Red-Bull-Juniorteam: 17 schafften es in die Formel 1

Von Gerhard Kuntschik
Gerhard Berger, Sebastian Vettel und Franz Tost 2008

Gerhard Berger, Sebastian Vettel und Franz Tost 2008

Liam Lawson wird Sonntag in Losail möglicherweise seinen vorerst letzten GP als Ricciardo-Ersatz bestreiten. Er ist ein Zögling des Nachwuchsprogrammes, das Motorsport-Berater Helmut Marko 1999 aufgestellt hatte.

Und das ganz im Sinne von Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz. Wir erinnern uns: Zweite treibende Kraft war Markus Friesacher, der als Günstling von Mateschitz bis in die Formel 3 gefördert wurde und sich 1998 in der australischen Formel Holden bewähren sollte (Gesamtdritter, Meister Scott Dixon, der nachmalige Indy-500- und Indycar-Champion).

Der Salzburger, heute erfolgreicher Geschäftsmann und Besitzer einer Luxuslodge in Namibia, strebte mit Markos Rennstall RSM die Formel 3000 an, was ihm für drei Rennen 1999 an der Seite von Enrique Bernoldi auch gelang. Nach einer Handverletzung in Monaco war Friesacher out, aber das erste Red-Bull-Juniorteam geboren.

Vor den aktuell acht Nachwuchspiloten in der Förderung gab es, soweit nachvollziehbar, 88 Junioren, von denen es 17 in die Formel 1 schafften – ein Prozentsatz von 19,3 oder knapp jeder Fünfte. Die 17 waren nach dem heutigen FIA-F1-Steward Bernoldi (2001/02 bei Arrows, weil bei Red Bull Sauber kein Platz war!) in chronologischer Reihenfolge Christian Klien, Tonio Liuzzi (ebenfalls heute als Steward in F1-Einsätzen), Scott Speed, Sébastien Buemi, Sebastian Vettel, Jaime Alguersuari, Daniel Ricciardo, Jean-Éric Vergne, Daniil Kwjat, Carlos Sainz, Max Verstappen, Brendon Hartley, Pierre Gasly, Alex Albon, Yuki Tsunoda und Liam Lawson.
Die Erfolgsbilanz ist bekannt: Vettel vier Mal, Verstappen bald drei Mal Weltmeister (F1). GP-Siege holten Ricciardo (sieben mit Red Bull Racing, einen mit McLaren), Sainz (zwei mit Ferrari) und Gasly (einen mit AlphaTauri/früher Toro Rosso).

Doch man sollte die Erfolge von Red-Bull-Zöglingen außerhalb der Formel 1 nicht vergessen: Vor allem der immer noch unterstützte Schweizer Buemi, der im Kader der Test- und Simulatorfahrer gute Dienste leistet, sammelte Titel: Drei Mal wurde er Langstrecken-Weltmeister und gewann vier Mal die 24 Stunden von Le Mans mit Toyota, in der Formel E war er 2016 zweiter Champion.

Er fährt noch immer das Dreifach-Programm WEC, FE und F1-Tests. Auch der Neuseeländer Hartley schmückte sich mit drei WEC-Titeln (zwei Mal Porsche, einmal Toyota) und gewann Le Mans drei Mal (einmal Porsche, zwei Mal Toyota). Der Franzose Jean-Éric Vergne ist zweifacher Formel-E-Weltmeister, einen Elektrotitel holte der Portugiese Antonio Felix da Costa, der in der Besetzung eines F1-Platzes für 2014 gegen Daniil Kwjat das Nachsehen hatte. Der Schweizer Neel Jani kam mit Porsche zu einem WEC-Titel und einem Le-Mans-Sieg und wird Entwicklungsfahrer für Audi im F1-Projekt mit Sauber.

Und die Österreicher, die beim Chef Marko immer einen besonders schweren Stand hatten? Klien hielt sich von 2004 bis 2006 in der Formel 1 und war später Testfahrer für BMW-Sauber und Honda.

Der Kärntner Patrick Friesacher (nicht verwandt mit Markus F.) schaffte es in die Formel 1 zu einer halben Saison mit Minardi (2005), als er bei Red Bull schon aussortiert war. Die Salzburger Martin Ragginger (Langzeit-Porsche-Vertragsfahrer) und Philipp Eng (doppelter Cupsieger mit Porsche 2015, seit 2016 BMW-Werkfahrer) setzten Ausrufzeichen auf der Langstrecke von Spa bis Daytona.

Mathias Lauda war im WEC erfolgreicher als in der DTM und holte 2017 den Titel in der LMGTE-Am Kategorie als Werkfahrer von Aston Martin. Der Wiener Mirko Bortolotti wurde F2-Meister und testete für Ferrari, Toro Rosso und Williams, ehe er zu einem der besten GT3-Piloten weltweit wurde – u. a. mit zwei Daytona- und einem Sebring-Sieg. (Zeitlich) letzter der insgesamt zehn Österreicher, die Mitglieder des Förderprogramms waren, war Lucas Auer 2019, als er in der japanischen Super Formula fuhr (Neunter).

Von den Deutschen kam Michael Ammermüller der F1 am nächsten, er war bis zu einer schwierigen Handverletzung Test- und Ersatzfahrer. Kevin Mirocha wurde kurzzeitig in der Formel BMW gefördert, Stefan Wackerbauer in der Formel Renault. Unter den Schweizern blieben Buemi und Jani die einzigen RB-Piloten.
Aktuell werden von Red Bull sechs Junioren in der Formel 2 und einer in der Formel 3 (Juan Pablo Montoyas Sohn Sebastian) gefördert, dazu in der japanischen Super Formula Lawson, der sich fast schon in der Formel 1 als Ricciardo-Ersatz etablierte, aber 2024 Ersatzmann für beide Teams bleiben muss.

Der Franzose Isack Hadjar kommt im US-GP in Austin zum F1-Debüt am Freitag für AlphaTauri – obwohl er in der Formel 2 nur an 14. Stelle (ein Saisonsieg) liegt.

Japan-GP, Suzuka Circuit 

01. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing, 1:30:58,421 h
02. Lando Norris (GB), McLaren, +19,387 sec
03. Oscar Piastri (AUS), McLaren, +36,494
04. Charles Leclerc (MC), Ferrari, +43,998
05. Lewis Hamilton (GB), Mercedes, +49,376
06. Carlos Sainz (E), Ferrari, +50,221
07. George Russell (GB), Mercedes, +57,659
08. Fernando Alonso (E), Aston Martin, +1:14,725
09. Esteban Ocon (F), Alpine, +1:19,678
10. Pierre Gasly (F), Alpine, +1:23,155
11. Liam Lawson (NZ), AlphaTauri, +1 Runde
12. Yuki Tsunoda (J), AlphaTauri, +1 Runde
13. Guanyu Zhou (RCH), Alfa Romeo, +1 Runde
14. Nico Hülkenberg (D), Haas, +1 Runde
15. Kevin Magnussen (DK), Haas, +1 Runde
Out
Alex Albon (T), Williams, Kollisionsschäden
Logan Sargeant (USA), Williams, Kollisionsschäden
Lance Stroll (CDN), Aston Martin, Heckflügeldefekt
Sergio Pérez (MEX), Red Bull Racing, Kollisionsschäden
Valtteri Bottas (FIN), Alfa Romeo, Kollisionsschäden

WM-Stand (nach 16 von 22 Grand Prix, inkl. 3 von 6 Sprints)

Fahrer 
01. Verstappen 400 Punkte
02. Pérez 223
03. Hamilton 190
04. Alonso 174
05. Sainz 150
06. Leclerc 135
07. Norris 115
08. Russell 115
09. Piastri 57
10. Stroll 47
11. Gasly 46
12. Ocon 38
13. Albon 21 
14. Hülkenberg 9
15. Bottas 6 
16. Zhou 4
17. Tsunoda 3
18. Magnussen 3
19. Lawson 2
20. Sargeant 0
21. De Vries 0 
22. Ricciardo 0

Konstrukteurspokal
01. Red Bull Racing 623 Punkte
02. Mercedes 305
03. Ferrari 285
04. Aston Martin 221
05. McLaren 172
06. Alpine 84
07. Williams 21
08. Haas 12
09. Alfa Romeo 10
10. AlphaTauri 5


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