Erik Gundersen: Der kleine Gigant überlebte nur knapp

Von Manuel Wüst
Im Dezember blicken wir in Form eines Adventskalenders auf 100 Jahre Speedwaysport zurück. Heute dreht sich alles um Erik Gundersen, der Speedway- und sogar Langbahnweltmeister wurde.

Fünf Einzel- und sage und schreibe zwölf Weltmeistertitel mit Dänemark errang Erik Gundersen in seiner aktiven Laufbahn, die in einem fürchterlichen Crash Ende der 1980er-Jahre ein jähes Ende nahm. Inspiriert wurde er von Ole Olsen.

«1975 war ich im Wembley-Stadion, um zu sehen, wie Ole seinen zweiten Titel gewann. Ich saß dort oben im Stadion mit 92.000 Menschen und habe mir dieses Drama mit 16 Fahrern unter Flutlicht angesehen. Die Atmosphäre im Stadion war unglaublich. Ich dachte nur: ‚Wenn ich das einmal ausprobieren könnte, wäre ich glücklich’.»

Im Jahr 1981 war Erik Gundersen dann selbst beim Weltfinale in Wembley dabei und stand mit seinem Idol Ole Olsen im Line-up. Trotz aller Aufregung schaffte Gundersen Historisches. «Das war die größte Erfahrung, die ich je gemacht habe. Es war eine unglaubliche Atmosphäre, und es war unfassbar, mit 21 Jahren dabei zu sein», erinnerte sich der heute 64-Jährige. «Es war das letzte Weltfinale dort. Obwohl ich viele Bahnrekorde auf der ganzen Welt aufgestellt habe und viele davon seitdem gebrochen wurden, halte ich immer noch den in Wembley mit 66,8 Sekunden.»

Damals kostete ein Ausfall im ersten Lauf Gundersen den möglichen WM-Titel und eine Medaille, die 1984 folgen sollte. Mit Ole Olsen in der Box gewann Erik seinen ersten von drei Weltmeistertiteln auf der Speedwaybahn und im gleichen Jahr auch die Team-Weltmeisterschaft mit Dänemark, die Dänische Meisterschaft und obendrein noch die Langbahn-WM. Mit dem WM-Titel von Erik Gundersen begann auch die Rivalität mit Hans Nielsen, die beide Athleten besser machte, wie Gundersen betont. «Sie hat in vielerlei Hinsicht das Beste aus uns herausgeholt. Wir hatten unterschiedliche Denk- und Vorgehensweisen – sowohl auf als auch abseits der Bahn.»

Die Rivalität gipfelte 1988 im ersten Weltfinale auf dänischem Boden in Vojens, in dem die beiden Kontrahenten, die zu diesem Zeitpunkt bereits beide zweimal Weltmeister waren, in einem Stechen um den Titel am Band standen. «Nachdem Hans 1986 und 1987 gewann, hatten wir beide die Chance, die drei Siege von Ole an diesem Abend zu erreichen. Ich hatte das Glück, bei diesem Rennen als Sieger hervorzugehen, und es war ein großer Tag für den dänischen Speedwaysport. Es war das erste Mal, dass das Einzel-Weltfinale in Dänemark stattfand. Normalerweise fand es in Göteborg, Chorzow oder Wembley statt», blickte Gundersen zurück. «Das Stadion in Vojens war ausverkauft und es war großartig auf dem Podium zu stehen und zum Weltmeister gekrönt zu werden – es war unwirklich.»

Die erfolgreiche Karriere des Dänen wäre wohl auch in den 1990ern weitergegangen, wäre da nicht der verhängnisvolle 17. September im Jahr 1989 gewesen. Wenige Wochen vor Eriks 30. Geburtstag kostete ein Sturz im Team-WM-Finale in Bradford den Dänen beinahe das Leben. Im ersten Lauf gingen alle vier Fahrer in einem Horrorunfall zu Boden und Gundersen blieb reglos liegen. Für alle Gestürzten war das Rennen beendet, für Gundersen auch die Karriere. Die Ärzte kämpften um das Leben des damals 29-Jährigen, der nach drei Tagen aus dem Koma erwachte. Wegen der erlittenen Rückenmarksverletzungen im Genick kann Gundersen seit damals nicht mehr richtig laufen, hat es aber teilweise wieder erlernt.

Nach seinem Karriereende wechselte Erik ins Trainerlager und gibt seine Erfahrung, auch auf der Langbahn, an junge Athleten weiter.

Die Erfolge von Erik Gundersen:

Einzeltitel:

Speedway-Weltmeister: 1984, 1985, 1988
Langbahn-Weltmeister: 1984, 1986
Dänischer Meister: 1983, 1984, 1985, 1986, 1989

Mannschaftserfolge:
Team-Weltmeister: 1981, 1983, 1984, 1985, 1986, 1987, 1988
Paar-Weltmeister: 1985, 1986, 1987, 1988, 1989


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