Formel 1: Mercedes-Ärger über Dummheit

Pastor Maldonado-Schock 2012: GP-Sieg mit Williams

Von Mathias Brunner
​An diesem 13. Mai 2024 sind es zwölf Jahre her, dass die Fans über einen unerwarteten Grand-Prix-Sieger staunten – als der Venezolaner Pastor Maldonado in Spanien 2012 mit Williams sensationell zum Sieg fuhr.

Pastor Maldonado leidet nicht an falscher Bescheidenheit. Der heute 39-jährige Venezolaner behauptete vor ein paar Jahren vollmundig, dass er kurz vor einem Ferrari-Vertrag stand und dass er damals der Max Verstappen seiner Ära gewesen sei. Äh, pardon?

Pastor Maldonado hat immer polarisiert. Der temperamentvolle Venezolaner schwankte zwischen Genie und Wahnsinn: Einige seiner Darbietungen waren von eindrucksvoller Makellosigkeit, ich erinnere mich an seine GP2-Siege in Monte Carlo oder den bislang letzten Grand-Prix-Sieg für Williams, 2012 in Barcelona. In Katalonien machte der Pastor heute vor exakt zwölf Jahren, am 13. Mai 2012, alles richtig.

Und dann gab es Situationen, in welchen Maldonado seine Gegner mit Manövern verärgerte, stümperhaft wie ein Kart-Anfänger. Eine Weile wurde sogar eine Internetseite betrieben mit einem Countdown – der wurde immer auf null gestellt, wenn Maldonado einen neuen Crash hatte. Die Uhr wurde ziemlich oft auf null gestellt.

Maldonado ging von Australien bis Abu Dhabi 2015 in der Formel-1-WM 95 Mal an den Start. Anfangs Februar 2016 bestätigte Renault: Der Däne Kevin Magnussen fährt anstelle von Maldonado. Weil Maldonados langjähriger Sponsor, die Petróleos de Venezuela S.A. (kurz PDVSA), als Geldquelle versiegt war, musste Pastor gehen, trotz Vertrags.

Wegen des fallenden Ölpreises und eines Korruptionsskandals geriet der staatlich-venezolanische Mineralöl-Konzern mit Zahlungen für Schützling Maldonado in Verzug. Die Petróleos de Venezuela S.A. hatte für Maldonado bei Williams einen Fünfjahresvertrag ausgehandelt, jedes Jahr wurden ab 2011 rund 30 Mio Dollar fällig.

Steigbügelhalter von Maldonados Rennkarriere war der frühere Staatschef Hugo Chávez (im März 2013 verstorben), doch die Hilfe für Pastor war in Venezuela stets umstritten.

2019 nahm Maldonado in einem Podcast der Formel 1 den Mund ganz schön voll. «Ich war voll angesagt damals, ich war der Max Verstappen jener Epoche, wie Robert Kubica davor. Die Leute kamen zu mir, jeder wollte mich. Es gab einen Punkt, da war ich ganz nahe an einem Ferrari-Vertrag, das war 2013 hinsichtlich jenes Autos, dass dann an Kimi Räikkönen ging. Ich glaubte wirklich daran, dass das klappen würde. Es gab Verhandlungen mit dem damaligen Teamchef Stefano Domenicali und auch mit dem Präsidenten Luca Montezemolo.»

Also was ist schiefgegangen? Maldonado ist der Überzeugung, er wurde letztlich ein Opfer der Personalwechsel bei Ferrari, als zuerst Stefano Domenicali seinen Platz als Teamchef räumen musste (April 2014) und dann Firmenpräsident Luca Montezemolo entmachtet wurde (September 2014). Maldonado sagt: «Wir haben unsere Kontakte zu Ferrari verloren und uns dann auf andere Möglichkeiten konzentriert.»

Und wie lief das damals beim Sensations-Sieg in Spanien?

Der Start auf der schmutzigen Seite verlief zwar nicht wie erwünscht, doch danach konnte Maldonado das von Fernando Alonso im Ferrari vorgelegte Tempo problemlos mitgehen.

Ein wichtiger Baustein für den Sieg war die Art und Weise, wie das Team am Kommandostand agierte. Man wartete nicht, bis Ferrari zum Boxenstopp kam, sondern gab seinerseits die Linie vor. Beim zweiten Boxenstopp sorgte das dafür, dass Maldonado wichtige Sekunden gutmachen und die Führung übernehmen konnte. Der letzte Stopp war zwar etwas langsamer, dennoch reichte es erneut.

Vor Spanien 2012 hatte Williams zuletzt in Brasilien 2004 gesiegt. Damals gewann auch ein Südamerikaner, Juan Pablo Montoya.

Schon im Qualifying hatte Maldonado geglänzt: zweitschnellste Zeit hinter Lewis Hamilton. Doch dem englischen Star, damals für McLaren-Mercedes am Lenkrad, wurde die Pole weggenommen – Regelverletzung in Bezug aufs Nachtanken, letzter Startplatz.

Daher also Pole für Pastor Maldonado, die 127. von Williams, seither ist nur eine hinzugekommen, von Felipe Massa in Österreich 2014.

Der Williams-Fahrer war die Sensation des Trainings, aber die Überraschung hatte sich am Samstagmorgen angekündigt, da war der Pastor Zweitschnellster. In der Folge Fünftbester im ersten Quali-Segment, Schnellster im zweiten, dann Zweiter, als es um die Wurst ging. Gut, eine halbe Sekunde hinter dem überragenden Pole-Mann Hamilton, aber wen kümmert’s heute noch?

Woher kam scheinbar aus dem Nichts dieser Speed?

Pastor erklärte das so: «Wir verstehen endlich die Reifen und haben es verstanden, den Wagen für die Charakteristik dieser Walzen weiterzuentwickeln. Das Ergebnis seht ihr hier. Hätte ich mit diesem Ergebnis gerechnet? Sicher nicht – ich war heute morgen verblüfft, wie schnell der Wagen mit fast leerem Tank gewesen ist. Und dann lief es einfach besser und besser.»

Pastor vor dem Rennen: «Ich kann den Start kaum erwarten, denn ich weiß – der Wagen geht auch im Dauerlauf wie die Feuerwehr! Ich lasse mich jetzt nicht irre machen, ich will die Ruhe bewahren und ein gutes Ergebnis herausfahren.»

Hat ziemlich gut geklappt.

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