Pirelli und Mercedes: Wie geheim war Geheimtest?

Von Adam Cooper
Formel 1

Pirelli und Mercedes spielen den umstrittenen Test herunter. Was passierte in Barcelona wirklich?

Am vergangenen Freitag hat Pirelli-Rennchef Paul Hembery sich in Humor geflüchtet. «Wir wären ziemlich lausige Geheimdienstler», sagt der Engländer zum grossen Aufreger in der Formel 1, also über den Geheimtest von Mercedes mit Pirelli in Barcelona, in der Woche vor dem Monaco-GP.

Hembery: «Einige haben diesen Test also als geheim eingestuft. Nun, wir haben die Strecke unter unserem Namen gebucht, wir waren mit unseren Lastwagen da, wir hatten einen Silberpfeil als Testträger. Auf dem «Circuit de Catalunya» ist ein Formel-1-Renner kilometerweit zu hören. Wenn jeweils gefahren wird, kommen die Fans und schiessen ein paar Erinnerungsfotos. Besonders geheim kommt mir das nicht vor.»

Aber wie war es wirklich?

Wir haben Pius Gasso gefragt, einen früheren Motorrad-Rennfahrer, der einen Steinwurf von der Bahn entfernt lebt. Von seinen Freunden aus der spanischen Motorsport-Szene wird der «das allsehende Auge» genannt – weil ihm so gut wie nichts entgeht, was auf der katalonischen Rennstrecke passiert. Er kennt die Menschen, die an der Strecke arbeiten, er weiss, wie man auf die Bahn kommt, wenn man dort nicht sehen sollte, er macht Bilder, die James Bond zur Ehre gereichen würden.

Gasso schoss auch Bilder vom Pirelli-Test mit Ferrari, einige davon landeten im Internet, die Reaktion darauf war jedoch mässig. Was daran liegt, dass Ferrari oft mit älteren Formel-1-Rennern ausrückt. Nur mit dem Unterschied, dass dabei keine neuen Pirelli-Reifen getestet werden ...

Der Mercedes-Test war anders. Obschon Gasso sich die grösste Mühe gab, gelangte er nicht in die Nähe des Geschehens und konnte lediglich Fotos von sehr weit weg schiessen sowie eine Tonaufnahme vom fahrenden Wagen machen.

Wie erlebte Gasso die Unterschiede zwischen den beiden Tests?

«Beim Ferrari-Test gelangen mir Bilder vom Tor in der Neu-Holland, also in der Verlängerung der letzten Kurve. Wegen der Pisten-Kameras entlang der Bahn standen jedoch schnell vier Sicherheits-Leute vor mir, die sagten, es handle sich um einen privaten Test und ich solle bitte gehen. Sie meinten: «Pirelli will keine Bilder, das ist ein GP2-Test, und am Lenkrad sitzt auch ein Nobody.» Ich hatte meine Bilder, also ging ich.»

«Beim Mercedes-Test war das Tor in der Neu-Holland komplette geschlossen und zusätzlich mit roter Plane verhängt. Es war wirklich unmöglich, hinein zu sehen. Das Sicherheits-Personal liess mich keine paar Minuten auf dem kleinen Strässchen entlang des Tors. Ich machte eine Audio-Aufnahme und kletterte dann auf einen kleinen Hügel, um von weitem ein Bild zu schiessen.»

Die Frage ist nun: Wieso überhaupt die Geheimnis-Krämerei?

Nicht mal ein Fachmann von, sagen wir Michelin könnte von Gassos Platz oder gar von der Tribüne aus etwas Sachdienliches erkennen. Er würde nicht einmal etwas lernen, stünde er vor der Mercedes-Box. Schliesslich bestätigt such Hembery selber, dass Mercedes selber ja keine Ahnung hatte, was da getestet wird. Pirelli hat überdies früher zu Tests mit dem rollenden Labor von Renault/Lotus Vertreter aller Formel-1-Rennställe eingeladen.

Wäre das jetzt bei den jüngsten Tests passiert, hätten diese Vertreter mindestens prüfen können, ob alles gemäss den Datenschutz-Versprechungen von Pirelli passiert (keine Daten der Tests ans Lotus-Team) und ob Mercedes am aktuellen Wagen nicht neue Teile testet, sondern wirklich nur Reifen.

Nein, der Test hat durchaus das Etikett geheim verdient.

Der Autoverband FIA wird nun klären müssen, ob das dem Test-Abkommen gemäss des Sportgesetzes entspricht.

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