Formel 1: Ein selten kurioser Unfall

Jonas Folger (KTM): «Zeiten mit wenig Aussagekraft»

Von Günther Wiesinger
«Ich wäre von den Zeiten her lieber weiter vorne, aber es gab keine Gelegenheit für eine Zeitenjagd», stellte Jonas Folger nach Day 3 in Sepang fest. «Ich bin nur mit gebrauchten Reifen gefahren.»

Jonas Folger spulte am zweiten Tag des MotoGP-Shakedown-Tests auf dem Sepang International Circuit in Malaysia nur zwei Runs ab. «Ich hatte heute kein umfangreiches Programm zu erledigen», erzählte der 29-jährige Bayer. «Ich bin zwischendurch noch einmal mit dem Motorrad von Augusto gefahren. In der Mittagspause habe ich noch einmal zehn Runden gedreht, davon zehn gezeitete. Wir haben bei der Elektronik noch etwas überprüft und beim Rahmen noch einmal was probiert, und das war’s dann schon für heute.» Der Red Bull-KTM-Testfahrer legte an den drei Testtagen insgesamt 47 gezeitete Runden zurück, Rookie Augusto Fernández hingegen zum Beispiel 107.

Die Gelegenheit für eine Zeitenjagd ergab sich wegen dieses Testprogramms auch am Dienstag nie. «Ich bin die ganzen drei Tage nie mit neuen Reifen gefahren, sondern mit gebrauchten. Die frischesten hatten ein bisschen mehr als zehn Runden hinter sich. Nein, die Chance auf eine ‘time attack’ habe ich nicht gehabt. Das ist auch nicht im Vordergrund gestanden», räumte Folger ein.

Nach einem Jahr als Testfahrer bei Yamaha 2019 und einzelnen Tests mit KTM 2022 hat sich Jonas Folger inzwischen damit abgefunden, dass er bei diesem Job seine persönliche Performance hintenanstellen muss und die Jagd nach Topzeiten nicht mehr zu seinen vordringlichen Aufgaben gehört.

«Ich kann das Testprogramm akzeptieren und habe völliges Verständnis für die Arbeitsverteilung im Testteam», meinte Jonas Folger nach dem Shakedown im Gespräch mit SPEEDWEEK.com. «Natürlich täte ich mich von den Zeiten her lieber weiter vorne sehen. Aber wir haben auch Dani Pedrosa im Testteam, und er ist für die ganzen Performanceteile zuständig. Ich war jetzt einfach mit den anderen Aufgaben betraut. Aber ich kriege bei den nächsten Tests sicher die Gelegenheit, das Moped noch besser kennenzulernen. Und wenn es einmal passt, kann ich dann auch einmal mit frischen Reifen attackieren, auf meine Art und Weise.»

Michele Pirro sorgte auf der Ducati für die Bestzeit, Cal Crutchlow verlor als Zweiter mit der Yamaha immerhin 0,550 Sekunden auf die neue Desmosedici GP23. Haben sich die Kräfteverhältnisse also gegenüber 2022 nicht wesentlich verändert?

Folger: «Schwer zu sagen, denn dieser Test war auch vom Wetter her durchwachsen. Es legen ganz viele Fahrer keinen Wert auf die Rundenzeit. Und jeder Hersteller probiert natürlich sehr viele Teile durch. Du kannst also nicht immer rausfahren und Performance zeigen, sondern es geht viel ums Testen und schauen, ob es funktioniert oder nicht. Deshalb sind die Zeiten wenig aussagekräftig. Klar, ein Fahrer wie Cal Crutchlow versucht sicher nicht langsam zu fahren. Er drückt bestimmt an und macht was er kann. Crutchlow ist ehrgeizig. ich denke, bei Yamaha wird viel am Motor getestet. Aber was bei den anderen Herstellern gemacht wird, da habe ich keinen Einblick.»

GASGAS-Tech3-Teamchef Hervé Poncharal sagt, bei der Pierer-Gruppe (GASGAS und KTM) seien an der RC16 gegenüber 2022 Verbesserungen am Motor, Chassis, an der Aerodynamik und Elektronik erzielt worden.

«Ich bin die neueste Aerodynamik schon beim letzten Testgefahren, hier hat sie nur Dani erprobt, weil ich für andere Aufgaben zuständig war», schildert Folger. «Aber was Hervé gesagt hat, kann ich absolut bestätigen. Es ist in jeder Hinsicht an allen Optionen und Schrauben gedreht und probiert worden. Im Werk wurde richtig gepusht, um alle Komponenten für diesen Test fertigzustellen. Ich kann gar nicht alle Details aufzählen. Es ist wirklich breitgefächert. Dementsprechend hatten wir hier viel Arbeit zu erledigen.»

Ergebnisse Shakedown-Test Sepang, Tag 3 (7.2.):

1. Pirro (Ducati Bike 1), 1:59,803 min
2. Pirro (Ducati Bike 2), 2:00,118 min, + 0,315 sec
3. Crutchlow (Yamaha Test 3), 2:00,353, + 0,550
4. Augusto Fernández (GASGAS Bike 1), 2:00,482, + 0,679
5. Savadori (Aprilia Bike C), 2:00,723, + 0,920
6. Bradl (Honda Bike 2), 2:01,129, + 1,326
7. Augusto Fernández (GASGAS Bike 2), 2:01,139, + 1,336
8. Crutchlow (Yamaha Test 1), 2:01,248, + 1,445
9. Savadori (Aprilia Bike D), 2:01,818, + 2,015
10. Crutchlow (Yamaha Test 2), 2:02,111, + 2,308
11. Folger (KTM Bike 2), 2:03,623, + 3,820

Ergebnisse Shakedown-Test Sepang, Tag 2 (6.2.):

1. Crutchlow (Yamaha Test 3), 2:02,079 min
2. Pirro (Ducati Bike 1), 2:02,598 min, + 0,519 sec
3. Augusto Fernández (GASGAS Bike 1), 2:02,770, + 0,691
4. Savadori (Aprilia Bike C), 2:02,948, + 0,869
5. Folger (KTM Bike 2), 2:04,125, + 2,046
6. Pirro (Ducati Bike 3), 2:06,884, + 4,805
7. Savadori (Aprilia Bike A), 2:07,457, + 5,378
8. Augusto Fernández (GASGAS Bike 2), 2:12,255, + 10,176
9. Bradl (Honda Bike 1), 2:13,419, + 11,340
10. Crutchlow (Yamaha Test 2), 2:13,745, + 11,666
11. Crutchlow (Yamaha Test 1), 2:14,017, + 11,938
12. Savadori (Aprilia Bike B), 2:19,951, + 17,872
13. Folger (KTM Bike 1), 2:26,188, + 24,188

Ergebnisse Shakedown-Test Sepang, Tag 1 (5.2.):

1. Crutchlow (Yamaha Test 2), 2:01,146 min
2. Augusto Fernández (GASGAS), + 0,185 sec
3. Crutchlow (Yamaha Test 1), + 0,427
4. Bradl (Honda Bike 2), + 0,459
5. Savadori (Aprilia Bike D), + 0,500
6. Crutchlow (Yamaha Test 3), + 0,801
7. Pirro (Ducati), + 0,969
8. Bradl (Honda Bike 1), + 1,069
9. Augusto Fernández (GASGAS Bike 2), + 1,331
10. Savadori (Aprilia Bike C), + 1,700
11. Savadori (Aprilia Bike G), + 1,793
12. Folger (KTM, Bike 2), + 2,540
13. Folger (KTM Bike 1), + 3,509

Ohne Zeitnahme-Transponder:
Dani Pedrosa (KTM), inoffiziell gestoppt: 2:00,4 min


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