Mike Krack: «Dann hätte Seb den Rücktritt verschoben»

Von Gerhard Kuntschik
Aston Martin-Teamchef Mike Krack spricht im Interview mit SPEEDWEEK.com über die grossen Fortschritte seines Teams, die Gründe für den GP-Abschied von Sebastian Vettel und die Leistung von Fernando Alonso.

Im Januar 2022 wurde der Luxemburger Mike Krack zum Teamchef von Aston Martin ernannt – zur Überraschung vieler. Doch der 51-jährige Techniker hat viel Erfahrung im Motorsport: Er arbeitete bei Sauber-BMW schon mit Sebastian Vettel, dann für BMW in der DTM, bereitete mit Andreas Seidl und Fritz Enzinger das LMP1-Projekt von Porsche vor und kehrte 2014 zu BMW als Motorsport-Verantwortlicher zurück.

Warum Aston Martin in diesem Jahr zum Überraschungsteam wurde und Fernando Alonso zu alter Stärke fand und wie der Deal mit Honda gelang, erzählt Krack im Interview mit SPEEDWEEK.com.

Wodurch schaffte Aston Martin quasi über den Winter den Sprung vom Mittelfeld zum Status «best of the rest»?

Mike Krack: Wir begannen letztes Jahr relativ schlecht, haben das Auto sukzessive verbessert und waren am Ende der Saison nur mehr knapp hinter McLaren und Alpine. Wir hatten zumindest den Anschluss geschafft, was sich aber in der WM-Wertung nicht mehr spiegeln konnte. Wir wollten uns natürlich für diese Saison in allen Belangen verbessern, dachten auch, dass wir gut dabei wären, wussten aber nicht, was die Konkurrenz schaffen würde. Als wir in Bahrain immer vorn mit dabei waren, waren wir selbst überrascht. Und wir blieben bis jetzt dabei, müssen aber immer noch nachlegen – in der Entwicklung noch für dieses Jahr und mit einem weiteren Schritt für 2024.

Wie gross war bereits der Einfluss von Dan Fallows, den ihr als Aerodynamik-Spezialisten von Red Bull Racing abwerben konntet?

Dan und Eric Blandin, der von Mercedes kam, haben unseren Ingenieuren nicht nur technisch geholfen, sondern sie auch neu motiviert. Das war gutes Teamwork. Das spiegelt sich auch in der Weiterentwicklung mit vielen neuen Ideen.

Hat sich Sebastian Vettel wegen anderen Interessen – Stichwort Umwelt – aus der Formel 1 verabschiedet oder wegen mangelnden Erfolges mit euch?

Ich glaube, etwas von beiden. Am Ende der Saison, in Suzuka und Austin, konnten wir mithalten, da war Sebastian wieder heiss. Aber da war seine Entscheidung schon gefallen. Hätte er das diesjährige Auto gehabt, hätte er seinen Rücktritt wohl verschoben... Er wird wohl am Anfang der Saison seine Motivation verloren haben.

Wie kam der schnelle Deal mit Fernando Alonso zustande? Wer hatte die Initiative?

Die Initiative ging von uns aus. Wir schauten uns aber erst nach jenem Mittwoch um, an dem er uns den Abschied mitgeteilt hatte. Dann ging es ganz schnell, weil wir uns nicht mit Vorstandsgenehmigungen abgeben mussten, sondern einen direkten Draht zum Chairman haben. Die kurzen Verhandlungen waren Teamwork von Eigner Lawrence Stroll, CEO Martin Whitmarsh und mir. Aber das passierte mitten im Rennbetrieb zum Ungarn-GP.

Wie erklärst du die tolle Form des bald 42-jährigen Fernando Alonso?

In erster Linie ist das wettbewerbsfähige Auto der Grund. Das bringt zusätzliche Motivation. Wir sind immer noch ein kleines Team und haben ein sehr offenes Verhältnis mit den Fahrern. Das Umfeld stimmt für Fernando. Aber wir machen uns nichts vor, denn wir werden auch noch schwierige Zeiten erleben. Die Stimmung könnte kippen, wenn wir gegen Ferrari und Mercedes bei der Entwicklung ins Hintertreffen geraten. Die Euphorie-Welle kann auch schnell enden.

Wie kam der Paukenschlag mit dem Honda-Deal ab 2026 zustande?

Ganz einfach. Wir wussten, dass sich Honda bei der FIA eingeschrieben hatte und es mit Red Bull Racing keine weitere Zusammenarbeit geben werde. Wir fragten an und bereiteten eine Präsentation vor, flogen dann nach Japan – und konnten Honda überzeugen, dass wir die Richtigen sind. Wir waren von der Offenheit des Honda-Managements sehr beeindruckt. Es gab eine schnelle Einigung.

Hat Lawrence Stroll die Zeit, sich in euer Alltagsgeschäft einzumischen?

Er ist eine beeindruckende Persönlichkeit. Der Eindruck nach aussen entsteht dadurch, dass er sich einmischt. Aber wir haben es mit einem leidenschaftlichen Milliardär zu tun, der seine Passion lebt. Wir sehen ihn einmal die Woche, wenn er in Silverstone vorbeikommt. Da lässt er sich auf den neuesten Stand der Dinge bringen. Aber das ist immer eine freundschaftliche Begegnung. Wir haben keine Angst, wenn er zu uns kommt.

Welche Saisonziele strebt ihr an?

Wir haben die Ziele bisher schon übererfüllt, die eine Verbesserung und das Mithalten um Platz 4 waren. Jetzt geht es um den nächsten Schritt. Solange wir ein Fahrzeug haben, das vorn dabei sein kann, muss ein Sieg unser Ziel sein. Das ist natürlich extrem schwierig. Aber der 33. Sieg von Fernando oder der erste von Lance Stroll wäre natürlich die Krönung.

Gibt es ein Zusammenwirken mit der Serienproduktion?

Da gibt es mehrere isolierte Projekte in Details, aber kein grosses.

Und ich hoffe, dass euer berühmtester Werksfahrer bleibt – James Bond...

(Mike lacht): Ja, das wäre gut, ist aber immer eine finanzielle Frage. Wie halt überall.

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