Young Rider Trophy bietet Nachwuchs-Plattform

Von Manfred John
Rundstrecke
Chloé Battu fährt mit

Chloé Battu fährt mit

Deutsche Piloten sind auf dem internationalen Parkett mit den Jahren Mangelware geworden. Neueinsteiger in den GP-Sport sind vorerst nicht in Sicht. Die Moto Trophy bietet Chancen aus der Misere.

Dass deutsche Fahrer im Motorrad-GP mittlerweile Seltenheitswert haben, ist spätestens seit der letztjährigen Saison auch dem letzten Fan bekannt. Mit Marcel Schrötter als letztem verbliebenen permanenten Fahrer in der Weltmeisterschaft erreichte der Motorrad-Rennsport einen traurigen Tiefpunkt. Da schönte der als Marquez-Ersatz in aller Eile vom Honda-Test- zum Einsatzfahrer beförderte Stefan Bradl nur durch Zufall die Bilanz, obwohl sich der Bayer äußerst wacker in der prestigeträchtige Moto GP-Klasse schlug. Doch wo sind die Zeiten, als beispielsweise sein Vater zusammen mit den vielen anderen deutschen Fahrern um Grand-Prix-Siege kämpften und Weltmeistertitel errangen?

Auch für die kommende Saison ist keine Besserung in Sicht. Im Gegenteil, der Einsatz von Bradl hängt von der Genesung des spanischen Superstar Marquez ab. Bradl soll als Testfahrer mit seinem reichen Erfahrungsschatz die GP-Hondas weiterentwickeln. Somit bleibt Schrötter als letzter verbliebener schwarz-rot-goldener Pilot in der Weltmeisterschaft den deutschen Fans erhalten. Ironischerweise hat in Deutschland der GP-Sport das Teilnehmerniveau von motorsportlichen Entwicklungsländern wie Indonesien oder Argentinien erreicht. Selbst die Schweiz, die nicht einmal eine Rennstrecke besitzt und ihre nationale Meisterschaft auf ausländischen Strecken austrägt, stellt mehr Fahrer bei den Weltmeisterschaftsläufen. Dies zu ändern, bedarf gravierender Eingriffe in vielen Bereichen des Sports bei uns. Angesichts der bestehenden Strukturen des Motor- und Motorradsports in Deutschland mit ihren verschachtelten Organen erscheint dies unwahrscheinlich. Wer will schon seinen Funktionärsposten mit allen Privilegien aufgeben?

Innerhalb des verbandsorganisierten Motorradsports haben sich Organisatoren der Moto-Trophy einen Freiraum geschaffen, der sich die Durchführung des Breitensports besonders für Fahrer mit schmalem Geldbeutel auf die Fahnen geschrieben hat. Außerdem bieten die Macher den jüngsten Einsteigern zusätzliche Trainingsmöglichkeiten unter Rennbedingungen. Der Lichtblick heißt Young Rider Trophy. Gleich drei Nachwuchsserien wird es für die jüngsten Piloten ab 12 Jahren geben, die in die erfolgreiche Veranstaltungsserie integriert sind: Moto 3/Pre Moto 3, Supersport 300 und die Honda Talent Challenge. Bei insgesamt acht Veranstaltungen und zwei Trainingsevents vor der Saison können sich die jugendlichen Piloten auf den Rennstrecken in Deutschland und den benachbarten europäischen Ländern messen, die alle unter dem internationalen Regelwerk der FIM ablaufen.

Grundidee ist es, den Fahrer zusätzliche Fahrzeit unter Rennbedingungen zu ermöglichen. Das Format bei den Veranstaltungen umfasst jeweils drei Trainingssitzungen und zwei Rennläufe an einem Wochenende. Während in Deutschland, wie in den meisten benachbarten Ländern auch, überhaupt keine Moto 3-Klasse ausgeschrieben ist, haben wenigstens die Fahrer der Supersport 300 in unserem Land bei den IDM-Läufen eine Startgelegenheit. Ansonsten bleibt den Moto 3-Fahrern nur der aufwendige, zeitintensive und teure Weg nach Spanien in die Hochburg des Motorradsports.

Erfreulicherweise hat der weltgrößte Motorradhersteller Honda mit seiner Talentserie die Einstiegsklasse bei den Events der Moto Trophy angesiedelt. Damit die Fahrer und vor allem die Helfer nicht alleine gelassen werden, kümmert sich Hondas HRC-Mann für den Rennsport, Adi Stadler, um die Fahrer. Dem ehemaligen GP-Piloten ist der Aufstieg für die allerjüngsten Fahrern aus dem Mini-Bike Cup besonders wichtig. Dort erlernen die Kids im Kindesalter die ersten Schritte mit der Honda NSF 100 im Rennsport auf den Kartkursen. Zusammen mit Reifenpartner Dunlop fördert man den Aufstieg in die Honda Talent Challenge auf die NSF 250 R mit den Grundlagen für die weitere motorsportliche Entwicklung.

In der Young Rider Trophy starten die Honda Piloten zusammen mit den Piloten der KTM RC 250 R Cup-Rennmaschinen in einer Klasse, aber mit getrennter Wertung. Leistungsmäßig sind die beiden für den Rennsport-Nachwuchs konzipierten Rennmotorrädern in aller Welt ziemlich nah beieinander. Das zeigten die Ergebnisse bei den wenigen durchgeführten Rennen der Moto Trophy der vergangenen Saison, die fahrerischen Qualitäten gaben den Ausschlag über Sieg und Platzierung.

Besser sieht es dagegen in der Supersport 300-Klasse aus. Dort sind grundsätzlich alle Serien-Sportmotorräder der vorwiegend japanischen Hersteller in der Klasse erlaubt. Besonders erfolgversprechend in der Vergangenheit war die Kawasaki Ninja 400. Dennoch kämpft auch die Yamaha R3 aus dem Markencup oder auch die KTM RC 390 um die Plätze mit. Auch für diese Fahrer und Teams ist Platz bei den Events der Moto Trophy, die in der Wertung der Young Rider starten und damit zusätzliche Startgelegenheiten haben.

Damit ist wenigstens ein zusätzliches Puzzleteil in dem großen Bild des deutschen Motorrad-Rennsports gelegt. Nun muss nur noch Corona mitspielen, damit die Saison wunschgemäß beginnen kann. Weitere Details über die Nachwuchsserien und die weiteren Klassen der Moto Trophy sind auf der Homepage unter www.klassik-motorsport.com oder www.honda-talent.com zu erfahren.

Termine 2021 (vorbehaltlich den Corona-Bestimmungen)

6. März Roll-Out, Auftakttraining Hockenheim
01. - 04. April Italian Moto Classico, Adria Raceway
23. - 25. April Moto Trophy, DEKRA Lausitzring
07. - 09. Mai Sachsenring Klassik, Sachsenring
28 .- 30. Mai Mai Pokal, Motodrom Hockenheim
11. - 13. Juni Odenwald Klassik, Flugplatz Walldürn
02. - 04. Juli Dutch Moto Classic, Circuit van Drenthe Assen
23. - 25. Juli Börde Klassik, Motorsport Arena, Oschersleben
13. - 15. August Czech Moto Classic, Autodrom Most
28. - 29. August Luxemburg Moto Classic, Circuit Goodyear
18. - 19. September Frohburger Dreieckrennen, Frohburg

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