Walkner (KTM): «Jeder hat täglich seine Black-outs»

Von Günther Wiesinger
Matthias Walkner auf der Rallye-KTM

Matthias Walkner auf der Rallye-KTM

«Jeder Topfahrer hat täglich seine drei, vier oder fünf Black-outs», sagt Matthias Walkner über die Dakar-Rallye. Über seinen Gesamtsieg 2018: «Ich hatte das Glück des Tüchtigen.»

Das Red Bull KTM-Werksteam hat bei der Dakar-Rallye seit 2001 (den ersten Sieg eroberte Fabrizio Meoni) alle Motorrad-Gesamtwertungen gewonnen, die ersten neun Erfolge wurden mit der KTM 690 errungen, danach folgten neun weitere Triumphe mit der KTM 450 Rallye, die heute ca. 75 PS leistet.

Von 1979 bis 2007 wurde die Dakar auf dem afrikanischen Kontinent durchgeführt, dann wurde sie 2008 wegen Terrorgefahr angesagt und 2009 erstmals in Südamerika abgewickelt.

KTM-Werksfahrer Matthias Walkner hat in den letzten drei Jahren bei der Dakar die Ränge 2, 1 und 3 erreicht. Sein australischer Teamkollege Toby Price gewann 2016 und 2019, der Brite Sam Sunderland siegte für Red Bull KTM im Jahr 2017. Auf diesen drei Rallye-Spezialisten ruhen auch 2020 die Hoffnungen von KTM.

Erstmals wird die Dakar nächstes Jahr in Saudiarabien ausgetragen. Der Deal mit dem Veranstalter geht vorläufig über fünf Jahre.

Matthias Walkner ist seit Jahren begeistert von der Schlagkraft, der Robustheit und der Standfestigkeit der 450-ccm-Einzylinder-Viertakt-KTM. «Unser Motorradl ist wirklich extrem robust», stellt der aus Kuchl stammende Salzburger fest. «Wenn es keinen Materialfehler gibt oder sich ein Mechaniker beim Zusammenbauen irgendwo vertan hat, dann ist unser Motorrad im wahrsten Sinne des Wortes unverwüstlich. Mein Mechaniker Tom leistet ausgezeichnete Arbeit, mein Motorrad hält unheimlich viel aus. Auch bei den Volllast-Abschnitten bei den Dünen, wenn du da vom ersten in den zweiten Gang schaltest und der Boden so tief und zäh ist, der Gang geht dann fast nicht rein, weil alles so stark unter Last ist… Da denkst du manchmal: So ein Getriebe muss jetzt irgendwann einmal nachgeben. Aber es hält wirklich viel aus. Auch auf den langen Vollgas-Passagen. In Chile sind wir in diesem Jahr die ersten 107 oder 110 km in 52 Minuten gefahren, Ich habe mir das nachher genau angeschaut und für die ersten Stunde einen Schnitt von mehr als 120 km/h errechnet. Es ist ein Wahnsinn, wie oft die Drehzahl da in den Begrenzer geht und wie viel Volllast der Motor ertragen muss. Er tut wir dann schon richtig leid.»

Matthias Walker gilt aus ausgezeichneter Navigierer. Diese Eigenschaft hat ihm auch zum Gesamtsieg 2018 verholfen. Er fand damals als einziger Sieganwärter die schwierige Ausfahrt aus einem Bachbett, die Gegner rauschten vorbei und mussten gewaltige Umwege in Kauf nehmen. «Das war damals auch ein bisschen das Glück des Tüchtigen», meint Matthias im Rückblick. «Es stimmt, dass die anderen damals für eine richtige Navigation fast 5 Prozent zu schnell gefahren sind. Ich bin um diese 5 Prozent langsamer gewesen. Es geht einfach bei der Dakar-Rallye darum, wer über knapp zwei Wochen während sieben bis zehn Stunden pro Tag am Motorrad die wenigsten Fehler macht. Jeder Topfahrer hat täglich seine drei, vier oder fünf Black-outs. Wenn du diese im falschen Moment hast, verfährst du dich so richtig. Aber wenn du in diesem Augenblick Glück hast und irgendwo die Staubwolke eines Vordermanns vor dir siehst, dann wirkst dich das Black-out nicht so grob aus. Es ist einfach wichtig, dass man konstant und fehlerlos fährt. Aber das ist halt so schwer bei täglich 300 bis 400 Roadbook-Noten, dann man da nicht einmal eine Zahl falsch abliest. Ich habe zuletzt beim Training in Marokko einmal 'CAP 250' gelesen, und es war in Wirklichkeit 'CAP 205'. Diese digitale Kompass zeigt dir die Himmelsrichtung an; Norden ist 360 Grad, Süden ist 180 Grad. Aber nach vier Stunden auf dem Motorradl, mit viel Staub in den brennenden Augen, das Genick ist schon komplett verspannt, dann siehst du schon alles verschwommen. Das ist eine ziemliche Herausforderung.»

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