mich nicht über ’bullshit‘ unterhalten. Ich gehe weiter meinen Weg, ganz normal. Ich gehe diese Saison so an wie alle vorherigen. Natürlich habe ich mein Konditionstraining in einigen Bereichen verstärkt, weil diese Bikes mehr Kraft erfordern. Aber meine Winterpause ist so verlaufen wie immer. Ich bin heim nach Südafrika gereist, dort habe ich ein bisschen mehr in der Gym trainiert als früher. Am Ende des Tages ist es immer noch ein Motorrad. Es hat zwei Räder – und ich werde es steuern.»


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