Repsol Honda: Das Dilemma geht weiter

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Die Darbietungen des Repsol-Honda-Teams lassen weiter arg zu wünschen übrig: Marc Márquez liegt 49 Punkte hinter Leader Rossi. Yamaha hat neun der letzten zwölf Rennen gewonnen!

Das Repsol-Honda-Werksteam steckt tüchtig im Dilemma. Weltmeister Marc Márquez, letztes Jahr bei 13 von 18 Rennen siegreich, liegt in der WM an fünfter Stelle (!), hinter zwei Yamaha und zwei Ducati.

Die Höchststrafe für den weltgrössten Motorradhersteller.
Dani Pedrosa, bei drei Rennen wegen seiner Unterarm-OP ausser Gefecht, ist WM-13.

Die einst unschlagbare Honda RC213V ist ein Sorgenkind geworden.
Die Mängelliste, die Márquez und Pedrosa in Mugello auftischten, lässt sich kaum in ihrer Gesamtheit aufzählen.

Motor zu aggressiv, Bremsverhalten schlechter als 2014, zu viele Wheelies, zu viel Spinning am Hinterrad, das Bike lässt sich beim Bremsen nicht auf der Linie halten, mit dem Kurvenspeed ist es nicht zum Besten bestellt, das Einlenkverhalten lässt zu wünschen übrig. Und so weiter.

Marc Márquez stürzte in Mugello am Samstag und am Sonntag übers Vorderrad, Cal Crutchlow an zwei Tagen gleich dreimal (einmal am Samstag, zweimal am Sonntag), auch immer übers Vorderrad, Scott Redding holperte mit der vierten Factory-Honda auf Platz 11.

Das heisst: Bei den Kundenpiloten hat es sich HRC mit dem Rausschmiss von Bautista und Bradl nicht verbessert, auch die Factory-Neulinge haben mit diesen Bikes gehörig Mühe. Auch die Open-Fahrer Hayden und Miller stürzten.

«Sie sind am Limit», bemerkte Power-Electronics-Honda-Teambesitzer Jorge Martinez am Sonntag nach dem Mugello-GP in bezug auf die Werksfahrer.

Das Desaster bahnte sich schon im Winter an, als HRC beim ersten Sepang-Test bei Márquez und Pedrosa drei unterschiedliche Chassis in die Box stellte – und für gehörige Verwirrung sorgte.

Das Repsol-Duo wählte dann unterschiedliche Konstellationen aus, es gab keine eindeutige Richtung.

Die Zwischenbilanz nach sechs Rennen ist niederschmetternd. Auch in Mugello stand kein Honda-Fahrer auf dem Podest, Repsol Honda hat 2015 erst zwei von 18 Podestplätzen beschlagnahmt. Márquez siegte in Texas und landete in Jerez auf Platz 2. Zweimal ist er im Rennen gestürzt – in Argentinien und gestern in Italien.

Die Yamaha-Ingenieure lachen sich ins Fäustchen: Fünf Siege bei sechs Rennen 2015.

Schon 2014 siegte Yamaha bei vier der letzten sechs Rennen – zweimal mit Lorenzo, zweimal mit Rossi.

Honda stagniert, Yamaha und Ducati stärker

Seit der Saison 1995 existiert die beispiellose Kooperation zwischen der spanischen Mineralölfirma Repsol und der Honda Racing Coperation (HRC). Mick Doohan hat in dieser Konstellation vier 500-ccm-WM- Titel (1995, 1996, 1997, 1998) gewonnen, Alex Crivillé triumphierte 1999, Valentino Rossi 2001, 2002, 2003, Nicky Hayden 2006, Casey Stoner 2011, Marc Márquez 2013 und 2014.

Dazu hat Repsol Honda in diesen 20 Jahren 364 Podestplätze erobert (139 GP-Siege, 116 zweite Plätze, 109 dritte Plätze).

Aber jetzt holpert es gewaltig. Marc Márquez sah sich am Samstag in Mugello im dritten freien Training plötzlich mit Platz 11 konfrontiert, Rückstand 0,949 sec auf Jorge Lorenzo und Yamaha, er kam schliesslich über den 13. Startplatz nicht hinaus. Ein Sturz im FP4 verschlimmerte die Situation.

Vor einem Jahr um diese Zeit präsentierte sich das Repsol-Honda-Team noch in bestechender Form. Marc Márquez gewann die ersten zehn MotoGP-Rennen, Dani Pedrosa erkämpfte einen Podestplatz nach dem andern.

Jetzt zeigt sich ein anderes Bild. Márquez kam als WM-Vierter nach Mugello, er hat bei den ersten fünf Grands Prix nur zwei Podestplätze erzielt – Sieg in Texas, Platz 2 in Jerez.

Seit dem Le-Mans-GP reden Marc Márquez und Dani Pedrosa offen über die vielfältigen Schwächen der neuen, überempfindlichen RC213V-Werks-Honda. Der Motor ist zu aggressiv, das Bremsverhalten kommt nicht annähernd an die Performance von 2014 heran, das Einlenkverhalten lässt zu wünschen übrig. «Wenn ich so spät bremsen würde wie im Vorjahr, würde ich bei fast jeder Kurve geradeaus fahren müssen», stellte Márquez in Mugello fest.

Márquez kam am Samstag im Qualifying über 1:47,240 min nicht hinaus, im Vorjahr stand er mit fast identischen 1:47,270 min auf der Pole-Position.

Auch dieser Vergleich unterstreicht: Die Konkurrenz hat sich stark verbessert, Honda und Márquez nicht.

Die Rennzeit von Mugello gestern war wegen der Hitze um 1 sec langsamer als 2014, ​trotzdem konnte Márquez nur in der Verfolgergruppe (zehn Sekunden hinter Lorenzo) mitfahren. Bis zum Crash.

Jetzt der Vergleich der Gegner vom Mugello-Qualifying am Samstag: Lorenzo fuhr 2014 in Mugello mit 1:47,521 min auf Startplatz 3, jetzt erzielte er 1:46,584. Rossi war 2014 Trainingszehnter mit 1:47,791 min, jetzt fuhr er 1:46,923. Dovizioso stand im Vorjahr in Mugello mit 1:47,754 min auf Platz 8, jetzt war er Dritter mit 1:46,610 min. Und Iannone startete 2014 in Mugello als Dritter mit 1:47,450 min, am Samstag legte er 1:46,489 min vor.

In Zahlen: Rossi fuhr im Quali 0,868 sec schneller als Im Vorjahr, Lorenzo um 0,937, Dovizioso um 1,144, Iannone um 0,961. Und Márquez fuhr im 2015-Quali am Samstag nur um 0,030 sec schneller!

«Bei der Werks-Honda wandeln die Techniker bei der Abstimmung immer schon auf einem schmalen Grat», erzählte ein ehemaliger Repsol-Honda-Techniker. «Jetzt sind sie beim Set-up offenbar in eine ganz falsche Richtung galoppiert.»

«Die Rennzeit in Le Mans lag 26 Sekunden unter der Siegerzeit von Marc Márquez 2014», gab ein gegnerischer Techniker zu bedenken. «Márquez und Honda sind technisch stehen geblieben. Vielleicht haben sie sich sogar zurückentwickelt. Yamaha und Ducati haben sich verbessert. Wenn ein Werk wie Honda zwei Jahre dominiert, wird die Konkurrenz wachgerüttelt, das ist ein alltäglicher Vorgang.»

Eines ist klar: Die Honda-Ingenieure haben die RC213V nach der Saison 2013 auf den aussergewöhnlichen Fahrstil von Márquez massgeschneidert.

Deshalb kamen Pedrosa (nur ein Sieg, 2013 noch drei), Bautista und Bradl im Vorjahr mit der Werks-Honda schlechter zurecht als in den Jahren zuvor.

Für 2015 wollten HRC-Vizepräsident Shuhei Nakamoto und seine Ingenieure die Honda wieder benutzerfreundlicher machen.

Dieses Experiment ist offenbar schief gegangen.

Weltmeister Márquez leidet am meisten darunter.

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