Die Supermoto-WM ist für unsere Fahrer unwichtig

Kolumne von Markus Niegtsch
Supermoto-S1-WM
Für Lukas Höllbacher genießen Supermoto-ÖM und -DM Vorrang

Für Lukas Höllbacher genießen Supermoto-ÖM und -DM Vorrang

Kaum ein deutschsprachiger Fahrer verirrt sich in die Supermoto-WM. SPEEDWEEK.com betrieb Ursachenforschung.

Am 3. Dezember veröffentlichte der Motorrad-Weltverband FIM den Kalender für die Supermoto-WM 2014 – mit neun Veranstaltungen. Sieben Wochen später, am 22. Januar, veröffentlichte der ADAC Saarland den Terminkalender für die Supermoto-DM mit insgesamt sechs Veranstaltungen. Drei beziehungsweise vier der sechs Veranstaltungen überschneiden sich mit einem WM-Lauf. Wie kam es dazu und was sind die Konsequenzen?

Ist Ignoranz, fehlender Wille, Unflexibilität oder gar eine Fehleinschätzung der eigenen Position der Grund für die Terminkollisionen? Otto Normalverbraucher geht von einigen Grundsätzen wie «wer zuerst kommt mahlt zuerst», «die DM muss sich nach der WM richten» oder «es ist das Ziel eines Landes, nationale Fahrer in der WM zu sehen» aus. Aber ist dem wirklich so? Können diese Grundsätze so einfach auf nationale beziehungsweise internationale Sportbehörden und Organisatoren übertragen werden?

Sicherlich kann man nicht erwarten, dass die FIM und WM-Promoter BPROM, die ihren Kalender als Erste veröffentlicht haben, nach sieben Wochen versuchen drei internationale Veranstaltungen zu verlegen. Für den Fall, dass ein Termin geplant war aber noch nicht endgültig beschlossen, könnte es möglich sein, einen Alternativtermin der nicht mit der DM kollidiert zu finden. Aber bei drei Terminkollisionen ist das nahezu unmöglich. Zumal dies bedingen würde, dass ein Termin gefunden wird, an dem andere nationale Meisterschaften wie die Italienische, Französische, Tschechische oder Österreichische kein Rennen hat, die Anreise vom letzten Rennen zum geplanten Veranstaltungsort zeitlich möglich ist und gleichzeitig der geplante Ort an dem Termin auch noch kann.

Erfahrungsgemäß zeigt sich die Quadratur des Kreises als eine weniger anspruchsvolle Aufgabe. «Die Termine der Supermoto-Weltmeisterschaft haben sich nicht geändert. Es ist nicht unser Fehler, dass die Termine der deutschen Supermoto-Meisterschaft, die zwei Monate nach unserem Kalender veröffentlicht wurde, Kollisionen mit Weltmeisterschaftsrennen aufweisen. Vielleicht sollte man die deutschen Verantwortlichen fragen, warum sie das gemacht haben», bezieht BPROM-Chef Danilo Boccadolce klar Position und schiebt den schwarzen Peter dem ADAC Saarland zu.

Hiemer und Höllbacher trifft es hart

Nach den Hintergründen für diese Entscheidungen befragt, gibt Günter Jung vom ADAC Saarland Auskunft: «Wir müssen eine nationale Meisterschaft organisieren, bei der wir auch darauf achten müssen, dass wir eine entsprechende Anzahl an Startern die Möglichkeit bieten sich einzuschreiben. Wir sind in diesem Jahr ganz klar spät dran mit der Terminveröffentlichung. Die Gründe sind aber die, dass wir bewusst Terminkollisionen mit anderen nationalen Meisterschaften, aus denen Fahrer bei uns antreten, aus dem Weg gegangen sind. Hierbei spreche ich konkret von der Österreichischen Meisterschaft, der Holländischen und der Belgischen Meisterschaft. Die WM-Termine haben bei uns in diesem Jahr nur dritte Priorität.»

Eine Argumentation, die zwar schmerzt, aber vor dem Hintergrund eines zumindest halbwegs gefüllten Startfeldes nachvollziehbar ist. «Uns ist klar, dass es Fahrer wie Bernd Hiemer und Lukas Höllbacher, die WM fahren wollen, hart trifft, aber es ist leider nicht anders möglich. Wir haben bis zuletzt alles Mögliche versucht, um Alternativtermine zu finden, die weder mit der ÖM und WM kollidieren und an denen Strecken verfügbar gewesen wären. Leider erfolglos», räumt der ADAC ein.

Die Situation, dass in Deutschland ein WM-Lauf stattfindet, ist einerseits schön für die Fans, verschärft aber andererseits die Situation für die Fahrer, da es seitens der FIM eine Regelung gibt, die einen Doppelstart verbietet, um sich keine Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. «Diese Regelung gab es beim letzten WM-Lauf in St. Wendel noch nicht. Aber wir haben sowohl beim DMSB als auch bei der FIM einen Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung gestellt und sind guter Dinge, dass sie erteilt wird. In anderen Ländern wie zum Beispiel Frankreich ist dies auch schon geschehen. Wir brauchen dazu eine Entscheidung in den nächsten vier Wochen», bekam SPEEDWEEK.com von Jung Einblick in den aktuellen Stand der Dinge. «Der Terminplan für St. Wendel steht noch nicht abschließend. Wir werden so spät wie möglich und so früh wie nötig mit der Veranstaltung beginnen. Wir haben von BPROM die Zusage, dass wir auch am Sonntag Rennen der S-Klassen haben werden. Das war für uns in den Verhandlungen ein wichtiger Punkt. Aus aktueller Sicht werden die S-Klassen am Freitag, Samstag und Sonntag zu sehen sein. Falls es nötig wäre, würden ein Teil der Amateurtrainings und -rennen am Himmelfahrts-Donnerstag stattfinden.»

Der Fahrer ist das schwächste Glied

Was bedeutet das jetzt aber für Fahrer wie Lukas Höllbacher und Bernd Hiemer oder auch den Niederländer van Sikkelerus, die eine komplette WM-Saison bestreiten wollten? Lege ich den Fokus auf die nationale(n) Meisterschaft(en) oder eher auf die WM? Bei Lukas Höllbacher kommt das Geld von Husqvarna aus Österreich, das von den Michelin Reifenwerken aus Deutschland. Die Sponsoren erwarten einen Start in den beiden nationalen Meisterschaften.

Genauso wie bei Bernd Hiemer aus dem Team KTM-Bauerschmidt. Ein Fokus auf der WM würde bedeuten, dass mindestens 50 Prozent der deutschen Termine und damit auch Präsenz wegfällt. Eine Situation, welche die nationalen Sponsoren nicht zwingend goutieren würden. Ebenso hieße das den Verzicht auf sämtliche Meisterschaftschancen in der DM. Macht es Sinn, Geld und Zeit in vereinzelte WM-Läufe zu investieren ohne reelle Chance auf eine gute Platzierung und mit der Gefahr unter Wert geschlagen zu werden? Und mit Resultaten, die nicht die wirkliche Leistungsfähigkeit darstellen, die Chancen auf internationale Unterstützung und die Teilnahme 2015 zu reduzieren, falls es dann einen fahrerfreundlicheren Terminkalender gibt? Eine Frage, die jeder Fahrer in Absprache mit seinem Team und seinen Sponsoren selbst beantworten muss.

Den letzten beißen die Hunde. Der Letzte in der Reihe und das schwächste Glied in der Kette ist der Fahrer.

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