Rückblende: Vor 20 Jahren – die Sportwagensaison 1994

Von Oliver Runschke
Sportwagen
Porsche bringt den ACO mit einer Regelcoup zur Weissglut und siegt in Le Mans, die BPR-Serie sorgt für den Aufschwung der GT-Klasse und die neuen World Sports Car feiern Premiere: Die Sportwagensaison 1994.

Was passierte im Sportwagen- und GT-Sport vor 20 Jahren? Hier ein Rückblick auf die Saison 1994.

24h Le Mans:

Le Mans hatte 1994 mal wieder eines dieser Übergangsjahre. Die Gruppe C liegt längst auf dem Sterbebett und die wieder aufstrebende GT-Klasse ist noch ein zartes Pflänzchen. Porsche wittert die Chance auf einen weiteren Le-Mans-Sieg mit überschaubarem Aufwand und bringt damit die Regelhüter des Veranstalters ACO zur Weissglut. Die Schwaben starten mit zwei Dauer 962 GT. Dauer Racing-Boss Jochen Dauer hatte den exotischen Strassensportwagen, nichts anderes als ein Gruppe C-Porsche 962 mit Nummernschild, im Jahr zuvor auf der IAA in Frankfurt vorgestellt. Porsche kümmerte sich um die Strassenzulassung des 962 und den Segen des TÜVs. Der ACO war gegen den Schachzug einen verkappten Gruppe C-Renner in der GT-Klasse laufen zu lassen machtlos, liess den Porsche aber nur mit der Massgabe zu, dass dieses Auto in Le Mans bitteschön nie wieder auftaucht. 

Lange sieht es so aus, als würden die von Joest Racing unter dem Banner Le Mans Porsche Team eingesetzten Dauer-Porsche das selbst auferlegte Ziel vom Klassensieg schaffen, aber am Gesamtsieg scheitern. Der SARD-Toyota 94C-V lag 97 Minuten vor dem Rennende mit einer Runde in Führung, als ein Getriebeproblem zwei Runden kostete und so Mauro Baldi, Yannick Dalmas und Hurley Haywood im Porsche siegte. Das Toyota-Trio landete auf Rang zwei vor dem zweiten Dauer-Porsche mit Hans-Joachim Stuck, Thierry Boutsen und Danny Sullivan. Ein weitere Toyota 94C-V von Trust landete mit Fouché/Andsgar/Wollek auf Rang vier vor dem Daytona und Sebring-Sieger-Nissan 300ZX mit Steve Millen, Johnny O´Connell und John Morton.

BPR Global GT Series

Drei Männer gründeten 1994 eine Serie, die in den kommenden Jahren den europäischen GT-Sport zu neuer Blüte treiben sollte. Jürgen Barth, Porsche-Kundensportbetreuer, Patrick Peter, Organisator der Tour de France für historische Automobile und Stéphane Ratel, Promoter des Venturi-Markenpokals, gründeten die BPR-Serie (Barth-Peter-Ratel). Gefahren wurde in vier Klassen, beim ersten Rennen in Le Castellet stehen fast ausschliesslich Porsche und Venturi am Start. Der Sieg ging an Bob Wollek, Jean-Pierre Jarier und Jesus Pareja in einen von Larbre eingesetzten Porsche 911 Turbo S LM GT, dem Werksautos aus Le Mans 1993. 

Der Larbre-Porsche mit Motor aus dem Gruppe C-Porsche, der nicht bei allen Läufen startet, siegt auch beim zweiten Rennen in Jarama und beim vorletzten Lauf in Suzuka. Venturi holt mit dem 600LM drei Laufsiege, in Vallelunga siegt ein Ferrari F40. Beim Finale schreibt die BPR-Serie ein Stück Motorsportgeschichte: Der letzte Lauf wird auf einem Stadtkurs in Zhuhai ausgetragen, es ist das erste internationale Autorennen in China. Der Sieg geht an den Larbre-Porsche, diesmal mit Wollek/Jarier und Jacques Laffite. Eine Gesamtwertung gibt es im ersten Jahr der BPR noch nicht

Aus der BPR-Serie wird 1997 die FIA-GT-Meisterschaft, 2010 die GT1-WM, 2013 die FIA GT Series und 2014 die Blancpain Sprint Series.

IMSA:

In Nordamerika begann eine neue Ära an: Die Gruppe-C-ähnlichen GTP-Boliden waren ausgemustert, die neue Epoche der World Sports Cars brach an. Die WSC, das waren offene Zweisitzer mit grossvolumigen Saugmotoren, Turbos waren im ersten Jahr aussen vor. In ihrer ersten Saison präsentierten sich in der Klasse eher Bastelbuden: Viele bisherige GTP wurden skalpiert und rannten fortan als WSC. Bei den «36 Stunden von Florida», den beiden ersten Saisonrennen in Daytona und Sebring, waren die WSC noch zu unzuverlässig um zu siegen. Nissan räumt mit dem Rohrrahmen-300ZX von Cunningham Racing aus der GT-Klasse ab. Pruett/Leitzinger/Gentilozzi/Millen siegten in Daytona, Morton/O´Connell/Millen in Sebring.

Beim dritten Rennen Lauf in Road Atlanta stand der erste für die neue Klasse gebaute Sportwagen am Start: Der Ferrari 333SP. Auf Betrieben von Gianpierro Moretti («Momo») baute Ferrari den Sportwagen, der allerdings nicht in Maranello, sondern bei Dallara gebaut wurde. Vier 333SP starteten in der IMSA, gleich beim Debütrennen siegte Jay Cochran. Vier weitere Siege in Serie sollten folgen, ehe ein Spice-Oldsmobile die beiden letzten Rennen gewann. Der Titel ging an Wayne Taylor in einem Kudzu-Mazda. Taylor holte zwar keinen einzigen Laufsieg, punktete aber beständig bei allen Läufen. 

ADAC GT Cup

In Deutschland geht der ADAC GT Cup in seine zweite Saison. Die BMW-Teams Warthofer und Isert sind mit den M3 GTR nicht mehr dabei und starten in der neuen STW-Meisterschaft, um die Sieg kämpfen nun die Porsche 964 RSR 3.8 mit den neuen, von Thompson in England gebauten und von Kremer Racing eingesetzten Honda NSX. Dazu liefern die Audi-Coupés von Abt und Hohenester immer stärkere Konkurrenz. 

Porsche-Pilot Ralf Kelleners gewinnt im Roock-Porsche RSR drei der ersten vier Rennen und legt damit den Grundstein zum Titelgewinn. Uwe Alzen (Porsche) und Jürgen Hohenester (Audi) holen jeweils einen Laufsieg. Nachdem Honda in der zweiten Saisonhälfte eine bessere Einstufung bekam – BOP gab es schon vor 20 Jahren, nur hiess sie damals anders – holte Armin Hahne im NSX drei Laufsiege.

Und sonst?

Bernd Mayländer gewinnt den Porsche Carrera Cup vor Harald Grohs, der Titel im internationalen Porsche Supercup geht an Uwe Alzen vor Emanuel Collard. Bei den 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring und Spa haben GT-Fahrzeuge nun auf absehbare Zeit nichts mehr zu melden. Spa wendet sich Tourenwagen zu, auf dem Nürburgring fahren seriennahe Gruppe-N-Fahrzeuge um den Sieg.

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