Manor Racing: Investor gefunden, Wunder ist in Sicht

Von Rob La Salle
Manor (hinten Pascal Wehrlein) wehrte sich tapfer gegen Sauber (vorne Marcus Ericsson)

Manor (hinten Pascal Wehrlein) wehrte sich tapfer gegen Sauber (vorne Marcus Ericsson)

​Schon vor der Saison 2015 kam Manor Racing aus der Insolvenz zurück auf die Formel-1-Pisten. Schafft der Rennstall das Wunder ein zweites Mal? Ein Investor scheint gefunden, aber die Zeit drängt.

Manor Racing geniesst in der Formel 1 als Unterdog sehr viele Sympathien. Allein die Art und Weise, wie das Team aus der Zahlungsunfähigkeit im Herbst 2014 zurück auf die Rennstrecke kam, als die Saison 2015 begann, wie sich die englischen Racer dann 2016 stattlich steigerten und beinahe WM-Zehnte geworden wären – das ringt Fans und Fachleuten grossen Respekt ab.

Umso bedauerlicher am 6. Januar die Hiobsbotschaft für die Belegschaft, dass der Rennstall zum zweiten Mal in die Hände von Insolvenzverwaltern gelegt werden musste. Die Firma FRP Advisory LLP ist wie 2014/2015 Insolvenzverwalterin.

Wir erinnern uns: Im Herbst 2014 hatte sich der Schuldenberg von Marussia (heute Manor) auf 180 Millionen Euro angehäuft, die russischen Teilhaber hatten keine Lust mehr auf das finanzielle Fass ohne Boden, das Team war zahlungsunfähig und fehlte bei den letzten Rennen der Saison. Im Februar 2015 rettete der nordirische Unternehmer Stephen Fitzpatrick das Team, die Saison wurde als «Manor Marussia F1 Team» bestritten, mit modifizierten 2014er Autos und Vorjahresmotoren von Ferrari. 2016 wurde aus diesem Team «Manor Racing», ein beachtlicher Aufwärtstrend war zu erkennen.

Manor Racing lag in der WM 2016 lange auf dem zehnten Rang, erst beim zweitletzten Lauf der Saison in Brasilien konnte Sauber dank Felipe Nasrs neuntem Platz in Interlagos Manor auf WM-Rang 11 zurückdrängen. Das kostet den Rennstall nicht nur rund 20 Mio Dollar Preisgelder und Reisevergünstigungen, sondern schreckte auch potenzielle Geldgeber ab.

Geoff Rowley teilte anfangs Januar mit: «Der Rennstall hat ohne Zweifel grosse Fortschritte gemacht, seit er unter neuen Besitzern gefahren ist. Aber Fakt ist, dass der Betrieb eines GP-Teams einen anhaltenden Geldfluss erfordert. In den letzten Monaten hat das Management unermüdlich versucht, neue Investoren zu finden. Aber das ist nicht geschafft worden. Also gibt es keine andere Wahl als den Gang in die Insolvenz. Die Insolvenzverwalter prüfen nun die nächsten Schritte.» Rowley machte auch klar: Die Zeit drängt.

Und doch zeichnet sich am Horizont ein Silberstreif ab: Berichten unserer englischen Kollegen von Autosport zufolge interessiert sich eine asiatische Geschäftsgruppe für den Rennstall, doch bis zum Freitag, 20. Januar wollen die Investoren von FRP eine Antwort. Das gäbe dem Rennstall genügend Zeit, die 2017er Autos fertigzustellen und in Spanien zu testen, bevor es zum Saisonstart nach Australien geht (26. März).

FRP hat versichert, dass die Löhne bis Ende Januar gesichert sind. Die Vorproduktion des Fahrzeugs hatte begonnen, musste aufgrund des Insolvenzverfahrens aber auf Eis gelegt werden. Die Arbeit ruht, um weitere Ausgaben zu vermeiden und damit die Interessen der Gläubiger zu schützen.

Gerüchten zufolge handelt es sich bei den Investoren um die gleiche Geschäftsgruppe, mit welcher Manor-Besitzer Stephen Fitzpatrick im Herbst verhandelt hat. Ob es sich dabei um jene chinesischen Investoren handelt, die McLaren-Teilhaber Ron Dennis zum britischen Top-Team bringen wollte, ist unklar. Seit November kursieren auch hartnäckgi Gerüchte, dass Ron Dennis im Hintergrund an einer Übernahme von Manor arbeite. Craig Slater von der englischen Sky berichtete jedoch im Rahmen der Berichterstattung von der Manor-Insolvenz: «Nach unseren Informationen ist diese Meldung unkorrekt.»

Für viele Fans erscheint diese Lösung tatsächlich wenig sinnvoll: Wozu sollte ein Spitzenmanager und mehrfacher Millionär wie Ron Dennis (69), der mit McLaren so viele Siege und Titel eingefahren hat, ein Hinterbänkler-Team kaufen wollen?

Selbst wenn die Frist vom 20. Januar für die Offerte der Investoren verstreichen sollte, bleibt Verhandlungsspielraum. Und für eine Rückkehr auf die Rennstrecke wäre ebenfalls mehr Zeit als März: Gemäss Formel-1-Reglement darf ein Team unter besonderen Umständen bis zu drei Rennen der Saison auslassen, ohne den Startplatz zu verlieren oder das Anrecht auf Anteil am Preisgeld.

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