SMR Superstock 1000: Entscheidung fällt in Brünn

Von Andreas Gemeinhardt
Strassen-SM STK 1000
Marc Wildisen

Marc Wildisen

Dank seiner beiden Siege in Hockenheim bewahrte sich Marc Wildisen die Titelchance in der Kategorie Swiss Moto Racing Superstock 1000.

Die Topklasse der Schweizer Strassen-Meisterschaft trat zum vorletzten Event der Saison 2012 auf dem Hockenheimring arg dezimiert an.

Gesamtleader und Vorjahresmeister Horst Saiger (Kawasaki) war in Le Mans beim Endurance-WM-Finale mit dem Team Bolliger-Kawasaki beschäftigt. Peter Hiltbrunner hatte seine BMW S 1000 RR bei Stürzen mehrfach stark beschädigt. Seit dem Totalschaden von Dijon ist die Kasse leer. Hiltbrunner beendete die Saison vorzeitig. SMR-Urgestein Christian Künzi (Kawasaki) musste aufgrund einer langwierigen Verletzung an der Hand passen, wird auch in Brünn nicht dabei sein können und denkt laut über einen endgültigen Rücktritt nach.

Der in Genf lebende Türke Orhan Yakut (Kawasaki) fällt nach den Fussgelenksbrüchen vom Sturz in Most ebenfalls für den Rest der Saison aus. Yamaha-Pilot Jacques Schmid ist nach einer enttäuschend verlaufenen Saison mit seiner YZF-R1 in die Moto1-Kategorie abgewandert. Auch Ex-Superstock-Meister Thomas Flückiger stand trotz vorheriger Ankündigung nicht am Start. Der Ducati-Panigale-Pilot wollte erstmals in diesem Jahr in der Topklasse mitfahren, doch nach einem Motorschaden im freien Training am Freitag packte Flückiger wieder zusammen und reiste in die Schweiz zurück.

Nach dem Start zum ersten Rennen führte Lorenz Sennhauser (BMW) vor seinem Teamkollegen Chris Burri (BMW) und Marc Wildisen (BMW). Das Führungstrio blieb dicht beisammen, doch in der fünften Runde kam, was kommen musste: Burri und Wildisen kamen sich ins Gehege, Burri musste ausweichen und torpedierte zuerst den führenden Sennhauser, dann Wildisen. Burri und Sennhauser stürzten, während sich Wildisen mit viel Glück im Sattel halten konnte. «Ich war beim Anbremsen der folgenden Rechtskurve innen, Wildisen hat plötzlich von aussen vor mein Vorderrad reingezogen, ich musste die Bremse wieder lösen und ausweichen, aber da war halt Lorenz», ärgerte sich Burri.

«Burri war vielleicht etwas zu spät auf der Bremse. Dann ist er zuerst mit Sennhauser aneinander geraten, danach mit mir», wehrte sich Wildisen, der das Rennen nach dem Zwischenfall überlegen gewann. Sennhauser und Burri konnten nach den Stürzen beide weiterfahren, doch Wildisen war längst über alle Berge. «Ich hatte nur noch den dritten und vierten Gang, weil die Schaltung defekt war», klagte Burri.

Das zweite Rennen verlief weniger turbulent. Wildisen gelang der beste Start und er legte sofort einige Meter Distanz zwischen sich, Sennhauser und Burri und siegte am Ende deutlich. «Ich musste konzentriert bleiben, als ich vorne lag», sagte Wildisen im Ziel. «Ich wusste, dass ich Lorenz nicht sofort abschütteln kann, aber ich durfte ihn nicht auf Schlagdistanz herankommen lassen. Aber mir unterlief trotzdem ein dummer Fehler. Ich habe später unter gelber Flagge einen Überrundeten überholt, aber ich habe das eine Kurve danach sofort wieder korrigiert und ihn wieder vorbeigelassen. Aber wichtig ist nur eines: Mit den beiden Siegen habe ich das Ziel erreicht, meine Titelchancen sind intakt.»

Der Trainingsschnellste Chris Burri hatte erneut kein Glück: «Ich habe den falschen Reifen gewählt, bei Halbzeit war er völlig hinüber. Ich musste am Schluss sogar noch den Gastpiloten Eric Vionnet vorbei lassen und wurde lediglich Vierter. Jetzt kann ich nur hoffen, dass ich in Brünn weniger Pech habe und bis zum Schluss ganz vorne mithalten kann.» Sennhauser war hingegen mit dem zweiten Platz zufrieden: «Angesichts der Ereignisse im ersten Lauf war das okay, das war für mich ein Sicherheitslauf auf hohem Niveau, denn die Lücke zu Wildisen hätte ich nur mit sehr viel Risiko zufahren können.»

Für Hochspannung beim Finale in Brünn ist also gesorgt. Die beiden Rennen am 29. und 30. September könnten echte Knüller werden. Die Ausgangslage: Wenn Wildisen zwei Mal gewinnt und Saiger zwei Mal Zweiter wird, erreichen beide exakt die gleiche Punkteausbeute, aber Saiger ist dann dank der besseren Einzelplatzierungen Meister. Wildisen muss also auf Schützenhilfe seiner BMW-Markenkollegen hoffen. Konkret: Burri, Sennhauser oder ein anderer Pilot muss zumindest einmal vor Saiger ins Ziel kommen, sofern Wildisen tatsächlich beide Rennen gewinnt.

Swiss Moto Racing - Superstock 1000 - Stand nach 12 von 14 Rennen:
1. Horst Saiger (LIE/Kawasaki) 226 Punkte. 2. Marc Wildisen (CH/BMW) 225. 3. Lorenz Sennhauser (CH/BMW) 168. 4. Chris Burri (CH/BMW) 157. 5. Cédric Golliard (CH/Kawasaki) 118. 6. Peter Hiltbrunner (CH/BMW) 92. 7. Christian Künzi (CH/Kawasaki) 87. 8. Heinz Neuhaus (CH/Honda) 75. 9. Orhan Yakut (TK/Kawasaki) 59. 10. Jaques Schmid (CH/Yamaha) 46. 11. Sergij Grygorovych (UA/BMW) 10. 12. Thomas Pernersdorfer (A/Kawasaki) 8. Quelle: http://www.swiss-moto-racing.ch

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