Nico Rosberg & Lewis Hamilton: Wer ist benachteiligt?

Von Mathias Brunner
Formel 1
Lewis Hamilton nach dem Motorbrand in Ungarn

Lewis Hamilton nach dem Motorbrand in Ungarn

Mercedes-Teamchef Toto Wolff sagt: «Die Stallorder-Diskussion lenkt nur vom eigentlichen Thema bei uns ab – wir müssen endlich die Standfestigkeit in den Griff bekommen.»

Einige Verschwörungstheoretiker unter den Hamilton-Fans bleiben hartnäckig bei ihrem Standpunkt: Probleme gibt es im Lager von Mercedes vorwiegend am Wagen ihres Lewis, das nährt bei ihnen den Verdacht, dass Nico Rosberg bevorzugt werde. Teamchef Toto Wolff hat dazu schon mehrfach festgehalten: «Völliger Unsinn. Wieso sollten wir einen unserer Fahrer benachteiligen, wo wir doch nach dem Maximum an WM-Punkten trachten?»

Im Testwinter wurde bald klar: Der Silberpfeil ist das Mass der Dinge. Doch im Rahmen der Bahrain-Tests sagte Nico Rosberg: «Speed ist eines, aber was nützt mir das, wenn ich nicht ins Ziel komme? Die Standfestigkeit ist überall ein grosses Thema, auch bei uns, kein Auto ist kugelsicher.»

Tatsächlich zeigt die Ausfallstatistik (mehr dazu HIER) drei stehengebliebene Silberpfeile in den elf Rennen. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. Längst erfahren wir nicht alle Dramen, die sich an Bord abspielen. Etwa wenn im Wagen von Rosberg die elektronisch gesteuerte Bremse spinn, wie auf dem Hungaroring. In der Ausfallstatistik taucht so etwas nicht auf.

Ebenso wird oft verschleiert, was im Training vor sich geht. Ein Unfall nach Bremsdefekt wie in Hockenheim, ein Motorbrand am Wagen des Briten wie in Ungarn, das lässt sich nicht kaschieren. Aber wie oft ist ein Formel-1-Renner im Dunkel der Box verschwunden, ohne dass wir im Detail darüber mit Informationen belästigt wurden, was am Wagen nicht funktionierte?

Und was ist nun mit der Mercedes-Ausfallbilanz?

Hamilton schied im Australien-GP aus (Isolation eine Zündkerze kaputt), er kam in China wegen eines Problems mit der vernetzten Aufhängung im freien Training weniger zum Fahren als erhofft. In Kanada kam es zu einem Fehler der Hochspannungs-Kontrollelektronik, somit zu permanentem Verlust der kinetischen Energierückgewinnung an beiden Autos, und das wiederum führte zu überlasteten Bremsen. Hamilton schied deswegen aus, Rosberg konnte sich den Verhältnissen anpassen und rettete sich ins Ziel.

Erneut ein Problem mit der MGU-K für Hamilton im freien Training von Silverstone, obiger Bremsdefekt in Hockenheim, obiger Motorbrand in Ungarn. Mindestens vier technische Probleme also im Training, zwei im Rennen, macht sechs.

Und Rosberg?

Keine Telemetrie in China (dennoch Zweiter), das freie Training von Spanien kompromittiert durch Probleme mit der Energierückgewinnung, der gleiche Defekt wie Hamilton in Kanada, wieder ein Problem mit der Energierückgewinnung im freien Training von Österreich, in Führung liegend ausgeschieden in England, wegen Getriebeschadens. Zwei technische Probleme also im Training, drei im Rennen, macht fünf.

Was offensichtliche Schwierigkeiten angeht, so liegen Rosberg und Hamilton ungefähr so gleichauf wie in der WM.

Fazit von Toto Wolff: «An der Zuverlässigkeit müssen wir dringend arbeiten. Wir müssen die Defekte verstehen lernen und abstellen.»

Denn ungefähr das Letzte, was Mercedes will: dass der tolle WM-Zweikampf zwischen Rosberg und Hamilton durch einen Defekt entschieden wird.

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