2. Training Bahrain: Hamilton vorn, Verstappen nur 6.

Von Mathias Brunner
​Zweites Training zum Großen Preis von Bahrain: Lewis Hamilton erzielt im Mercedes die schnellste Zeit, Champion Max Verstappen liegt auf Rang 6, Alpine und Sauber sind die Sorgenkinder.

«Niemand hier hat Tagträume.» Das war die Reaktion von Racing Bulls-Teamchef Laurent Mekies nach der Bestzeit von Daniel Ricciardo im ersten Bahrain-Training. Der Franzose weiter: «Allen hier war klar, dass dies nicht dem richtigen Bild entspricht. Viele Teams versuchten im ersten Training gar keine schnelle Runde.» Nur sechs Piloten waren mit den rot markierten, weichen Walzen von Pirelli ausgerückt.

Vom Moral-Turbo für Daniel Ricciardo und die Racing Bulls (offiziell Visa Cash App RB) mal abgesehen – erst das zweite Training, hier am Abend auf dem Bahrain International Circuit, war in Sachen Pistenverhältnisse repräsentativ für die Bedingungen in der Qualifikation und im Rennen.

Die zweite Trainingsstunde begann bei nur 17 Grad, die Bahn noch 23 Grad warm, die Sonne war 30 Minuten zuvor postkartenwürdig untergegangen, das alles bei strammem Wind, die Autos herrlich anzusehen, nun unter dem Flutlicht des Bahrain International Circuit von 3695 Leuchtelemente (wir geben zu, wir mussten zwei Mal zählen).

Im ersten Training galt für das Kräfteverhältnis auch à la Hollywood: Vom Winde verweht. Fast jeder Pilot berichtete über Schreckmomente und blockierte Räder, als sein Auto von einer Windbö erfasst wurde. Normal gilt hier in Bahrain: Zum Abend hin legt sich der Wind.

Nach einer Minute ermittelten die Regelhüter der FIA bereits: gegen Sauber-Fahrer Valtteri Bottas. Der zehnfache GP-Sieger aus Finnland hatte die Linie der Boxenausfahrt passiert, als die Ampel noch auf rot gestellt war. Das wird wohl mit einer gelben Karte (Verwarnung) enden.

Das Programm der meisten Teams für diese 60 Minuten: Abstimmung verfeinern, Quali-Simulation, Rennsimulation. Nicht zwingend in dieser Reihenfolge.

Erste Duftmarke: Lewis Hamilton im Mercedes mit weichen Pirelli vor Charles Leclerc im Ferrari, das Feld ein kunterbuntes Durcheinander aus Piloten mit weichen und mittelharten Reifen. Alonso rückte im Aston Martin auf Rang 2 hinter Hamilton. Aston Martin hatte im ersten Training mit unterschiedlichem Set-up experimentiert für Alonso und Lance Stroll, um möglichst viel Erfahrung zu sammeln.

Nach zehn Minuten ließ sich Weltmeister Max Verstappen mit weichen reifen auf der Bahn blicken – Rang 4, eine halbe Sekunde hinter Leader Hamilton.

Ferrari-Ass Leclerc hatte einen üblen Rutscher in der letzten Kurve. Zum Glück konnte der Monegasse sein Fahrzeug noch abfangen. «Checkt den Unterboden meines Autos.» Währenddessen beklagte sich McLaren-Fahrer Lando Norris darüber, dass sein Auto zu stark aufsetzt.

Russell raspelte mit seinem Dienst-Mercedes über die Randsteine, am Unterboden entstand kurz ein Feuer.

Verstappen schon sich auf Rang 3, das Williams-Duo tauchte in den Top-Ten auf, Stand nach 20 Minuten: Hamilton, Alonso, Verstappen, Leclerc, Pérez, Sainz, Stroll, Albon, Sargeant und Russell.

Ungewöhnliche Funkmeldung von Champion Verstappen: «Es kommt zu viel Luft in meinen Helm.» Der Niederländer kam an die Box und wählte einen anderen Helm.

Im ersten Training waren die Rundenzeiten von Hass erschreckend gewesen. Grund: Die Haas-Mannschaft mit Nico Hülkenberg und Kevin Magnussen hatte sich ganz auf Dauerläufe konzentiert. Nun, in einer Quali-Simulation, rückte Hülki kurz auf Rang 2 hoch, nur 133 Tausendstel hinter Hamilton.

Stand nach 30 Minuten: Hamilton 18 Tausendstelsekunden vor Sainz und 33 Tausendstel vor Piastri. Das riecht nach einem tollen Mehrkampf zwischen Mercedes, Ferrari und McLaren. Lecler versemmelte eine weitere Runde.

Sergio Pérez rückte mit weichen Pirelli aus und war schneller als Verstappen, aber mit Rang 6 wirkte das in der Reihenfolge jetzt nicht brilliant. Max Verstappen dann mit einer Verbesserung, aber noch immer eine halbe Sekunde hinter Hamilton. Wir dürfen behaupten: Mit fast leerem Tank ist Red Bull Racing nicht ausgerückt. Und mit voller Leistung wohl auch nicht.

McLaren-CEO Zak Brown: «So wie wir die Lage einschätzen, sind Ferrari und Red Bull Racing hier nicht mit vollem Dampf gefahren.»

George Russells Mercedes setzte noch immer heftig auf, aber dennoch – nun zwei Mercedes vorne, Hamilton vor Russell. Dahinter Fernando Alonso.

Leclerc schimpfte über seine Gegner: «Die sind alle verdammt noch mal am Pennen.»

Nachdem die meisten Fahrer zwei Sätze der weichen Reifen verfeuert hatten, wurden Dauerläufe gemacht.

Was ist die Bestzeit von Lewis Hamilton mit 1:30,374 min wert? Zum Vergleich: Max Verstappen stellte seinen Red Bull Racing-Rennwagen 2023 in Bahrain auf die Pole-Position mit einer Zeit von 1:29,708 min. Da ist also noch viel Luft nach oben.

Oder wie es Mercedes-Teamchef Toto Wolff sagt: «Der Blödsinn endet am Freitag in der Quali.»

2. Training, Bahrain

01. Lewis Hamilton (GB), Mercedes, 1:30,374 min
02. George Russell (GB), Mercedes, 1:30,580
03. Fernando Alonso (E), Aston Martin, 1:30,660
04. Carlos Sainz (E), Ferrari, 1:30,769
05. Oscar Piastri (AUS), McLaren, 1:30,784
06. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing, 1:30,851
07. Nico Hülkenberg (D), Haas, 1:30,884
08. Lance Stroll (CDN), Aston Martin, 1:30,891
09. Charles Leclerc (MC), Ferrari, 1:31,113
10. Sergio Pérez (MEX), Red Bull Racing, 1:31,115
11. Alex Albon (T), Williams, 1:31,333
12. Daniel Ricciardo (AUS), Racing Bulls, 1:31,516
13. Logan Sargeant (USA), Williams, 1:31,715
14. Kevin Magnussen (DK), Haas, 1:31,764
15. Yuki Tsunoda (J), Racing Bulls, 1:31,881
16. Pierre Gasly (F), Alpine, 1:31,951
17. Valtteri Bottas (FIN), Sauber, 1:32,001
18. Esteban Ocon (F), Alpine, 1:32,027
19. Guanyu Zhou (RCH), Sauber, 1:32,048
20. Lando Norris (GB), McLaren, 1:32,608

1. Training, Bahrain

01. Daniel Ricciardo (AUS), Racing Bulls, 1:32,869 min
02. Lando Norris (GB), McLaren, 1:32,901
03. Oscar Piastri (AUS), McLaren, 1:33,113
04. Yuki Tsunoda (J), Racing Bulls, 1:33,183
05. Fernando Alonso (E), Aston Martin, 1:33,193
06. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing, 1:33,238
07. George Russell (GB), Mercedes, 1:33,251
08. Charles Leclerc (MC), Ferrari, 1:33,268
09. Lewis Hamilton (GB), Mercedes, 1:33,302
10. Valtteri Bottas (FIN), Sauber, 1:33,354
11. Carlos Sainz (E), Ferrari, 1:33,385
12. Sergio Pérez (MEX), Red Bull Racing, 1:33,413
13. Alex Albon (T), Williams, 1:33,583
14. Lance Stroll (CDN), Aston Martin, 1:33,868
15. Guanyu Zhou (RCH), Sauber, 1:33,923
16. Logan Sargeant (USA), Williams, 1:34,213
17. Esteban Ocon (F), Alpine, 1:34,807
18. Pierre Gasly (F), Alpine, 1:35,144
19. Kevin Magnussen (DK), Haas, 1:37,477
20. Nico Hülkenberg (D), Haas, 1:37,938

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