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Auinger: So kommen die Japaner zurück an die Spitze

Von Werner Jessner
Wann werden Honda und Yamaha in der MotoGP wieder konkurrenzfähig? Gustl Auinger, Experte von ServusTV, geht davon aus, dass das Comeback bereits begonnen hat.

Das kann nicht einfach gewesen sein für Honda und Yamaha Yamaha, die zwei erfolgreichsten Hersteller der WM-Geschichte: um concessions anzusuchen, also technischen Zugeständnissen, um Hinterbänklern das Aufschließen zur Konkurrenz zu erleichtern. Wie das genau funktioniert, haben wir hier erklärt: So funktioniert die neue «Concessions»-Regelung

 

Haben sie so eine Chance gegen die Europäer, besonders gegen Ducati Lenovo? Wie lange wird es dauern, bis die japanischen Bikes wieder so gut sind, um gegen die europäischen Hersteller Ducati, KTM und Aprilia zu bestehen? Unser Experte von ServusTV ist optimistisch, dass die Tage des „Ducati-Cups“ wie die MotoGP in den letzten Saisonen oft bezeichnet wurde, gezählt sind.

 

Wie sehr werden die concessions für die Japaner deren Weg an die Spitze abkürzen?

 

Deutlich. Der Punkt: Du darfst mit deinen Einsatzfahrern sehr viel testen. Es gibt nur einen magischen Testfahrer, und das ist Dani Pedrosa bei KTM. Ich will keinen seiner Kollegen schlecht reden, aber: Eigentlich muss der Rennfahrer selbst sein Bike schneller machen und die Entwicklung vorantreiben, nicht der Testpilot. Genauso entscheidend: Yamaha und Honda dürfen den Motor anrühren. Da rede ich nicht von großen konzeptionellen Dingen, etwa aus einem Reihen- einen V4-Motor zu machen. Da geht es zum Beispiel die Position des Motors im Chassis. Vielleicht hattest du in der Konzept-Phase einen kleinen Rechenfehler, und ohne concessions hattest du keine Chance, den auszubessern, weil es ein neues Motorgehäuse bedingen würde – das du aber nicht ändern darfst. Mit den concessions können Honda und Yamaha in den Keller gehen, ein neues Gehäuse fräsen, und schon fahren sie wieder. Das ist sehr, sehr, sehr viel wert.

 

Siehst du an Hondas Problemen in den vergangenen Jahren auch etwas Positives?

 

Kompromisse zu suchen, um ein Manko auszugleichen, das Maximum aus sehr schlechten Voraussetzungen zu machen: darin sind sie inzwischen Weltmeister. Das sind wertvolle Erfahrungen. Für europäische Hersteller wären concessions noch wertvoller als für die beiden Japaner, weil die Wege hier kürzer sind. Grundsätzlich finde ich es völlig in Ordnung, strauchelnden Herstellern zu helfen. Was wäre denn die Alternative? Den Besten zu bestrafen! Und das wäre einer WM nicht würdig.

 

Ist die Arbeitsweise der Japaner überhaupt noch zeitgemäß?

 

Sie haben in der Vergangenheit Wunderwerke der Technik geschaffen. Ich erinnere nur an den Fünfzylinder-Viertakter mit 125 Kubik von Honda. Das waren überragende mechanische Kunstwerke, die ohne Elektronik auskamen. Dieser Fertigkeit und der daraus resultierende Stolz hat eine Ära geprägt. In der modernen MotoGP sind diese Fähigkeiten nicht mehr in diesem Ausmaß relevant. Du musst mit einem engeren Fenster zurechtkommen. Du brauchst nicht mehr der weltgrößte Hersteller zu sein, um ein Sieger-Bike bauen zu können. Du kannst in einer kleinen Werkstatt mit ordentlichen Maschinen Motorgehäuse fräsen. Du brauchst also keine Gießerei mehr. Ein Top-Techniker, der zeichnen kann, und ein guter Mann, der die Maschine bedient, schon kannst du MotoGP betreiben, vereinfacht gesagt. Um unter diesen Voraussetzungen den Unterschied zu machen haben Europäer keine Scheu, gute Leute anderswo abzuwerben. Ein Gigi Dall’Igna war bei Aprilia und ist jetzt bei Ducati. KTM hat kein Problem Leute von Ducati zu holen oder WP Technology von Öhlins. Diesen Schritt zu gehen ist den Japanern unheimlich schwer gefallen.

 

Keine Scheu vor neuen Ideen?

 

Welche Bedeutung hatte Jack Miller für KTM? Welchen Ruck hat das bei KTM gemacht, welche Möglichkeiten standen da plötzlich offen? Langsam öffnen sich auch die Japaner. Inzwischen arbeiten auch sie mit externen Motor-Herstellern zusammen, Honda hat Suzuki-Techniker übernommen. Honda kommt schon wieder, da bin ich mir sicher. In der Formel 1 hat Alonso bei McLaren einst über den Honda-Motor gelästert. Und mit welchem Motor ist Oracle Red Bull Racing in den letzten drei Jahren drei Mal Weltmeister geworden? Honda darfst du nie abschreiben.

 

Wie hat der Turnaround in der F1 funktioniert?

 

Man hat Leute aus der goldenen Turbo-Ära geholt und ihnen dieselben Aufgaben gestellt wie dem Stammpersonal Machines | Formula 1 | Honda.Racing. So kamen unterschiedliche Ideen auf den Tisch, und plötzlich begann das Werkl zu laufen. Das wird in der MotoGP genauso sein, und ich wünsche mir das auch. Nicht weil ich ein riesiger Honda-Fan wäre, aber wenn der größte Motorradhersteller der Welt in der WM nicht dabei wäre, dann fehlt etwas Dramatisches.

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