Das Erfolgsrezept von Gundersen und Pedersen

Von Jan Sievers
Pedersen (li.) und Andersen sorgen für Gesprächsstoff

Pedersen (li.) und Andersen sorgen für Gesprächsstoff

Die Professionalität des dänischen Speedwaysports ist faszinierend. Kaum eine Nation hat so eine Menge an Weltklassefahrern wie Deutschlands nördliches Nachbarland.

Die Dänen können auf eine lange Tradition erfolgreicher Speedwayfahrer zurückblicken. Nach den 1970ern, in den Ole Olsen alleine drei WM-Titel holte, folgten die 80er, die für die Konkurrenz ernüchternd waren. Die Frage lautete damals nicht wer Weltmeister wird, sondern welcher Däne wird Weltmeister? Hans Nielsen und Erik Gundersen wechselten sich ab – im Jahr 1991 kam Jan O. Pedersen dazu.

1995 wurde Hans Nielsen zum letzten Mal Einzelweltmeister, danach folgte eine verhältnismässig lange Durststrecke für die Dänen. Nicki Pedersen setzte die Erfolgsserie 2003 fort und spätestens von da an erlebte Speedway in Dänemark eine Renaissance, nicht nur sportlich, sondern auch in der Öffentlichkeit. Montagmorgens auf der Arbeit weiss so gut wie die ganze Belegschaft, welches Problem Nicki Pedersen mit Hans Andersen schon wieder hatte.

Bereits sieben Mal wurde der Grand Prix von Dänemark im Nationalstadion Parken in Kopenhagen ausgetragen. Doch auch die 28.000 Mann Arena ist mittlerweile nicht mehr genug, um den Hunger nach Weltklasse-Speedway der Dänen zu stillen. Im August findet nach 7-jähriger-Abstinenz im Speedway Center Vojens der zweite Grand Prix des Jahres auf dänischem Boden statt.

Grundstein des sportlichen Erfolgs ist die Nachwuchsarbeit, die in Europa ihresgleichen sucht. Bereits ab 6 Jahren haben die Kids auf Microbikes die Möglichkeit, sich regelmässig gegen Gleichaltrige zu behaupten. Alleine bei den PW 50 gibt es vier Divisionen, die einen Ligabetrieb veranstalten. Über die 80-ccm-Klasse kommen die dänischen Jungs ins harte Geschäft auf 500-ccm-Maschinen und haben bereits dann ein Erfahrungspotential, das andere in diesem Alter kaum erreichen können.
Wer in Deutschland nicht selbst den Weg á la Hefenbrock geht, der clevererweise bereits in frühen Jahren die Rennen im Ausland suchte, steht international schnell auf verlorenem Posten.

Aber nicht nur die infrastrukturellen Vorraussetzungen sind ideal. Auch die dänische Mentalität ist ein grosser Vorteil. In einem dänischen Fahrerlager ist deutlich zu erkennen, dass alle Beteiligten wegen derselben Sache da sind – weil sie den Sport lieben. Hilfsbereitschaft ist kein Fremdwort, sondern Alltag.

Auch das Personal, das sich um die Belange des Sports kümmert, gehört zum Besten. Jan Staechmann, früher selbst erfolgreicher Profi, ist der Chef der dänischen Nationalmannschaft, die im vergangenen Jahr zum 13. Mal Weltmeister wurde. Staechmann ist ein besonnener Mann, der es ideal versteht eine Truppe von fünf Einzelkämpfern zu einer Einheit zu formen. Die Redewendung: «We are red, we are white, we are danish dynamite», ist nicht nur ein Spruch, sondern Programm. Der Zusammenhalt der Dänen ist einzigartig.

Ein besonderer Ansporn für die Kinder ab 6 Jahren ist der Jugendtrainer. Es ist niemand anderes als der dreifache Weltmeister Erik Gundersen. Sein Erfahrungsschatz, und seine Art den Kindern diesen zu vermitteln, ist auch weltmeisterlich.

Die dänische Speedway-Nationalmannschaft gehört zum Team Danmark, eine Art Verbund von Nationalteams vieler Sportarten, die sich zur Aufgabe gemacht haben, den Spitzensport zu fördern. Das Budget, das zur Verfügung steht, ist nicht unerheblich. Die Rechnung sieht einfach aus und scheint für die Dänen aufzugehen. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 143 Millionen dänische Kronen in 34 verschiedene Sportarten investiert. Das Geld stammt hauptsächlich aus Lotterieeinnahmen und Sponsorengeldern. Den Ausgaben stehen unbezahlbare sportliche Erfolge gegenüber: 7 Olympische-, 14 WM- sowie 40 EM-Medaillen.

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