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MotoGPKolumne

«Der Neue»: Pedro Acosta tritt in großen Fußstapfen

Ob es MotoGP-Rookie Pedro Acosta gefällt oder nicht, jede Menge Augen sind zum Start in die MotoGP-Saison 2024 auf «den neuen Marc Márquez» gerichtet. Dabei steht «der alte Marc» selbst vor einem Neuanfang.

Im Artikel erwähnt



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Auf der RC16 fühlt sich Pedro Acosta schon sichtlich wohl
Auf der RC16 fühlt sich Pedro Acosta schon sichtlich wohl
Foto: Gold & Goose
Auf der RC16 fühlt sich Pedro Acosta schon sichtlich wohl
© Gold & Goose

Es ist ein Fluch für hoffnungsvolle junge Rennfahrer, als "der neue…" (wer auch immer es in diesem Moment gerade sein mag) bezeichnet zu werden. Manchmal funktioniert es. John Surtees war der neue Geoff Duke, ehe er selbst zum Star wurde; Valentino Rossi der neue Giacomo Agostini, aber es dauerte nicht allzu lang, bis er eigenständig Legenden-Status erlangte.

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In Großbritannien scheiterten eine Reihe Möchtegerns daran, der neue Barry Sheene zu werden. Den US-Amerikanern fehlt ein geeigneter Kandidat als Neuer Wayne Rainey. Und keiner kam auch je nur in die Nähe davon, der neue Mick Doohan zu werden.

Nun ist Pedro Acosta am Zug, der weithin als "der neue Marc Márquez" gefeiert wird. Eine schreckliche Bürde für den Teenager aus dem Red Bull GASGAS Tech3 Team.

Nach außen hält sich Pedro mit seinen erst 19 Jahren wacker. Seine jugendliche Unbeschwertheit und sein ungemeines Talent wurden durch einige erstaunliche Rundenzeiten in den Wintertests untermauert. Doch wie zerbrechlich ist sein Selbstvertrauen? Ohne einen größeren Rückschlag (ein Euphemismus für "harter Crash") dürfte es wahrscheinlich überleben – und vielleicht selbst dann, falls es passieren sollte. Die richtig guten Fahrer kommen meist stärker zurück und seine Jugend würde in der Hinsicht wohl helfen.

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Acosta und Márquez im direkten Vergleich

Acosta gewann den Red Bull MotoGP Rookies Cup 2020, nachdem er im Jahr zuvor schon Gesamtzweiter gewesen war. Seither hat sein rasanter Aufstieg bis in die Königsklasse die Maßstäbe seines berühmten Landsmanns erreicht – oder sogar übertroffen.

Márquez kürte sich 2010 im Alter von 17 Jahren zum 125-Weltmeister. Es war seine dritte GP-Saison, nachdem er als 15-Jähriger in die Weltmeisterschaft gekommen war. Seinen ersten Grand Prix gewann der heute achtfache Weltmeister in seinem 33. Antreten.

Acosta holte sich den Moto3-Titel 2021 ebenfalls im Alter von 17 Jahren (das GP-Mindestalter liegt inzwischen höher als zu Márquez‘ Anfängen). Es war seine erste WM-Saison und er gewann bereits seinen zweiten Grand Prix – nach Start aus der Boxengasse. Als jüngster Moto3-Champion schrammte er nur knapp daran vorbei, sich zum jüngsten Weltmeister aller Zeiten über alle Klassen hinweg in die Geschichtsbücher einzutragen. Nur Loris Capirossi war 1990 bei seinem 125er-Titelgewinn noch einmal einen Tag jünger.

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Auf in die nächste Klasse – und um fair zu sein, Márquez hätte den Moto2-Titel ohne seine besorgniserregenden Verletzungssorgen zwei Rennen vor Schluss (eine durch eine Gehirnerschütterung ausgelöste Doppelsichtigkeit) wohl schon in seinem ersten Versuch gewinnen können. Marc lag zu diesem Zeitpunkt zwar drei Punkte hinter dem späteren Weltmeister Stefan Bradl zurück, hatte als Sieger von sechs der neun vorangegangenen Rennen aber definitiv einen Lauf.

In seinem zweiten Moto2-Jahr stürmte Márquez zum Titel. Dasselbe gilt für Acosta, der in seiner ersten Saison in der zweithöchsten Klasse drei Siege feierte (und Marc dabei als jüngsten Moto2-Sieger ablöste), nach einigen Fehlern und einer Verletzung aber nicht über den fünften Gesamtrang hinauskam. In seinem zweiten Jahr war er über weite Strecken der Saison schlichtweg unbezwingbar.

Jetzt geht es zur Sache. Denn in der MotoGP stellte Marc seine bemerkenswertesten Rekorde auf. Kann Pedro sie mit einem Jahr Altersvorteil brechen? Oder läuft es andersrum?

Die steile MotoGP-Vorlage

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2013 drückte Márquez der MotoGP auf Anhieb seinen Stempel auf. Als 20-Jähriger fuhr er in seinem Debütrennen in Katar auf das Podest, gerade einmal zwei Zehntelsekunden hinter Valentino Rossi (Jorge Lorenzo gewann das Rennen). Marc entschied den zweiten Grand Prix in Texas für sich – der Beginn seiner beeindruckenden Siegesserie auf dem COTA und der erste von sechs Saisonsiegen auf dem Weg zum WM-Titel, den er um nur vier Punkte gegen Jorge Lorenzo gewann. Damit löste er Freddie Spencer locker als jüngsten Weltmeister der "premier class" ab und war gleichzeitig der erste Klassen-Neuling seit Kenny Roberts, der auf Anhieb triumphierte (wobei er im Vergleich zu KR natürlich die Strecken schon kannte).

Es war der Anfang einer wahren Regentschaft, die einzig 2015 von Lorenzo gestört wurde, als Honda ein Fehlschlag in der Entwicklung unterlief – bis die Karriere des sechsfachen MotoGP-Weltmeisters 2020 eine plötzliche Wendung nahm, als ihn der folgenschwere Oberarmbruch zu einer letztendlich langen Pause zwang, während Honda führungslos vom Weg abkam.

Viele Kenner der Szene und selbst seine MotoGP-Rivalen gehen davon aus, dass Acosta vom ersten Rennen an um Podestplätze kämpfen und vielleicht sogar im Titelkampf ein Wörtchen mitreden kann. Es dauert nicht mehr lange, bis wir herausfinden werden, ob sie damit recht behalten.

In der Zwischenzeit können wir uns auf seine Testzeiten stützen – und die sind beeindruckend. Bei seinem Debüt auf der RC16 fand der "Hai von Mazzarón" auf Anhieb den Speed und lag als 18. nur rund eine Sekunde hinter der Spitze. An einem kalten Testtag in Valencia, nur zwei Tage nach seinem letzten Moto2-Rennen.

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Nach dem Warmfahren im Shakedown war Acosta in Sepang zum Auftakt des offiziellen IRTA-Tests Zweiter, nach drei Tagen Neunter – mit weniger als sieben Zehntelsekunden Rückstand auf Titelverteidiger Pecco Bagnaia. Nach den letzten zwei Testtagen der Vorsaison in Doha platzierte sich der Rookie auf einem vielleicht realistischeren 15. Platz, dieses Mal eine Sekunde hinter Bagnaia. Gleichzeitig war Ducati-Neuling Márquez in Sepang Sechster, nur ein Zehntel vor Acosta, aber Vierter in Katar.

Wie immer gilt: Tests sind nicht mehr als Tests, aber bald schon wird Acosta zeigen, was er drauf hat, sobald es ernst wird.

Der neue Marc Márquez? Nun ja, dazu muss man festhalten, dass der alte Marc Márquez noch lange nicht abzuschreiben ist – sie sind sozusagen in der Genie-Ecke in doppelter Reihe geparkt. Und Bagnaia, Martin, Binder, Martin und ein paar andere werden auch noch kräftig mitmischen wollen.

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