DTM-Legende Rainer Braun: «DTM Classic» als Rettung

Von Andreas Reiners
DTM

Die DTM steht nach dem Ausstieg von Audi vor dem Aus. Kommentatoren-Legende Rainer Braun bringt nun eine Lösung auf den Tisch, die bei den Fans wahrscheinlich großen Anklang finden wird.

Seit dem angekündigten Audi-Ausstieg ab 2021 steht rund um die DTM die große Frage im Raum: Wie geht es weiter? Die Verantwortlichen wie DTM-Chef Gerhard Berger führen Gespräche, zerbrechen sich den Kopf, wälzen Ideen und Möglichkeiten.

Kann die Kooperation mit der Super GT weiter vorangetrieben werden, steigen Japaner ein? Was ist mit der Idee einer «GTM» mit GT3- oder GTE-Autos? Oder geht es nur über eine Pause, eine Unterbrechung, um dann mit neuem Konzept in ein paar Jahren neu anzufangen?

Berger kündigte an, dass es ein wenig dauern werde, bis es Lösungen gebe. BMW wiederum betonte, dass man an die DTM glaube, doch die vertrackte Situation um die Coronavirus-Pandemie macht es kompliziert, die Autobauer werden von den wirtschaftlichen Folgen hart getroffen.

Unter anderem deshalb zog Audi die Reißleine, und das macht es unwahrscheinlich, dass ein neuer Hersteller einsteigt.

Kommentatoren-Legende Rainer Braun macht nun einen Vorschlag, der viele Fans mit Sicherheit verzücken wird. Es ist ein Vorschlag, der das oft propagierte «Zurück zu den Wurzeln» wörtlich nimmt: die «DTM Classic», wie er es nennt.

Er spielt damit auf die Autos von früher an, die immer noch existieren, und die in Klassiker-Serien wie dem Tourenwagen Classics weiterhin unterwegs sind. DTM-Fans kennen diese Serie, die in den vergangenen Jahren Rennen im Rahmenprogramm der DTM austrug.

Braun ging auf Facebook näher auf die Idee ein, beschrieb in einem ebenso emotionalen wie interessanten Post, wie er sich eine Lösung, einen Fortbestand vorstellt. Wir dokumentieren den Post an dieser Stelle.

«Goodby Audi, welcome back all Others. Die DTM muss nicht sterben...

Nach dem Audi-Ausstieg zum Jahresende 2020 rückt das zweite schmerzhafte Ende der DTM näher. Was bleibt, ist ein Gemisch aus Hoffnung, Enttäuschung und Trauer. Eine DTM in ihrer bisherigen Form mit Werksbeteiligung wird es angesichts des neuen E-Mobil-Zeitalters wohl nie mehr geben. Zum zweiten Mal nach 1996 steht die DTM am Abgrund. Eine Rettung ist, wenn überhaupt, nur in anderer Form denkbar. Vielleicht gelingt dem unermüdlich nach Lösungen forschenden ITR-Chef Gerhard Berger noch in einer Last Minute-Aktion die Rettung - eine Möglichkeit wäre der Umstieg auf eine andere Fahrzeug-Kategorie. Aber das wäre nicht mehr die DTM, die von den Fans so geliebt wurde.

Noch sind aber nicht alle Chancen vertan, um vielleicht eine andere, preiswertere und publikumsnahe DTM ab 2021 zu präsentieren. Eine DTM beispielsweise mit jenen Autos, Piloten und der Fan-Kultur, wie es sie schon einmal gegeben hat. Dann aber ohne Werke, nur mit privaten Teams und Piloten, die die DTM-Geschichte der letzten 30 Jahre geschrieben haben. Mit Ex-Werksfahrern, die ihr Geld längst verdient haben und nur noch aus Spaß an der Sache mitmachen. Da würden viele dann in ihren eigenen Autos von einst sitzen und zur Freude tausender Fans in einer Art „DTM Classic“ um Ehre und Titel fahren.

Zurück zur Basis, zurück zu jenen DTM-Autos und Piloten, die über Jahrzehnte für Begeisterung und Faszination auf den Tribünen der deutschen und grenznahen Rennstrecken gesorgt haben. Immer wieder höre und lese ich diese Forderungen. BMW, Volvo, Rover, Ford, Audi, Opel, Alfa, oder Mercedes – alle sind noch da und fahrbereit. Sie befinden sich in Privathand, Classic-Abteilungen der Werke oder im Bestand begüterter Sammler. Allein die aktuelle Rennserie „Tourenwagen Classics“ kommt locker auf 30 oder mehr echte DTM-Autos der Jahre 1984 bis 1996 sowie 2000 bis 2008. Und wenn alle für 2020 eingeschriebenen Teams mit ihren DRM-, DTM- und STW-Autos auf einmal antreten würden, stünden 50 und mehr Autos am Start.

Die Faszination der DTM ist schon immer von ihren Piloten in bestimmten Autos ausgegangen. So könnten populäre Altstarts und Publikumslieblinge wie Roland Asch, Manuel Reuter, Kurt Thiim, Harald Grohs, Bernd Schneider, Jockel Winkelhock, Ellen Lohr, Volker Strycek, Altfrid Heger oder auch Johnny Cecotto, Roberto Ravaglia, Steve Soper, Jockel Winkelhock, Klaus Niedzwiedz & Co. dann in ihren vertrauten Cockpits sitzen und sich mit spätgeborenen Jungtalenten messen.

Ein nettes Beispiel aus der Tourenwagen Classics-Saison 2019: Der 64-jährige Armin Hahne hat sich am Steuer seines ehemaligen Würth-Ford Sierra RS 500 von 1988 den TWC-Titel erkämpft. Und der 40 Jahre jüngere Thomas Schmidt im privaten BMW hatte als Vizemeister nur ein paar Punkte Rückstand. Welch wunderbare Zeitreise – als Hahne in der DTM 1988 seine erfolgreichste Saison hatte, war sein letztjähriger Titel-Kontrahent Schmidt noch längst nicht geboren…

Also, man sollte zumindest mal drüber nachdenken, gegebenenfalls einfache und faire Regeln schaffen und mit klassischen Rennstrecken in Deutschland und dem grenznahen Ausland planen.

Sicher haben die DTM-Autos zwischen 1984 und 2019 unterschiedliche Leistungs-Potenziale, deshalb sollte man der Chancengleichheit zuliebe vielleicht über zwei oder drei Kategorien und ein Punktsystem nachdenken, mit denen alle gut leben können.

Die stärkeren Turbos des jüngeren DTM-Generation könnte man sogar mit ehemaligen DRM-Autos der späten 70er- und frühen 80er-Jahre (auch davon gibt es noch genug Porsche 935 Turbo, Capri Turbo, BMW 320 Turbo) in einer DRM-Turbo-Sonderklasse zusammenfassen. Über Einzelheiten müssten sich die Experten jener Gesellschaft beraten, die als Ausrichter in Frage käme.
Ich finde, es ist den Versuch wert, mit Autos und Akteuren aus den besten DTM-Jahren die alte Faszination und Fan-Begeisterung wiederherzustellen.

Wenn ich die exorbitant hohen Klickzahlen für Ausschnitte oder ganze DTM-Rennen der Jahre 1988 bis 1996 in den sozialen Medien sehe, wird mir immer mehr klar, wie groß die Sehnsüchte nach diesen Autos und ihren Akteuren tatsächlich sind. Und die glänzenden Augen der Zuschauer bei den Tourenwagen-Classic-Rennen der letzten Jahre verfestigen diesen Eindruck noch. Egal ob auf der Tribüne oder im Fahrerlager – die Leute sind einfach nur glücklich mit dem, was sie da zu sehen bekommen.»


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