Mick Doohan wird 50: Einer wie Rossi und Agostini

Von Günther Wiesinger
MotoGP
2014 beim Australien-GP: Casey Stoner und Mick Doohan

2014 beim Australien-GP: Casey Stoner und Mick Doohan

Der Australier gewann von 1994 bis 1998 fünf 500-ccm-WM-Titel hintereinander, so eine Serie gelang nur Agostini und Rossi. Trotzdem wollte er nie ein Superstar sein.

Mick Doohan gehört zu den ganz Grossen des Motorradsports. Fünf WM-Titel hintereinander in der Königsklasse (damals 500 ccm) zu gewinnen, das hat kein Barry Sheene geschafft, kein «King Kenny» Roberts, kein Wayne Rainey, schon gar kein Kevin Schwantz, kein Eddie Lawson, nachher auch ​kein Stoner oder Lorenzo. Und bisher natürlich auch kein Marc Márquez.

Nur Agostini räumte einmal sieben Titel in Serie ab, Rossi deren fünf.

Dabei war «Quick Mick» in der 500-ccm-Weltmeisterschaft alles andere als ein Senkrechtstarter.

Die Honda NSR 500 (NSR stand für New Stroke Racing, weil HRC beim Comeback zuerst einen Viertakter gebaut hatte) galt damals als giftiges Biest, Yamaha hatte oft leichte Vorteile.

Eddie Lawson war 500-ccm-Weltmeister 1984 auf Yamaha und 1986 wieder auf Yamaha, 1987 gewann Wayne Gardner für Honda den 500er-WM-Titel vor den Yamaha-Stars Mamola und Lawson, 1988 war wieder Lawson auf Yamaha siegreich, 1987 stieg «Steady Eddie» auf die Rothmans-Honda um – und wurde wieder Weltmeister. Auch 1985 siegte Honda in der WM – mit Freddie Spencer.

1989 trat Mick Doohan in die WM ein, er war Mitglied des ruhmreichen Rothmans-Honda-Teams und erlebte eine bescheidene Debütsaison. Lawson gewann die WM mit 228 Punkten, er lenkte zwar eine Rothmans-Honda, aber im Kanemoto-Team, er war nicht Teamkollege von Doohan. Mick kam mit 81 Punkten nur auf den neunen WM-Rang. Immerhin liess er den australischen Helden Gardner hinter sich, der lange verletzt war.

Doohan steigerte sich danach rasch, obwohl er sich für seine ersten GP-Jahre eine Ära ausgesucht hatte, die in puncto fahrerischer Stärke mit der heutigen zu vergleichen war. 1990 war er schon WM-Dritter hinter Rainey (Yamaha) und Schwantz (Suzuki), er liess Mackenzie, Gardner, Garriga, Lawson, Ruggia, Ch. Sarron, Pons und Chili hinter sich.

Wayne Rainey erwies sich auch 1991 und 1992 als unschlagbar, 1993 triumphierte Schwantz in der WM, dann schlug die grosse Stunde von Doohan.

Der Australier wurde Weltmeister 1994, ein Jahr später stieg Repsol bei HRC als Sponsor ein, er gewann vier weitere Titel. Insgesamt gewann er 55 Halbliter-GP.

Dazwischen lag das Desaster von Assen 1992, wo Doohan nach einem Crash fast eine Beinamputation über sich ergehen lassen musste, er verlor die WM-Führung, beim Comeback in Interlagos/Brasilien war sein rechter Knöchel versteift. Deshalb verlor er den Titel mit 140 zu 136 Punkten noch an Rainey.

Doohan war als Rennfahrer keine populäre Figur wie Rossi oder Márquez, er wirkte verbissen, ehrgeizig, die Fans waren ihm oft lästig, Gespräche mit Journalisten betrachtete er als Greuel und unnötig.

Er wollte einfach Motorradfahren, er wollte seine Taten auf der Strecke sprechen lassen.

Mick Doohan: Schwere Verletzungen

Mick ​Doohan fiel es immer schwer, beachtliche Leistungen von Gegnern zu würdigen, nicht einmal für John Kocinskis wackere Bemühungen auf der lahmen Cagiva fand er anerkennende Worte.

Beschaulich war die 500er-WM damals nicht. Spektakuläre und schmerzhafte Highsider waren an der Tagesordnung. Der bedauernswerte Mick musste extrem viel einstecken.

Die schwere Verletzung von 1992 trug zu seiner Verbitterung bei.

Kritik ertrug Doohan nur schwer, bei Stürzen betrachtete er es als Majestätsbeleidigung, wenn sich ein Reporter erdreistete, ihn nach der Ursache zu fragen.

​Mick liess nicht gern eine andere Meinung zu, er ​speiste die Reporter ​am liebsten immer mit denselben Kommentaren ab. Er ​leistete sich nicht den Luxus eines umfangreichen Wortschatzes. Als der «Big Bang»-Motor mit besserer Leistungsentfaltung kam, bezeichnete er ihn als benutzerfreundlicher. Als HRC später auf die Screamer-Version zurückkehrte, weil sie mehr Topleistung hatte und die Elektronik inzwischen vorangeschritten war, sagte Doohan wieder: «Der Screamer ist benutzerfreundlicher.»

Doohan gewann nicht weniger als fünf WM-Titel in Serie, von 1994 bis inklusive 1998, in gewissen Phasen war die Anzahl der starken Gegner überschaubar. 1998 liess er den WM-Zweiten Max Biaggi alt aussehen, Teamkollege Alex Crivillé wurde WM-Dritter, er fuhr in erster Linie eine Werks-Honda, weil sich Repsol einen Spanier wünschte.

1999 verletzte sich Mick beim Jerez-GP wieder schwer, er landete schliesslich mit 33 Punkten nur auf dem 17. WM-Rang. Er hatte sich Brüche des Unterschenkels, Handgelenks und Schlüsselbeins zugezogen. Zudem erlitt er einen Muskelriss im Rücken. Die Chance auf seinen sechsten WM-Titel in Folge war dahin.

«Quick Mick» zog sich mit 34 Jahren aus der WM zurück. ​

Doohans Sturz sorgte dafür, dass Sete Gibernau die Chance bekam, die Repsol-Honda als Ersatz für den verletzten Australier zu fahren.

Seine grossartige Technikcrew mit Jeremy Burgess überliess er somit einem vielversprechenden 500-ccm-Aufsteiger – Valentino Rossi. Abgesehen von Burgess schuften sie alle heute noch in der Rossi-Box, sie haben eine Odyssee von Honda zu Yamaha, von dort zu Ducati und dann zurück zu Yamaha hinter sich.

Mick Doohan versuchte sich in der Folge als Autorennfahrer, schon zu seiner 500er-Zeit hatte er in Barcelona einmal einen Williams-Formel-1 testen dürfen.

Aber weder in Australien noch in der DTM bahnte sich eine grosse Automobilkariere an. Doohan zog sich ins Geschäftsleben zurück – und blieb Botschafter für Honda.

Doohan lebte während seiner GP-Karriere wie in einer Blase, er marschierte am GP-Weekend mit einem Tunnelblick durchs Fahrerlager, er schaute nicht nach links und rechts, ähnlich wie Eddie Lawson.

Nach seiner GP-Laufbahn präsentierte sich Mick wie ein anderer Mensch. Als der Druck abfiel, nahm er sich fröhlich Zeit für Gespräche mit Journalisten, er wirkt jetzt immer entspannt und relaxt​ und sorgt für gute Statements, wenn er im Fahrerlager erscheint. Er geniesst jetzt seinen Ruhm, den er in seiner aktiven Zeit nur als Belastung empfunden hat.

Von sinnlosen Comebacks hat er sich immer wacker ferngehalten. Da matchte er sich lieber beim «Race of Champions» mit Stars wie Michael Schumacher, dessen Sohn Mick nach ihm benannt ist.

Wegen Mick Doohans oft mürrischer Auftritte war Wayne Gardner immer populärer als Doohan, obwohl er nur einen Titel gewann. Wayne nahm sich mehr Zeit für die Medien und für die Fans.

Casey Stoner erinnerte später in seinem Gehabe vielfach an Doohan, er blieb ein Eigenbrötler, auch er konnte nicht aus seiner Haut raus, er wollte kein Schauspieler sein, sondern nur Rennfahrer. ​Und wunderte sich gleichzeitig über die Beliebtheit von Rossi bei Fans und Journalisten.

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