Bahrain-Test: Ferrari vorne, alle GP-Teams bluffen

Von Mathias Brunner
​Nach erneutem Ärger mit einem losen Abflussgitter am Bahrain International Circuit läuft die Arbeit wieder: Ferrari-Fahrer Carlos Sainz führt vor Sergio Pérez und Lewis Hamilton.

Freitagmittag am Bahrain International Circuit: Die zehn GP-Rennställe sind mehrheitlich mit Dauerläufen beschäftigt, im Mittelpunkt der Arbeit steht das heikle Zusammenspiel zwischen den neuen 2024er Chassis und den diesjährigen Rennwalzen von Pirelli.

Wer jetzt nicht an einer Rennsimulation arbeitet, hat ein echtes Problem, denn es sind nur noch knapp fünf Stunden Testzeit übrig. Gleichzeitig verzichten einige Teams auf Rundenzeiten für die Gallerie: Alpine und McLaren beispielsweise haben sich von Formel-1-Ausrüster Pirelli gar keine weichen Reifen bereitmachen lassen.

Einmal tief durchatmen gibt es nicht: Nach erneutem Ärger mit einem losen Abflussgitter läuft hier am Bahrain International Circuit die Arbeit ununterbrochen, keine Mittagspause, gefahren wird (Europa-Zeit) bis 17.00, das ist in Bahrain 19.00 Uhr und längst in der Nacht. Die Teams versuchen verzweifelt, die verlorenen 75 Testminuten wettzumachen.

Den Rundenzeiten Aussagekraft abzugewinnen, ist selbst für Fachleute schwierig. Die Autos sind mit unterschiedlicher Spritlast unterwegs, mit verschiedenen Reifenmischungen, volle Leistung erlaubt im Test kein Motorpartner. Zudem erzielen die Piloten ihre persönliche Bestzeit oft zu unterschiedlichen Tageszeiten, also bei Pistentemperaturen und Windverhältnissen, die nicht für alle gleich sind. Das alles verwässert das Bild.

Ferrari-Ass Charles Leclerc bestätigt: «Keiner weiß, mit wie viel Benzin an Bord die Anderen fahren. Also ist es gescheiter, du konzentrierst dich ganz auf die eigene Arbeit. Was uns angeht, so kann ich sagen – der neue Wagen ist einfacher zu fahren als das Auto von 2023. Er reagiert wesentlich berechenbarer. Das ist ein guter Anfang.»

In Sachen Kräfteverhältnis meint der fünffache GP-Sieger aus Monaco: «Für mich bleibt Red Bull Racing das Mass der Dinge.»

Lewis Hamilton sagt: «Der neue Mercedes ist Fortschritt, keine Frage. Wir haben ein erheblich solideres Fundament, auf dem wir aufbauen können.»

Sportwagen-Weltmeister Anthony Davidson ist nicht der Einzige, der wittert: «Red Bull Racing liegt vorne, aber dahinter dürfen sich die Fans auf einen faszinierenden Mehrkampf gefasst machen zwischen Ferrari, Mercedes, McLaren und Aston Martin. Da ist alles möglich.»

Dahinter folgt eine Gruppe aus den Racing Bulls (Visa Cash App RB), Alpine, Williams und Sauber, die Reihenfolge wird wie 2023 von Rennen zu Rennen variieren. Haas war bislang in Sachen Dauerläufe das Schlusslicht.

Racing Bulls-Technikchef Jody Egginton: «Wir sind besser aufgestellt als vor einem Jahr. Aber keiner deckt hier seine Karten auf.»

Williams-Fahrer Alex Albon: «Die größte Überraschung für mich sind derzeit die Racing Bulls. Die haben ganz offenbar einen stattlichen Schritt nach vorne geschafft.»

Und was ist mit dem Traditionsrennstall Williams? Der Thai-Brite weiter: «Wir haben ein Auto, mit welchem wir zahlreiche Probleme von 2023 gelöst haben. Im vergangenen Jahr war unser Auto nur auf bestimmten Pisten schnell, der neue FW46 ist endlich ein Allrounder.»

Der kraftvollste Eindruck hier in Bahrain jedoch bleibt: Red Bull Racing tritt mit der Selbstsicherheit des Klassenbesten auf. RBR-Teamchef Christian Horner: «Was Max Verstappen und Sergio Pérez über den RB20 sagen, das ist sehr ermutigend.»

Die ersten Teams fangen nun an, die Autos für den Einsatz des zweiten Piloten zu vorzubereiten. Bei Stake F1 Sauber hat die Pause einen anderen Grund: Motor/Hinterachse sind abgenommen worden, das deutet auf ein Motorproblem oder Schwierigkeiten mit dem Getriebe hin.

Das ungewöhnlichste Update des Tages: Alpine hat die Oberseite des Autos mit blauer Folie belegt – der Karbon-Look ist nicht bei allen Fans gut angekommen.

Bahrain-Test 23. Februar, Stand nach vier Stunden

1. Carlos Sainz (E), Ferrari SF-24, 1:31,247 (58)
2. Sergio Pérez (MEX), Red Bull Racing RB20-Honda RBPT, 1:31,483 (38)
3. Lewis Hamilton (GB), Mercedes W15, 1:31,999 (45)
4. Lance Stroll (CDN), Aston Martin AMR24-Mercedes, 1:32,038 (46)
5. Lando Norris (GB), McLaren MCL38-Mercedes, 1:32,108 (20)
6. Alex Albon (T), Williams FW46-Mercedes, 1:32,583 (30)
7. Kevin Magnussen (DK), Haas VF-24-Ferrari, 1:33,053 (74)
8. Esteban Ocon (F), Alpine A524-Renault, 1:33,079 (52)
9. Valtteri Bottas (FIN), Kick-Sauber C44-Ferrari, 1:33,528 (28)
10. Daniel Ricciardo (AUS), VCARB 01-Honda RBPT, 1:37,673 (70)

Bahrain-Test 22. Februar

1. Carlos Sainz (E), Ferrari SF-24, 1:29,921 (84 Runden)
2. Sergio Pérez (MEX), Red Bull Racing RB20-Honda RBPT, 1:30,679 (129)
3. Lewis Hamilton (GB), Mercedes W15, 1:31,066 (123)
4. Lando Norris (GB), McLaren MCL38-Mercedes, 1:31,256 (52)
5. Daniel Ricciardo (AUS), VCARB 01-Honda RBPT, 1:31,361 (88)
6. Charles Leclerc (MC), Ferrari SF-24, 1:31,750 (54)
7. Lance Stroll (CDN), Aston Martin AMR24-Mercedes, 1:32,029 (96)
8. Esteban Ocon (F), Alpine A524-Renault, 1:32,199 (78)
9. Valtteri Bottas (FIN), Kick-Sauber C44-Ferrari, 1:32,227 (97)
10. Oscar Piastri (AUS), McLaren MCL38-Mercedes, 1:32,328 (35)
11. Logan Sargeant (USA), Williams FW46-Mercedes, 1:32,578 (43)
12. Fernando Alonso (E), Aston Martin AMR24-Mercedes, 1:33,053 (31)
13. Guanyu Zhou (RCH), Kick-Sauber C44-Ferrari, 1:33,715 (38)
14. Pierre Gasly (F), Alpine A524-Renault, 1:33,804 (33)
15. Kevin Magnussen (DK), Haas VF-24-Ferrari, 1:36,611 (93)
16. Nico Hülkenberg (D), Haas VF-24-Ferrari, 1:37,509 (31)
17. Yuki Tsunoda (J), VCARB 01-Honda RBPT, 1:38,074 (40)
Erst am 22. Februar wieder im Einsatz:
Alex Albon (T), Williams FW46-Mercedes
Max Verstappen (NL), Red Bull Racing RB20-Honda RBPT

Bahrain-Test 21. Februar

1. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing RB20-Honda RBPT, 1:31,344 min (142 Runden)
2. Lando Norris (GB), McLaren MCL38-Mercedes, 1:32,484 (72)
3. Carlos Sainz (E), Ferrari SF-24, 1:32,584 (69)
4. Daniel Ricciardo (AUS), VCARB 01-Honda RBPT, 1:32,599 (51)
5. Pierre Gasly (F), Alpine A524-Renault, 1:32,805 (60)
6. Lance Stroll (CDN), Aston Martin AMR24-Mercedes, 1:33,007 (53)
7. Charles Leclerc (MC), Ferrari SF-24, 1:33,247 (64)
8. Fernando Alonso (E), Aston Martin AMR24-Mercedes, 1:33,385 (77)
9. Oscar Piastri (AUS), McLaren MCL38-Mercedes, 1:33,658 (57)
10. Guanyu Zhou (RCH), Kick-Sauber C44-Ferrari, 1:33,871 (62)
11. Logan Sargeant (USA), Williams FW46-Mercedes, 1:33,882 (21)
12. George Russell (GB), Mercedes W15, 1:34,109 (121)
13. Yuki Tsunoda (J), VCARB 01-Honda RBPT, 1:34,136 (64)
14. Valtteri Bottas (FIN), Kick-Sauber C44-Ferrari, 1:34,431 (68)
15. Alex Albon (T), Williams FW46-Mercedes, 1:34,587 (40)
16. Esteban Ocon (F), Alpine A524-Renault, 1:34,677 (60)
17. Kevin Magnussen (DK), Haas VF-24-Ferrari, 1:35,692 (66)
18. Nico Hülkenberg (D), Haas VF-24-Ferrari, 1:35,906 (81)

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