Strafen kurios: Lärmschutz, Luxuswasser, Sozialdienst

Von Andreas Reiners
DTM
Immer für kuriose Strafen gut: der Norisring

Immer für kuriose Strafen gut: der Norisring

Auf dem Norisring wurden mal wieder ziemlich kuriose Strafen verhängt. Mercedes musste zum Beispiel in die Tasche greifen, weil der Ersatzfahrer Mist gebaut hatte.

Geldstrafen sind in der DTM immer ein zweischneidiges Schwert. Sie sollten dem Vergehen gerecht werden, sollten aber auch nicht zu niedrig sein, damit man gewisse Dinge nicht aus der Portokasse bezahlt und regelmäßig wiederholt. Da sind die Teams nicht nur einfallsreich, sondern auch kompromisslos. Bringt es einen Vorteil und ist es günstig, wird es gemacht.

Teammitglieder müssen seit den Vorkommnissen in Budapest in der Boxengasse feuerfeste Overalls tragen. In Nürnberg hatten sich noch nicht alle an die neuen Regeln gewöhnt.

«Christian Vietoris ist ungefähr 30 Zentimeter vor der Box gestanden ohne feuerfeste Kleidung», verriet Mercedes-Teamchef Ulrich Fritz den Grund, warum das Team von Gary Paffett 2000 Euro Strafe zahlen musste. Vietoris ist in dieser Saison Ersatzfahrer der Stuttgarter. Und 2000 Euro sind ein passender Betrag, dass in Zandvoort dann alle in der Boxengasse auch die Overalls tragen.

Die Geldstrafe für Vietoris war nicht die einzige Geldstrafe am Norisring. Und auch bei einer anderen ging es kurios zu.

Lärmschutz:

Bruno Spengler wurde von den Sportkommissaren zu einer Geldstrafe verdonnert, die es in sich hatte: Wegen Missachtung der Motorenruhe zwischen 20:30 und 07:00 Uhr muss Spengler 10.000 Euro zahlen.

«Das Team hat dabei gegen Lärmschutzbestimmungen in der Ausschreibung des Veranstalters (Punkt 15.4) verstoßen sowie Anweisungen von Sportwarten missachtet (Art. 12.1.1 ISG)», hieß es in der Begründung. Spengler ist zwar der Adressat der Geldstrafe, zahlen wird der Kanadier sie aber nicht.

Die hohe Geldstrafe ist nicht die erste Strafe für Spengler, auch nicht die erste kuriose.

Stinkefinger:

Spengler war 2013 auf dem Lausitzring nach der Zielankunft so sauer auf Mattias Ekström, dass er dem Schweden kurzerhand und noch im Auto den Mittelfinger zeigte. Der Kanadier musste daraufhin 1000 Euro zahlen. Merke also: Ein Stinkefinger ist in der DTM günstiger als ein «Arschloch».

Gemeinnützige Arbeit:

Und wieder Spengler. Im letzten Rennen 2014 in Hockenheim kollidierte der BMW-Pilot mit Daniel Juncadella. Als einige Stunden später die Entscheidung der Sportkommissare mitgeteilt wurde, hielten viele das für einen Scherz:«Der Fahrer wird wegen eines unsportlichen Bremsmanövers zu 3 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Abzuleisten ist die Strafe in Abstimmung mit dem DMSB.»

Den Sozialdienst verrichtete Spengler im Rahmen eines Treffens von Sportwarten.

Luxuswasser:

Ein Glas Luxuswasser gefällig? Bitte sehr: Paul di Resta und Daniel Juncadella mussten nach dem vierten Saisonrennen 2018 auf dem Lausitzring jeweils 3000 Euro bezahlen. Wofür? Sie haben Wasser getrunken. Bescheuert? Ja, es mag auf den ersten Blick kurios anmuten, dass Fahrer dafür bestraft werden, wenn sie nach einem Rennen Wasser trinken. Ganz so gaga wie es sich anhört ist es natürlich nicht. Konkret erfolgte die Strafe wegen eines Verstoßes gegen die Wiegevorschriften.

Denn: Die beiden Mercedes-Piloten tranken VOR dem Wiegen Wasser. Da wurden Erinnerungen wach an den Norisring 2013.

Wasserflasche:

Der Watergate-Skandal 2013 war nicht nur einer der größten in der DTM, er hatte auch kuriose Strafen zur Folge. Da der Vater von Mattias Ekström eine Wasserflasche in der Hose seines Sohnes entleerte, wurde der zweimalige Meister wegen eines Verstoßes gegen die Parc-fermé-Regeln von der Wertung ausgeschlossen. In der anschließenden Berufungsverhandlung entschied der DMSB: Niemand rückt auf, es gibt am Norisring gar keinen Sieger.

Ein Herz für Kinder

Vietoris platzte am Norisring 2016 der Kragen. «Er ist das allergrößte Arschloch, das ist unglaublich. Er macht im Fahrerlager den Sunnyboy und reißt dann die Fresse auf. Er soll bleiben wo er ist, ich will ihn gar nicht sehen», hatte Vietoris gegen Mattias Ekström gewettert, der ihn und seinen Teamkollegen Robert Wickens abgeschossen hatte.

Vietoris ergriff die Gelegenheit beim Schopfe. 3000 Euro für ein «allergrößtes Arschloch», für eine deftige Beleidigung seines Konkurrenten Ekström, der ihm zuvor im Rambo-Stil ins Auto gefahren war?

Kein Problem, dachte sich der Mercedes-Pilot und legte nochmal die gleiche Summe für die Aktion «Ein Herz für Kinder» obendrauf. «Das war für die Kinder einfach das falsche Wort. Ich stehe nach wie vor zu der Aussage, akzeptiere aber die Strafe», sagte Vietoris. Trotzdem: So richtig nachvollziehen konnte die Strafe kaum jemand im Fahrerlager, wo sie heftig diskutiert wurde.

Massen-Disqualifikation:

Das «Arschloch» von Vietoris war nicht die einzige kuriose Strafe am Norisring 2016. Nach dem zweiten Rennen wurden gleich fünf Fahrer von der Wertung des Rennens ausgeschlossen: Gary Paffett, Daniel Juncadella (beide Mercedes), Antonio Felix da Costa (BMW) sowie die Audi-Piloten Mike Rockenfeller und Adrien Tambay.

Die Fahrer waren nicht oder zu spät zum obligatorischen Wiegen erschienen. Das Quintett dürfte das wenig bis gar nicht gekratzt haben, gehörte es doch zu den acht Piloten, die sowieso ausgefallen waren.

Offenbar hatten Paffett und Co. schlicht keine Lust mehr, sich auf die Waage zu stellen, denn der Weg zum Wiegen ist recht weit auf dem Norisring. Mit den Strafen wollte der DMSB ein Zeichen setzen und den betreffenden Fahrern einen Denkzettel verpassen.

Gurtpflicht:

Pascal Wehrlein feierte seinen Titelgewinn in Hockenheim 2015 so überschwänglich, dass er zur Kasse gebeten wurde. Auf seiner Ehrenrunde hatte er sich abgeschnallt, um auf sein Auto zu steigen und mit den Fans zu feiern: 3000 Euro. Seit dem Wasserflaschen-Skandal wird ja bekanntlich noch genauer darauf geschaut, dass die Fahrer sofort zum Wiegen gehen. Wehrlein sprang aber erst einmal dem Mercedes-Pressesprecher in die Arme: 2500 Euro.

Einen Tag später wollte Wehrlein die Fans nach dem zweiten Rennen noch mit ein paar Donuts beeindrucken. Dabei setzte er seinen Mercedes auf den Randstein und blieb stecken. Peinlich, aber immerhin gab es dafür keine Strafe.

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