KTM-Chefentwickler Felber: «Karten werden neu gelegt»
Zur Saison 2027 werden neue Motorräder und neue Reifen von Pirelli Einzug halten. Wolfgang Felber, Entwicklungschef der MotoGP-Abteilung von KTM, zum jüngst bekannt gemachten Pirelli-Einstieg in die Königsklasse.
Wie bereits vor der offiziellen Bekanntmachung
Absehbar ist dabei schon jetzt, dass die zeitlichen Vorgaben eine große Herausforderung für den Ausrüster Pirelli sind – aber gleichfalls für die in der MotoGP vertretenen Motorrad-Werke bedeuten.
Der Einstieg des Konzerns aus Mailand fällt zusammen mit der Exekution des neuen Reglements. Zur Erinnerung: Ab 2027 sind nur noch Vierzylinder-Antriebe mit maximal 850-ccm-Hubraum zugelassen. Bei geringerem Gewicht und kleineren Tanks wird die elektronische Regulierung der Fahrhöhe verbannt. Dritte einschneidende Maßnahme ist die Limitierung der Aerodynamik-Flächen.
Dass zeitgleich Reifen eines neuen Herstellers eingeführt werden, erscheint sinnvoll – denn Adaptionen an der wichtigen Verbindung zwischen Asphalt und Fahrzeug müssen aufgrund der massiven technischen Veränderungen in jedem Fall vorgenommen werden.
SPEEDWEEK.com sprach den erfahrenen Ingenieur und KTM-Chefentwickler der MotoGP-Fahrwerksabteilung Wolfgang Felber auf die noch frische Ankündigung an. Felber bestätigte die massive Auswirkung: "Aus Sicht der Werke bedeutet der Einstieg von Pirelli nichts anderes, als dass die Karten in der Entwicklung komplett neu gelegt werden. Die Reifen sind ein ganz zentraler Aspekt der Entwicklung. Die Performance der Reifen, speziell am Hinterrad, hat ein extremes Niveau erreicht – entsprechend beeinflussen sie ein MotoGP-Bike deutlich."
Am Einstieg von Pirelli sieht der hocherfahrene Österreicher grundsätzlich nichts Negatives: "Wie Michelin, so hat auch Pirelli sicher die Kompetenz, um die MotoGP mit leistungsfähigen Rennreifen auszurüsten. Aber der Wechsel wird auch Veränderungen mit sich bringen. Die Reifenhersteller haben über die Jahre ihre eigenen Entwicklungsphilosophien ausgeprägt. Es ist daher davon auszugehen, dass auch die bisherigen Pirelli-Reifen eine Rolle spielen. Die Entwicklungen finden evolutionär statt."
Ist der Test eines MotoGP-Bikes mit aktuellen Superbike-Reifen somit eine gute Idee? Felber relativiert: "Natürlich kann man das machen – es ist kein Fehler, sich einen Eindruck von der Charakteristik zu verschaffen. Einem professionellen Entwicklungsansatz kann man damit aber nicht gerecht werden. Im nächsten Schritt wird es einen Austausch von Informationen und klare Vorgaben für die Entwicklung spezieller MotoGP-Reifen benötigen."
Wolfgang Felber: "Ein ganz wichtiges Kriterium bei der Entwicklung sind die Dimensionen – und hier im Speziellen der Durchmesser. Sollte Pirelli hier etwa einen anderen Weg einschlagen als aktuell, dann fangen die Chassis-Entwickler wieder mit einem weißen Blatt Papier an."
Der routinierte Rennsporttechniker zum Zeitplan: "Um beim Saisonstart 2027 gut aufgestellt zu sein, muss im Sommer 2026 kein vager Prototyp, sondern ein mehr oder weniger fix-fertig entwickeltes Bike stehen. Der Misano-Test im September ist oft ein Meilenstein. Denn ab hier müssen die Prozesse greifen, um die Teileversorgung für die nächste Saison sicherzustellen."
Damit ist auch klar, dass Pirelli nur gut ein Jahr verbleibt, um auf Basis ihrer heutigen Technologie mit den Herstellern eine neue MotoGP-taugliche Generation auf Produktionsniveau zu bringen.
Ingenieur Felber hofft entsprechend auf baldigen Informationsfluss: "Außer den allgemeinen Aussagen haben wir bislang keinerlei Details, weder von den Instanzen der MotoGP noch von Pirelli. Ich hoffe, dass wir in Kürze mehr erfahren."
Den jüngsten
Nach der Verkündung in der vergangenen Woche dürfte die Feierstimmung in den Lagern von Dorna und Pirelli inzwischen einem angespannten Arbeitsklima gewichen sein. Die Zeit rennt.
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