Matthias Walkner: «Gegner bedrohlich nahe gerückt»

Von Günther Wiesinger
Dakar Moto
Matthias Walkner

Matthias Walkner

Red Bull-KTM-Werkspilot Matthias Walkner hat bei der Dakar-Rallye in den letzten drei Jahren einen zweiten, einen ersten und einen dritten Platz.

Matthias Walkner ist der erfolgreichste österreichische Motorradsportler der letzten zehn Jahre. Er gewann 2012 die MX-Motocross-Weltmeisterschaft, wurde dann von Ex-Cross-Weltmeister und KTM-Berater Heinz Kinigadner zum Umstieg in den Rallye-Sport überredet. Er zeigte sich anfangs skeptisch, gewann jedoch auf Anhieb die Hellas Rallye in Griechenland. Der aus Kuchl bei Salzburg stammende Walkner unterschrieb einen Drei-Jahres-Vertrag beim Red Bull KTM-Werksteam.

2015 nahm «Hiasi» erstmals an der Dakar-Rallye in Südamerika teil, er fiel mit einer Lebensmittelvergiftung aus. Im Jahr darauf stoppte ihn ein Oberschenkelbruch. Doch beim Comeback 2017 räumte der KTM-Werksfahrer mit Platz 2 erstmals eine Dakar-Trophäe ab. Ein Jahr später triumphierte der ehemalige Skirennfahrer als erster Österreicher bei der Motorrad-Rallye Dakar.

Mit 33 Jahren bereitet sich Walkner jetzt auf seine sechste Dakar-Rallye vor. Sie findet diesmal über zwölf Etappen und 7800 km in Saudiarabien statt, ca. 5000 Sonderprüfungs-Kilometer sind zu bewältigen.

Momentan fährt Walkner täglich von Kuchl ins 25 Minuten entfernte Thalgau, wo er sich im «Red Bull Diagnostic & Training Center Austria» den letzten Schliff holt. «Außerdem fahre ich vor Weihnachten noch ein paar Tage zum Motocross-Fahrern nach Italien», verrät er.

Für Red Bull KTM geht es 2020 um den 19. Dakar-Sieg in Serie. Mit Toby Price und Sam Sunderland hat Walkner zwei Dakar-Sieger der letzten Jahre als starke Teamgefährten an seiner Seite.

Walkner schaffte 2019 einen dritten Dakar-Rang, litt aber unter Schmerzen und musste einige Tage nach der Zielankunft eine Sprunggelenks-Operation über sich ergeben lassen, die ihn monatelang außer Gefecht setzte. Aber bei der Marokko-Rallye im Oktober zeigte er sich schon wieder in starker Verfassung. Er hatte auf die ersten zwei Wettbewerbe der Rallye-WM 2019 verzichten müssen, schaffte aber in Marokko am letzten Tag Rang 4 und Platz 7 in der Gesamtwertung.

«Ich spüre zwar im Alltag die Beschwerden im operierten Sprunggelenk schon noch ziemlich, auf das Joggen und Berggehen muss ich vorläufig noch verzichten. Aber es wird tendenziell besser. Beim Motorradfahren halten sich die Nachteile in Grenzen. Natürlich fährt man ein bisschen anders, als wenn man ganz 100-prozentig schmerzfrei wäre. Aber wir reden vielleicht von einem halben Prozent. Es kann sein, dass ich beim Fuß-Runterstrecken noch ein bisschen zögerlicher bin. Aber eigentlich zählt das nimmer als Ausrede», sagt Walkner im Gespräch mit SPEEDWEEK.com.

Seit etlichen Jahren wird vor jeder Dakar-Rallye diskutiert, ob jetzt die KTM-Siegesserie endlich abreißen werde. Denn Honda, Yamaha und die KTM-Zweitmarke Husqvarna sind zu einer starken Bedrohung geworden.

Steigt dadurch der Druck auf das KTM-Werksteam? Oder kann man nach 18 Siegen entspannter als Werk gehen, weil ja jede Serie irgendwann zu Ende geht?

Walkner: «Ich würde sagen, wir haben 18 Mal gewonnen. Und da die japanischen Werke jedes Jahr mehr investieren, richtig Gas geben und starke Fahrer kaufen, wird irgendwann ein anderes Fabrikat gewinnen. Es ist ein Wahnsinn, wie viel Manpower Honda inzwischen einsetzt und welchen Aufwand sie betreiben. Wir jungen KTM-Fahrer, also Price, Sunderland und ich, wir haben 2015 nicht überwältigend viel Erfahrung gehabt. Wir haben schon damals damit gerechnet, dass die KTM-Serie nicht mehr ewig weitergeht… Irgendwann muss es so weit sein. Aber natürlich wäre es klass‘, wenn wir es noch hinauszögern könnten. Wobei ich sagen muss, dass unsere Karten nicht schlecht stehen. Bei einem so langen Wettbewerb passieren jedoch so viele Sachen, die man nicht kalkulieren kann... Deshalb ist es umso beeindruckender, dass KTM so oft gewonnen hat.»

Mit Sunderland, Price und Walkner stehen drei Dakar-Sieger im Aufgebot des KTM-Werksteams. «Das ist beruhigend, aber die Ergebnisse nach 8000 km spiegeln nicht immer wirklich die echten Stärkeverhältnisse zu 100 Prozent wieder. Die Dakar 2019 ist ein Beispiel. Besser hätte es für KTM nicht gehen können. Die drei KTM-Werksfahrer sind auf den ersten drei Plätzen gelandet. Dann kamen die Husqvarna-Buam. Aber dieses Ergebnis hat nicht unbedingt den Rennverlauf widergespiegelt. Denn bis zu Tag 7 oder 8 gab es vier oder fünf Sieganwärter aus den Konkurrenz-Teams, die mitreden konnten. Aber es sieht so aus, als würden die Feinheiten, die am Ende den Ausschlag geben, noch für uns sprechen», meint Walkner. «Wie gut ist ein Team aufgestellt, wie standfest ist das Motorrad, wer verfährst sich zwölf Tage nicht? Wir lagen bei Halbzeit nicht unbedingt klar voran, aber wir hatten den längeren Atem. Aber die Gegner sind uns bedrohlich nahe gerückt. Trotzdem können wir stolz sein, wenn die KTM-Siegesserie einmal zu Ende geht.»

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