Wird der Coronavirus zum Sargnagel für die DTM?

Von Andreas Reiners
DTM
In der DTM treten nur Audi und BMW gegeneinander an

In der DTM treten nur Audi und BMW gegeneinander an

In der Coronakrise kann niemand zuverlässig in die Zukunft schauen. Doch die DTM wird davon zu einem sowieso schon sehr ungünstigen Zeitpunkt getroffen.

Vor ein paar Wochen noch schienen die Probleme vergleichsweise minimal. Lösbar. Nach dem Ausstieg von Aston Martin nach nur einem Jahr in der DTM kämpft die Tourenwagenserie mal wieder ums Überleben.

Doch noch im Februar schien es machbar, dass es die DTM aus ihrer Krise schaffen kann, wie sie es schon oft getan hat. Audi, BMW und die ITR rückten mal wieder enger zusammen, arbeiteten an Lösungen. Eine davon: Die beiden Testträger sind nun auch dabei, was bedeutet, dass 16 Autos in der Startaufstellung stehen werden, also nur zwei weniger als noch 2019 mit Aston Martin.

Die Saison 2020 nur mit Audi und BMW ist eigentlich gesichert, galt aber sowieso nur als Übergangssaison und nicht als dauerhafte Lösung.

Saisonstart wird verschoben

Das war allerdings vor dem weltweiten Ausbruch des Coronavirus.

Bis dato ist unklar, wann sie überhaupt startet. Der Auftakt Ende April in Zolder ist utopisch, im Mai finden zwei weitere Events am Lausitzring und in St. Petersburg statt. Noch hat die DTM keine Veranstaltung verlegt, das ist aber nur eine Frage der Zeit, es wird vor allem an einem Plan B, also an einem neuen Datum gearbeitet.

Doch die Tiefschläge sind inzwischen heftig. Sie sind schmerzhaft, sie sind vor allem tückisch: Denn die Auswirkungen des Coronavirus sind kaum abzusehen. Nicht nur gesundheitlich, aktuell sind weltweit 125.000 Menschen an dem neuartigen Virus erkrankt, fast 9000 gestorben.

Sondern auch wirtschaftlich, die Folgen sind auch hier schon jetzt drastisch, aber vor allem auch hier nicht vorherzusehen. Die Börsen taumeln ins Bodenlose, die Verluste sind massiv, zahlreichen Unternehmen droht die Insolvenz, während die Regierungen verzweifelt versuchen, den Virus einzudämmen und gleichzeitig die Folgen durch verschiedenen Maßnahmen abzufedern.

Doch für die DTM könnte der Virus zum Sargnagel werden.

Keine Frage: Es ist zum Teil auch Spekulation, wie es mit dem Virus weitergeht, und natürlich wird genau das essentiell sein.

Wie problematisch Covid-19 für Audi und BMW allerdings schon jetzt ist, zeigten die beiden Autobauer in dieser Woche. Beide haben mit Rückgängen bei Umsatz und Nachfrage zu kämpfen, beide fahren die Produktion herunter und beide haben freilich keine Ahnung, welche Auswirkungen der Virus auf das Geschäft noch haben wird. Kurzarbeit ist angesagt.

Starke Wirkung der Plattform DTM

Fakt ist: Audi und BMW wissen um die Wirkung der Plattform DTM. 2019 war sie für Audi ein wichtiger Botschafter: René Rast wurde im RS 5 DTM Meister, sein Rosberg-Team ebenfalls Champion und Audi holte zudem den Herstellertitel. Ein Triumph mit mehreren Ausrufezeichen.

Doch Fakt ist auch: In ausufernden Krisenzeiten mit all den negativen Folgen ist es schwer zu verkaufen, dass man weiterhin auf teure Motorsport-Programme setzt. Mit der Einstellung der Programme kann man auf Anhieb eine Menge Geld sparen. Vor allem die Einführung der Vierzylinder-Turbomotoren 2019 belastete das Budget, so soll Audi das ganze Paket mit der Entwicklung gute 100 Millionen Euro gekostet haben.

In einer «normalen Saison» sollen es bei den beiden Herstellern immer noch 40 bis 50 Millionen Euro sein.

Was umgekehrt in der Coronakrise damit ebenfalls klar ist: Die Suche nach einem neuen Hersteller, den die DTM mittelfristig dringend benötigt, wird noch schwieriger, als sie es sowieso schon war.

Wie haben Audi und BMW konkret reagiert?

BMW fährt die europäischen Automobilwerke und das Werk Rosslyn in Südafrika herunter. Aufgrund der Coronavirus-Pandemie erwartet BMW, dass in allen wesentlichen Märkten die Nachfrage erheblich beeinträchtigt werde. Der Autoabsatz des Konzerns dürfte deswegen im laufenden Jahr deutlich unter Vorjahresniveau liegen.
Mit einer Ergebnisbelastung werde vor allem im ersten Halbjahr gerechnet. Deswegen werde der Vorsteuergewinn des Konzerns gegenüber 2019 deutlich zurückgehen. Konkret rechnet BMW im Autogeschäft mit einem Vorsteuergewinn zwischen zwei und vier Prozent nach 4,9 Prozent im vergangenen Jahr.

Audi ist mit 2019 zufrieden, das Geschäft konnte stabilisiert werden, die Ingolstädter verzeichneten beim Autoverkauf ein Plus von 1,8 Prozent. Audi fährt allerdings jetzt die Werke in Ingolstadt, Neckarsulm, Belgien, Mexiko und Ungarn bis Ende der Woche kontrolliert herunter.

«Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation, für die es keine bewährten Lösungen oder einfache Rezepte gibt. Wir konzentrieren uns darauf, unsere Beschäftigten, Auftragnehmer und Gäste zu schützen und in diesem volatilen Umfeld die richtigen wirtschaftlichen Entscheidungen zu treffen», sagt Audi-CEO Bram Schot: «Gleichzeitig müssen wir auch unser Unternehmen absichern, damit Audi langfristig überlebensfähig bleibt und nach der Krise wieder schnell handlungsfähig wird», so Schot: «In Ingolstadt und Neckarsulm beabsichtigen wir – angesichts der weltweiten Nachfragesituation und bevorstehenden Lieferengpässen – Kurzarbeit zu beantragen.»

Ungewisse Auswirkungen

Dr. Arno Antlitz, seit 1. März 2020 Audi-Vorstand für Finanz, China und Recht: «Die Auswirkungen der Ausbreitung des Coronavirus auf die Konjunktur und unser Geschäft sind ungewiss. Dadurch ist eine verlässliche Prognose für das Jahr 2020 derzeit nahezu unmöglich. Unser Fokus liegt auf unseren Beschäftigten weltweit und deren Familien. Audi wird seinen Beitrag leisten, die Auswirkungen für die Menschen in unserem Land und an unseren Audi-Standorten weltweit so gering wie möglich zu halten. Hierfür werden wir auch weiterhin alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen. Darüber hinaus ist es unsere Aufgabe, die Liquidität und somit Stabilität unseres Unternehmens zu sichern und trotz aller Einschränkungen unsere Kernprozesse, zum Beispiel in der technischen Entwicklung oder anderen Bereichen des Unternehmens zu stabilisieren.»

Die Entwicklung wird vor allem Gerüchte rund um Audi befeuern. Die Ingolstädter sind das Sorgenkind von DTM-Chef Gerhard Berger, denn zuletzt gab es vermehrt Spekulationen, dass man sich im Herbst, wenn die Motorsport-Programme in der Regel beschlossen werden, gegen die DTM entscheidet und für die Formel E.

Das war vor der Coronakrise, also vor ein paar Wochen. Als die Probleme noch vergleichsweise minimal erschienen.


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