Gigi Dall’Igna (Ducati): «Keine Revolution in Sepang»

Von Manuel Pecino
Ducati-Rennchef Gigi Dall’Igna spricht im Interview über den langen Weg zum MotoGP-Titel, die Bedeutung der Feierlichkeiten und die Vorbereitung auf die bevorstehende Saison 2023.

Dank Pecco Bagnaia stellte Ducati 15 Jahre nach Casey Stoner erstmals wieder den MotoGP-Weltmeister. Mit dem Gewinn des Fahrer-Titels in der Königsklasse ging für Gigi Dall’Igna ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Das wurde in Italien im November und Dezember zwar groß gefeiert, auf den Lorbeeren ausruhen will sich der General Manager von Ducati Corse aber nicht.

Im Interview mit SPEEDWEEK.com spricht Dall’Igna über die Lehren aus dem Vorjahr und gibt einen Ausblick auf den Sepang-Test im Februar, der die neue Saison auf der Strecke einläuten wird.

Gigi, für Ducati gibt es in dieser Winterpause einiges zu feiern und jede Menge Ehrungen. Wie hast du das erlebt?

Es ist richtig, dem Erreichten Bedeutung zu schenken, und es ist richtig, diese Genugtuung mit all denen zu teilen, die dazu beigetragen haben. Ich glaube, dass es immer wichtig ist, Siege zu feiern, und wenn du so ein wichtiges Ziel erreichst, wie es bei uns in der vergangenen Saison der Fall war, muss man diese Zufriedenheit auch spüren. Das ist wichtig, um den Wunsch zu wecken, es auch zu wiederholen. Das Feiern ist ein wichtiger Part, wenn es darum geht, auf dem höchsten Level zu bleiben.

Du hast dein erstes Ducati-Projekt 2015 auf die Strecke gebracht. Es hat acht Jahre gedauert, das große Ziel zu erreichen. War die Erleichterung oder die Freude größer?

Sagen wir so: In diesem Winter bin ich mit weniger Last auf meinen Schultern Skifahren gegangen. Ich kann jetzt behaupten, dass das Ziel, das ich mir selbst gesetzt habe, als ich zu Ducati gekommen bin, erreicht worden ist. Ja, es war ein langer Weg, es waren intensive Jahre. Wir sind auch andere Male nahe dran gewesen, aber es ist eben sehr schwierig, in der MotoGP zu gewinnen.

Viele haben das Gefühl, dass Ducati früher hätte gewinnen müssen.

Vielleicht ja, aber die Wahrheit ist, dass wir es nicht früher geschafft haben. Wir hatten es einfach nicht verdient. Im Leben darf man sich nichts vorwerfen. Wir haben verloren und Punkt. Der richtige Weg ist, das Warum zu analysieren und zu verstehen, was man beim nächsten Mal besser machen muss.

Wie sehr habt ihr in der vergangenen Saison gelitten?

Zu Beginn ein bisschen, wir hatten einige Probleme, aber wir waren meiner Meinung nach mutig bei der Suche nach Lösungen und wir haben die Ruhe nicht verloren. Es wäre einfach gewesen, irreparablen Schaden anzurichten, aber wir waren gut darin, die Gruppe zusammenzuhalten und alle gemeinsam zu arbeiten, auch die Fahrer.

Welche waren die technischen Probleme, die euch zu Beginn Schwierigkeiten bereitet haben?

Am Ende ist es ziemlich simpel: Die Testtage im Winter reichen nie aus. Unser Saisonende 2021 war sehr gut, mit allen Fahrern. Wir haben das 2022er-Bike nach dem letzten Grand Prix in Valencia auf die Strecke gebracht und im Grunde waren die Fahrer ziemlich glücklich damit. Wir haben also das, was wir hatten, als eine Selbstverständlichkeit angesehen. Vielleicht hätten wir es gründlicher analysieren sollen.

Wir sind dann mit den 2022er-Bikes nach Sepang gekommen, wo wir keine Referenz aus den vorangegangenen Jahren hatten. Da haben wir dann angefangen zu sehen, dass es etwas nicht gepasst hat und dann… Für dieses Jahr haben wir daraus gelernt.

Deshalb werden wir in diesem Jahr, auch wenn der Valencia-Test gut gelaufen ist, ein 2022er- und ein 2023er-Bike nach Sepang bringen, damit wir die Referenz haben und sicher sein können, dass die Weiterentwicklungen wirklich konkurrenzfähig sind.

Wird es in Sepang dennoch Überraschungen geben, von der Sorte, die die japanischen Ingenieure in den Wahnsinn treiben?

Ich glaube, wir waren dieses Jahr ein bisschen vorsichtiger. Wir haben einige Dinge, von denen ich mir vorstellen kann, dass sie unseren Fahrern helfen und die Performance des Motorrads insgesamt verbessern werden, aber es werde keine großen Revolutionen sein.

Mehr Power?

Das ist ein Ziel, das ein Techniker immer verfolgen muss.

Aber kann man all diese Leistung auch wirklich nutzen? Mehr als 290 PS – warum?

Weil es die Motorräder, die Reifen und die Strecken, auf denen wir fahren, im Moment erfordern: Mit mehr Power bist du schneller. Und oben drauf kommt ein weiterer, sehr, sehr wichtiger Faktor: Es ist im Rennsport so, dass es viel einfacher ist, auf einer geraden Linie zu überholen als in einer Kurve. Und das heißt, dass es für den Fahrer mit dem leistungsstärksten Motor einfacher ist, das Rennen zu gewinnen.

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