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Kölner Kult-Geschichten: Slalom-Spaß mit Damen

Kolumne von Rainer Braun
​Unser zehnter und letzter Teil der Kölner Kult-Geschichten: Was dabei herauskommt, wenn gestandene DRM-Rennprofis gegen Racing-Mädels im Slalom antreten.

Erdacht wurde die Spaß-Veranstaltung in Köln, aber durchgeführt am Nürburgring. Da war jener fröhlich-sportive Fahrerlehrgang, den es für die Anzeigen-Kundschaft des Bauer-Verlags schon seit 1973 gab. Organisation und Abwicklung wurden der Redaktion des Bauer-Titels «Auto Zeitung» in Köln übertragen und hier wiederum mir als Leiter des Drei-Tage-Happenings. Zusammen mit der mir zugeteilten Hiwi-Brigade machte ich mich an die Planungsarbeit, so auch 1982.

Für die zehnte Event-Auflage im September 1982 hatte ich fünf Top-Piloten verpflichtet. Weil die Burschen aus den vergangenen Jahren wussten, dass der Spaß nicht zu kurz kommen würde, waren alle für wirklich kleines Geld zu haben. Ohne Rücksicht auf Rang und Namen bekam jeder eine Pauschale von 3.000 D-Mark «bar auf Kralle» und ein Bett im Sporthotel «Tribüne». Die ebenso historische wie marode Herberge erzitterte ob des nächtlichen Unfugs speziell des Trios Stuck/Bellof/Stommelen in ihren Grundfesten.

Mit Formel 2-Shooting Star Stefan Bellof und den vier DRM-Spezialisten Bob Wollek, Rolf Stommelen, Hans-Joachim Stuck und Klaus Ludwig sahen sich unsere rund 80 Teilnehmer einem wahren Star-Ensemble an Instruktoren gegenüber. Fünf Gruppen mit je 15 bis 18 Teilnehmern wurden auf der Nordschleife von einem Instruktor zum nächsten geleitet.

Das Drei-Tage-Programm gestaltete sich von Jahr zu Jahr umfangreicher. Nach dem feucht-fröhlichen Begrüßungs-Abend folgte ein harter Tag von morgens bis abends auf der Nordschleife. Eingelagert wiederum gruppenweise ein kurzes Fahrsicherheitstraining im alten Fahrerlager.

Tag 3 startete mit freiem Fahren auf der Start/Ziel-Schleife, anschließend Mittagessen und danach als Schlussprüfung ein flotter Slalom auf der Zielgeraden mit identischen Autos, die Ford zur Verfügung stellte. Als Finale die obligatorische Siegerehrung mit Urkunden- und Pokal-Übergabe durch die Instruktoren.

Ein paar Wochen vor der 1982er-Veranstaltung meldete sich Ford-Sportchef Lothar Pinske zu Wort und fragte an, ob wir «nicht Lust hätten, unsere fünf Instruktoren gegen einige seiner Mädels aus dem gerade neu installierten Ford Fiesta Ladies-Cup antreten zu lassen».

Tolle Idee, dachte ich mir, und sagte spontan zu.

So erschienen am Ring zum Slalom-Showdown zuerst ein Autotransporter mit identischen Ford-Fiesta XR 2 und danach gleich sechs Ford-Ladies in Gestalt von Annette Meeuvissen, Delia Stegemann, Annette Gottwald, Barbara Schmidt, Biggi Briel und Andrea Marx. In der Mittagspause ließ ich die Pylonen für den Slalom-Parcours aufbauen mit der Maßgabe, dass jede verschobene oder umgeworfene Pylone einen Strafpunkt auf die Fahrzeit nach sich zieht.

Und was machen meine Profis? Sie schleichen sich noch während des Mittagessens nach draußen und trainieren ungeniert den abgesteckten Parcours, während die Damen noch artig ihr Mahl einnahmen. Als eifrigster «Wild-Trainierer» wird Bob Wollek gebrandmarkt, frischgekürter DRM-Champion im Porsche 936 und ehemaliger Ski-Rennläufer. Er wollte wohl seine drei vorangegangenen Siege unbedingt verteidigen. Die inoffizielle Trainingseinheit endete erst, als nahezu allen Pylonen flach lagen …

Damit das mit der Zeiterfassung bei dem nicht ganz so ernst zu nehmenden Slalom auch korrekt funktioniert, hatte ich mit Alfred Maas den damaligen Chefzeitnehmer der ONS (heute DMSB) zum Ring gebeten. Der rückte doch tatsächlich mit einem um diese Zeit noch jungfräulichen Computer-Equipment des SCS-Sportserve an.

Zumindest sah das jetzt alles mal richtig professionell aus, und das Lamento der letzten Jahre um angebliche Fehlmessungen wurde damit im Keim erstickt. Zumal Herr Maas auch gleich als Sachrichter hinsichtlich der Strafpunkte für verschobene oder umgeworfene Pylonen fungierte. Widerspruch zwecklos.

Die Mädels durften zuerst starten, ein Trainingslauf zur Orientierung, dann der Wertungslauf. Annette Meeuvissen, Annette Gottwald und Barbara Schmidt blieben als einzige der Damen ohne Strafpunkte und setzten, nur um 9/10 Sekunden voneinander getrennt, die ersten Bestzeiten.

Dann erschien die männliche Profi-Konkurrenz gemessenen Schrittes und erhobenen Hauptes – und brach bis auf Stuck, Wollek und Stommelen gnadenlos ein. Kollege Ludwig fasste zwei und Bellof nach der wildesten Tages-Darbietung gleich vier Strafsekunden für umgerissene Pylonen aus.

Den Sieg holte sich Strietzel Stuck mit fast 3/10 Vorsprung auf Bob Wollek, der fürs nächste Jahr Rache schwor. Bestes Ford Fiesta-Girl war nicht ganz unerwartet Annette Meeuvissen auf Rang 3, der Vorsprung auf Vornamensvetterin Gottwald betrug knapp 4/10 Sekunden.

Immerhin rangen die beiden Damen so ein Kaliber wie Rolf Stommelen nieder. Zufrieden zog Augenzeuge Lothar Pinske von dannen, nicht ohne anzudrohen, im nächsten Jahr mit einem noch stärkeren Ladies-Aufgebot zur Revanche anzurücken.

Übrigens noch dies zum guten Schluss: Schon 1977 entsandte Ford ein paar serienmäßige Ford Escort zum Slalom-Wettbewerb für die Teilnehmer. Das ließen sich auch die Instruktoren schon damals nicht entgehen und fochten erstmals hier ihren Slalom-Champion aus. Dabei blieben mit dem DRM-Vizemeister Bob Wollek und dem knapp geschlagenen Rallye-Weltmeister Walter Röhrl nur zwei der sechs Edel-Profis ohne Strafpunkte.

Die übrigen Herrschaften, darunter die DRM-Doppelmeister Hans Heyer und Dieter Glemser sowie der 1000 PS-Porsche-Dompteur Willi Kauhsen, blamierten sich so gut es eben ging. Leider auch der als Gast gestartete Event-Organisator und Autor dieser Geschichte …

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