US-Motocross 450

Roger DeCoster, 'The Man', wird 75 Jahre

Von - 28.08.2019 01:15

Er ist nicht nur einer der erfolgreichsten Motocrossfahrer der Geschichte, sondern bis heute der geniale Stratege hinter unzähligen Erfolgen. Was er anpackt, wird zu Gold. 'The Man' denkt noch lange nicht an Rente.

Heute, am 28. August, wird Roger DeCoster 75 Jahre alt. Der Belgier hat den Sport geprägt wie kaum eine andere Persönlichkeit. Und er prägt sie bis heute. Was 'The Man', wie DeCoster ehrfürchtig genannt wird, anpackt, wird zu Gold. Das galt in seiner aktiven Zeit und das gilt in gleichem Maße auch heute.

DeCoster war ein Spätstarter, doch er lernte schnell. Er begann erst mit 17 Jahren mit dem Racing, denn das Geld für seine erste 50 ccm Flandria musste er sich zunächst neben der Schule mit einem Job in einer Motorradwerkstatt erarbeiten. Er wurde prompt belgischer Meister und gewann 1964 im Alter von 19 Jahren die belgische Juniorenmeisterschaft.

Nachdem Paul Friedrichs mit dem ČZ-Zweitakter die Motocross-Welt revolutioniert hatte und zwischen 1966 und 1968 dreimal in Folge Weltmeister der 500ccm-Königsklasse geworden war, folgten ihm in den Jahren 1969 und 1970 der Schwede Bengt Aberg auf der Zweitakt-Husqvarna. Inspiriert durch die Erfolge Friedrichs setzte auch DeCoster zwischen 1966 und 1970 auf die tschechische Marke und fuhr in der 250er und 500er WM konstant in die Top-10.

1968 gewann er seinen ersten Grand-Prix. Den Status eines echten ČZ-Werksfahrers hatte aber bis dato nur sein belgischer Landsmann Joël Robert, der 1968 und 1969 in der 250er Klasse auf ČZ Weltmeister wurde.

1969 gewann DeCoster zum ersten Mal mit der belgischen Nationalmannschaft das Motocross der Nationen der damals noch separat ausgefahrenen 500er Klasse. Später kamen 5 weitere Mannschaftsweltmeistertitel hinzu.

ČZ-Werksfahrer Joël Robert wurde zunehmend unzufriedener mit seinem Bike. Vor allem an Zuverlässigkeit mangelte es dem Motorrad. Der Legende nach lud Robert seine Factory-Bikes wütend auf dem ČZ-Werksgelände in Strakonice ab und kündigte mit einem Paukenschlag seinen Werksvertrag. Augenzeugen wollen beobachtet haben, dass Robert seine Factory-Bikes fahrerlos gegen das Werkstor katapultiert hat mit den Worten: «Hier habt ihr euren Schrott zurück».

DeCoster war kein Hitzkopf wie Robert. Er blieb stets Gentleman und agierte in jeder auch noch so heiklen Situation souverän. Seine Hoffnung, dass er den Platz von Robert einnehmen und als ČZ -Werksfahrer in der WM bessere technische Unterstützung erhalten würde, erfüllte sich aber trotzdem nicht. Die Entwicklung stagnierte und so blieb der WM-Titel von Joël Robert aus dem Jahre 1969 bis heute auch der letzte Titelerfolg der tschechischen Marke, wenn man von dem Jahr 1974 absieht, als Jaroslav Falta der WM-Titel am grünen Tisch aberkannt wurde. Roberts Teamkollege, Sylvain Geboers, Zweiter der WM 1969, wechselte 1970 ebenfalls von ČZ zu Suzuki und wurde WM-Zweiter.

Nachdem also Robert und Geboers 1970 von ČZ zu Suzuki wechselten, erkannte DeCoster, dass er technisch ebenfalls ins Hintertreffen geriet und tat es seinen belgischen Landsleuten gleich. 1971, in seinem ersten Suzuki-Jahr, holte DeCoster mit der RN370 für die Japaner den ersten WM-Titel in der 500ccm Königsklasse. Es folgten zwei weitere 500er WM-Titel in den Jahren 1972 und 1973, womit er mit Paul Friedrichs gleichzog, der ebenfalls 3 WM-Titel in Folge gewonnen hatte. 1974 musste sich DeCoster nur dem Finnen Heikki Mikkola geschlagen geben und wurde Vizeweltmeister vor dem deutschen Maico-Piloten Adolf Weil. 1975 und 1976 wurde er noch zweimal in Folge Weltmeister und brachte es damit auf insgesamt 5 WM-Titel in der Königsklasse des Motocross - Rekord zur damaligen Zeit.

Mitte der 1970er Jahre wurde der Belgier auch in den USA zum Star, denn dort war der Sport noch weitgehend unbekannt. In der neu gegründeten 'Trans-AMA' Serie, traten die besten Amerikaner gegen die besten Europäer an. DeCoster gewann die Trans-AMA-Meisterschaften von 1974 bis 1977 viermal in Folge und wurde in den USA zum gefeierten Star.

1980 wechselte er von Suzuki zu Honda und wurde an der Seite von André Malherbe, der die 500er WM gewann, im Alter von 36 Jahren noch einmal Fünfter. DeCoster beendete seine aktive Karriere standesgemäß mit einem Sieg beim Großen Preis von Luxemburg.

Doch der umtriebige Belgier gab jetzt erst richtig Gas: Er arbeitete für Honda R&D (Forschung und Entwicklung) und verlagerte seinen Arbeits- und Lebensmittelpunkt nach Kalifornien. DeCoster wurde Team Manager für Team USA und holte mit der US-Mannschaft gleich im ersten Jahr, 1981, mit Donnie Hansen, Danny LaPorte, Johnny O'Mara und Chuck Sun in Bielstein die erste prestigeträchtige Chamberlain-Trophy für die Amerikaner! Danach gewannen die Amerikaner 12 Mal in Folge das Motocross der Nationen. Später kamen noch 9 weitere US-Siege dazu. DeCoster ist bis heute Teamchef der US-Nationalmannschaft.

1996 wechselte DeCoster als Team Manager von Honda zu Suzuki USA und gewann mit Greg Albertyn die 250ccm-AMA-Motocross-Meisterschaft und machte u.a. Ricky Carmichael und Chad Reed zu Champions. 2009 entdeckte er den jungen Ryan Dungey. 2010 gewann Dungey bereits auf Suzuki die AMA pro Motocross Championship der 450er Klasse.

2011 wurde Dungey auf Suzuki Zweiter hinter Ryan Villopoto. Doch Suzuki reduzierte sein Engagement und verlängerte DeCosters Vertrag nicht. KTM erkannte die Situation und bot ihm eine neue Aufgabe. Die Österreicher suchten den Erfolg in den USA und gaben DeCoster die Chance, etwas Großes aufzuziehen. Dungey folgte seinem Mentor. «Ich konnte mir die besten Spezialisten suchen und mit ihnen arbeiten», erinnert sich DeCoster. «Damals, während meiner Honda-Zeit Anfang der 1980er Jahre, war das ganz ähnlich. Aber KTM war ein viel kleineres Unternehmen als Honda. Mich haben die KTM-Leute überzeugt, weil sie die Leidenschaft und den Willen zum Erfolg hatten.»

Gleich in seinem ersten KTM-Jahr, 2012, schrieb DeCoster wieder einmal Geschichte und gewann mit Ryan Dungey für KTM erstmals die AMA Pro Motocross Championship in der 450er Königsklasse. Ein kleines aber pikantes Detail sagt viel über seine Arbeit aus: Ryan Dungey gewann vor Mike Alessi, der im gleichen Jahr ausgerechnet von KTM zu Suzuki wechselte. DeCoster und seine Fahrer siegten, egal mit welchem Bike.

Ein weiterer Meilenstein war der erste Gewinn der Supercross-WM für KTM im Jahre 2015 mit Ryan Dungey.

DeCoster war und ist bis heute ein genialer Stratege: Er erkannte das Talent des bis dahin glücklos agierenden Cooper Webb. Er formte den Rohdiamanten und Webb gewann 2019 prompt die Supercross-WM.

Als Team Manager betreute DeCoster auch Ken Roczen, der 2013 mit KTM in den USA die Supercross-Westküstenmeisterschaft und 2014 die US-Nationals in der 450er Klasse gewinnen konnte. Ein Blick zurück ist zwar immer auch Spekulation, aber möglicherweise wäre die sportliche Karriere von Roczen anders verlaufen, wenn er 2015 KTM und DeCoster nicht verlassen hätte, denn eines ist ganz sicher: DeCoster ist der Meistermacher schlechthin. Was er anpackt, wird zu Gold!

Wie denkt der 75-Jährige selbst über seine Zukunft? «Für mich ist die Arbeit kein Job. Es ist meine Leidenschaft und das, was ich auch sonst am liebsten mache. Warum sollte ich aufhören?»

In diesem Sinne wünschen wir im Namen der Leser von SPEEDWEEK.com Roger DeCoster noch sehr viele gute, aktive und gesunde Jahre im Motocross. Wir hatten schon viel Freude mit dem Fahrer DeCoster und freuen uns heute, dass es geniale Strategen wie ihn gibt, 'The Man' eben. Genau das hält den Sport lebendig!

Die größten sportlichen Erfolge von Roger DeCoster als Fahrer:
1966 - WM Rang 7, 250ccm (ČZ)
1967 - WM Rang 5, 500ccm (ČZ)
1968 - WM Rang 5, 500ccm (ČZ)
1969 - WM Rang 5, 500ccm (ČZ)
1970 - WM Rang 3, 250ccm (ČZ)
1970 - WM Rang 13, 500ccm (ČZ)
1971 - Weltmeister, 500ccm (Suzuki)
1972 - Weltmeister, 500ccm (Suzuki)
1973 - Weltmeister, 500ccm (Suzuki)
1974 - Vizeweltmeister, 500ccm (Suzuki)
1975 - Weltmeister, 500ccm (Suzuki)
1976 - Weltmeister, 500ccm (Suzuki)
1977 - Vizeweltmeister, 500ccm (Suzuki)
1978 - WM-Dritter, 500ccm (Suzuki)
1979 - WM-Rang 6, 500ccm (Suzuki)
1980 - WM-Rang 5, 500ccm (Honda)


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Roger DeCoster führte auch Ryan Dungey zum Erfolg © KTM Roger DeCoster führte auch Ryan Dungey zum Erfolg DeCosters ČZ von 1965 © Copyright-Free DeCosters ČZ von 1965 Roger DeCoster in seinen Anfangsjahren © Copyright-Free Roger DeCoster in seinen Anfangsjahren Roger DeCoster auf ČZ © Copyright-Free Roger DeCoster auf ČZ Roger DeCoster als Suzuki-Werksfahrer © Suzuki Roger DeCoster als Suzuki-Werksfahrer Die Suzuki von 1971, mit der DeCoster die 500er WM gewann © Copyright-Free Die Suzuki von 1971, mit der DeCoster die 500er WM gewann 1973 Weltmeister © Copyright-Free 1973 Weltmeister 2019 nach dem Gewinn der Supercross-WM in Las Vegas © KTM 2019 nach dem Gewinn der Supercross-WM in Las Vegas
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